GRRR!
Künstler: Rolling Stones, The
Label: Universal Music Group
Erscheinungsjahr: 2012
Wertung: 5/5
Was soll man über eine Band sagen, um die Mythos und Legende gebaut sind? Eine neue Kompilation zum 50. Jubiläum der The Rolling Stones. Eine Dreifach-Kompilation mit allen bekanntesten Hits – und wisst ihr, womit noch? Mit zwei brandneuen Songs. Die alten Schlachtrosse zeigen also noch immer künstlerische Lebenszeichen.
Chronologisch von den allerersten Anfängen, an denen man deutlich sieht, woher die Liebe zur Musik dieser legendären Band stammt. Delta Blues. Die ersten vier Songs dieser Kompilation sind Coverversionen klassischer Originale von Chuck Berry bis Willie Dixon und stellen einen Mini-Guide zum Kernstück der Wurzeln der Band dar. Schon diese machen unmissverständlich klar, dass die frühen The Rolling Stones diese Originale ihrem einzigartigen Musikverständnis durch die Linse des Rock ’n‘ Roll-Exzesses angepasst haben. Von Mick Jaggers extravaganter Lipperei und Grimassiererei bei der Gestaltung des spezifischen Melos und dem Nachhall der Zeilen in den Gesangslinien bis hin zum eigentümlichen Scheppern des bewusst lauten Gitarrenklangs der Achse Richards/Jones. Die erste CD könnte den authentischsten Abdruck der Erbsünde dieser Band kaum treffender zusammenfassen. Alles im ersten Take gespielt, alles ursprünglich, ehrlich und vor allem mit dem Charakter einer pionierhaft revolutionären Provokation. Nackter, bloßer und barfüßiger Rock ’n‘ Roll, der, bis an die Zähne bewaffnet mit der ursprünglichen Chemie des kreativen Nukleus Jagger/Richards, ein musikalisches Erbe schmiedete, dessen Größe in dieser Galaxie schlicht niemand anzuzweifeln wagt. Alles ist erhalten. Neben dem genialen Mut der Band gibt es hier auch die „Patzer“ – sowohl spielerische als auch produzierte –, die genau dort sein müssen, wo sie sind! Genau solche elementaren Würzzutaten verleihen der Geschichte der The Rolling Stones einen zusätzlichen authentischen Kern, dem auch die Kompilation „Grrr!“ nicht ausweicht.
Die erste CD führt den Hörer weiter zu einem der originellsten Riffs der Rockära in Satisfaction, wo man trotz der ursprünglichen Schlichtheit eine ganze Menge Feinheiten in den Melodielinien von Richards‘ Gitarrenspiel heraushören kann (durch den kombinierten Einsatz seiner „Fuzz Box“) – bis hin zur Basslinie im Kontrapunkt. Doch Songs wie 19th Nervous Breakdown, Paint It Black (ein hingeworfener Handschuh an George Harrison – lies: Integration der Sitar) und Have You Seen Your Mother (Standing In the Shadow)? hätten die frühen The Rolling Stones-Visionen des Rock ’n‘ Roll kaum treffender definieren können! Hier sind, mit einem „Beatles-Pony“ geschnitten, Ruby Tuesday und We Love You, dazu As Tears Go By, die bereits in der Frühphase das angeborene Gespür der Band für feinfühlige Sophistication und Melodiosität betonen – was die Tür auch für sinfonische Arrangements öffnen konnte. Durchgängig im schamlosen Dialog mit hedonistischem Exzess, einem Schleier von Bedrängnis, geerbt aus dem Erbe des Blues, im Rasen fein platzierter Rebellion, die ganze Teenager-Generationen in ihr Räderwerk sog.
CD Nummer „2″ eröffnet Jumping Jack Flash. Das Markenzeichen der zweiten CD ist größere Präzision im Gitarrenspiel (dank Mick Taylors Virtuosität), gewachsene Arrangements, noch mehr Definiertheit in den Kompositionen. Die Ausrüstung der Songs mit zusätzlichem Schlagwerk, der zunehmende Einsatz von Tamburin und dem Fuhrpark von Mick Jaggers „Shakern“ wird immer aktiver, das Kontrastieren der Gesichter von Sophistication (You Can’t Get Always What You Want) und Rauheit – die nicht zwingend durch Gitarrengezerre definiert wird, wie in Sympathy For The Devil mit der Kombination aus Piano, Mick Jaggers infektiösem Gesangsexzess und dem pavianesken Geheul der Backing Vocals – noch ausgiebiger. Hinzu kommt der Einsatz von Bläser-, Piano-, Orgel- und Backing-Vocal-Harmonien. Brian Jones trank in jener Zeit wie ein Loch, weshalb er die meisten wichtigen Aufnahmen, die die kultigen Hit-Standards der zweiten CD zusammenfassen, verpasste – trotz seiner urwüchsigen explosiven Brillanz in Sachen Gitarrengelenkigkeit. Tracks wie Wild Horses, Brown Sugar und Heartbreaker bringen abenteuerliche Ausflüge der Band in Funk und Country, die das bewährte Rock ’n‘ Roll-Fundament der Besetzung saftig füllen. Ron Wood fügt in It’s Only Rock N‘ Roll eine neue qualitative Komponente in die Band ein. Was die Klangproduktion betrifft, trägt die Zusammenarbeit der Band mit Jimmy Miller den Siegerpokal in der Geschichte der The Rolling Stones davon. Mit ihm stellten The Rolling Stones ihre Elemente des besitzergreifenden Erotizismus, der dunklen Kräfte des Blues und des gierigen rebellischen Exzesses heraus, und wuchsen dabei gleichzeitig in Sachen Komposition und Arrangement. Dem entgeht auf dieser Kompilation natürlich auch das prophetische Gimme Shelter nicht (lies: „Altamont“), das überaus stark auch Meister wie Grand Funk Railroad beeinflusst hat.
Die dritte CD eröffnet der sophisticated, mit Funk-Disco-Rhythmus unterlegte erotische „Hüftschwung“ Miss You, die siegreichen Höhepunkte der Achtzigerjahre sind dann noch Start Me Up mit dem Killer-Riff, Beast Of Burden, Respectable, Emotional Rescue, dazu das monströse Undercover Of The Night und Mixed Emotions. Produzierungstechnisch eine weniger überzeugende Fortsetzung der Karriere durch die Achtziger für die Band – was auch die exzellente Erinnerung an das Café-Abenteuer auf Hawaii in Waiting On A Friend nicht verbirgt. Trotzdem spiegelt die dritte CD den natürlichen Reifungsprozess der Band im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens wider, und trotz des Mangels an klanglicher Wärme verliert die Scheibe nichts von dem echten The Rolling Stones-Drive und der Charisma, was der Hit Don’t Stop beschließt.
Die dritte Scheibe runden die neuen Songs Doom And Gloom und danach One More Shot ab. Interessant ist, dass bei beiden neuen Songs Don Was hinter dem Produzenten-Pult sitzt, der „Schuldige“ für das übertriebene Polieren des Klangs späterer Werke der Band – die Arbeit an beiden neuen Stücken der Band hat er jedoch hervorragend erledigt. Beide neuen Songs sind nämlich gitarrenorientierte Nummern. In beiden protzen Richards‘ Riffs mit einer Intensität wie selten, schon fast mit der Provokation eines AC/DC-Riffs – was eine hervorragende Ankündigung für das nächste The Rolling Stones-Album ist (sofern es überhaupt dazu kommt). Entscheidend ist natürlich, an welchen Produzenten sich The Rolling Stones wenden werden. Die neuen Songs beweisen, dass The Rolling Stones ihren Drive nicht verloren haben, und die magische Chemie zwischen Richards und Jagger hält dabei die Magazine voll geladen. Die Aussichten sind also gut.
Dieser Kompilation kannst du nichts hinzufügen. Du kannst ihr nichts wegnehmen. In fünf Dekaden des Bestehens der Band sind die größten Momente der einzigartigen The Rolling Stones vereint – einer Band, die Generationen geprägt hat, die Entwicklung des Rock geprägt hat, Standards gesetzt hat, die praktisch jede Inkarnation einer Rockband späterer Generationen und des neuen Jahrtausends verkörpert.
Was soll man über eine Band sagen, um die Mythos und Legende gebaut sind? Eine neue Kompilation zum 50. Jubiläum der The Rolling Stones. Eine Dreifach-Kompilation mit allen bekanntesten Hits – und wisst ihr, womit noch? Mit zwei brandneuen Songs. Die alten Schlachtrosse zeigen also noch immer künstlerische Lebenszeichen.
Chronologisch von den allerersten Anfängen, an denen man deutlich sieht, woher die Liebe zur Musik dieser legendären Band stammt. Delta Blues. Die ersten vier Songs dieser Kompilation sind Coverversionen klassischer Originale von Chuck Berry bis Willie Dixon und stellen einen Mini-Guide zum Kernstück der Wurzeln der Band dar. Schon diese machen unmissverständlich klar, dass die frühen The Rolling Stones diese Originale ihrem einzigartigen Musikverständnis durch die Linse des Rock ’n‘ Roll-Exzesses angepasst haben. Von Mick Jaggers extravaganter Lipperei und Grimassiererei bei der Gestaltung des spezifischen Melos und dem Nachhall der Zeilen in den Gesangslinien bis hin zum eigentümlichen Scheppern des bewusst lauten Gitarrenklangs der Achse Richards/Jones. Die erste CD könnte den authentischsten Abdruck der Erbsünde dieser Band kaum treffender zusammenfassen. Alles im ersten Take gespielt, alles ursprünglich, ehrlich und vor allem mit dem Charakter einer pionierhaft revolutionären Provokation. Nackter, bloßer und barfüßiger Rock ’n‘ Roll, der, bis an die Zähne bewaffnet mit der ursprünglichen Chemie des kreativen Nukleus Jagger/Richards, ein musikalisches Erbe schmiedete, dessen Größe in dieser Galaxie schlicht niemand anzuzweifeln wagt. Alles ist erhalten. Neben dem genialen Mut der Band gibt es hier auch die „Patzer“ – sowohl spielerische als auch produzierte –, die genau dort sein müssen, wo sie sind! Genau solche elementaren Würzzutaten verleihen der Geschichte der The Rolling Stones einen zusätzlichen authentischen Kern, dem auch die Kompilation „Grrr!“ nicht ausweicht.
Die erste CD führt den Hörer weiter zu einem der originellsten Riffs der Rockära in Satisfaction, wo man trotz der ursprünglichen Schlichtheit eine ganze Menge Feinheiten in den Melodielinien von Richards‘ Gitarrenspiel heraushören kann (durch den kombinierten Einsatz seiner „Fuzz Box“) – bis hin zur Basslinie im Kontrapunkt. Doch Songs wie 19th Nervous Breakdown, Paint It Black (ein hingeworfener Handschuh an George Harrison – lies: Integration der Sitar) und Have You Seen Your Mother (Standing In the Shadow)? hätten die frühen The Rolling Stones-Visionen des Rock ’n‘ Roll kaum treffender definieren können! Hier sind, mit einem „Beatles-Pony“ geschnitten, Ruby Tuesday und We Love You, dazu As Tears Go By, die bereits in der Frühphase das angeborene Gespür der Band für feinfühlige Sophistication und Melodiosität betonen – was die Tür auch für sinfonische Arrangements öffnen konnte. Durchgängig im schamlosen Dialog mit hedonistischem Exzess, einem Schleier von Bedrängnis, geerbt aus dem Erbe des Blues, im Rasen fein platzierter Rebellion, die ganze Teenager-Generationen in ihr Räderwerk sog.
CD Nummer „2″ eröffnet Jumping Jack Flash. Das Markenzeichen der zweiten CD ist größere Präzision im Gitarrenspiel (dank Mick Taylors Virtuosität), gewachsene Arrangements, noch mehr Definiertheit in den Kompositionen. Weiterhin wird die Ausrüstung der Songs mit zusätzlichem Schlagwerk, der Einsatz von Tamburin und dem Fuhrpark von Mick Jaggers „Shakern“ immer aktiver. Das Kontrastieren der Gesichter von Sophistication (You Can’t Get Always What You Want) und Rauheit – die nicht zwingend durch Gitarrengezerre definiert wird, wie in Sympathy For The Devil mit der Kombination aus Piano, Mick Jaggers infektiösem Gesangsexzess und dem pavianesken Geheul der Backing Vocals – ist noch ausgiebiger. Hinzu kommt der Einsatz von Bläser-, Piano-, Orgel- und Backing-Vocal-Harmonien. Brian Jones trank in jener Zeit wie ein Loch, weshalb er die meisten wichtigen Aufnahmen, die die kultigen Hit-Standards der zweiten CD zusammenfassen, verpasste – trotz seiner urwüchsigen explosiven Brillanz in Sachen Gitarrengelenkigkeit. Tracks wie Wild Horses, Brown Sugar und Heartbreaker bringen abenteuerliche Ausflüge der Band in Funk und Country, was das bewährte Rock ’n‘ Roll-Fundament der Besetzung saftig füllt. Ron Woods unbewusstes Punk-Sentiment fügt in It’s Only Rock N‘ Roll eine neue qualitative Komponente in die Band ein.
Was die Klangproduktion betrifft, trägt die Zusammenarbeit der Band mit Jimmy Miller den Siegerpokal in der Geschichte der The Rolling Stones davon. Mit ihm stellten The Rolling Stones ihre Elemente des besitzergreifenden Erotizismus, der dunklen Kräfte des Blues und des gierigen rebellischen Exzesses heraus, und wuchsen dabei gleichzeitig in Sachen Komposition und Arrangement. Dem entgeht auf der zweiten CD dieser Kompilation natürlich auch das prophetische Gimme Shelter nicht (lies: „Altamont“), das überaus stark auch Meister wie Grand Funk Railroad beeinflusst hat.
Die dritte CD eröffnet der sophisticated, mit Funk-Disco-Rhythmus unterlegte erotische „Hüftschwung“ Miss You, die siegreichen Höhepunkte der Achtzigerjahre sind dann noch Start Me Up mit dem Killer-Riff, Beast Of Burden, Respectable, Emotional Rescue, dazu das monströse Undercover Of The Night und Mixed Emotions. Produzierungstechnisch eine weniger überzeugende Fortsetzung der Karriere durch die Achtziger für die Band – was auch die exzellente Erinnerung an das Café-Abenteuer auf Hawaii in Waiting On A Friend nicht verbirgt. Trotzdem spiegelt die dritte CD den natürlichen Reifungsprozess der Band im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens wider, und trotz des Mangels an klanglicher Wärme durch den polierten Sound verliert auch die dritte Scheibe nichts von dem echten The Rolling Stones-Drive und der Charisma, was der Hit Don’t Stop beschließt.
Die dritte Scheibe runden die neuen Songs Doom And Gloom und danach One More Shot ab. Interessant ist, dass bei beiden neuen Songs Don Was hinter dem Produzenten-Pult sitzt, der „Schuldige“ für das übertriebene Polieren des Klangs späterer Werke der Band. Die Arbeit an beiden neuen Stücken der Band hat er jedoch hervorragend erledigt. Beide neuen Songs sind nämlich gitarrenorientierte Nummern. In beiden protzen Richards‘ Riffs mit einer Intensität wie selten, schon fast mit der Provokation eines AC/DC-Riffs – was eine hervorragende Ankündigung für das nächste The Rolling Stones-Album ist (sofern es überhaupt dazu kommt). Entscheidend ist natürlich, an welchen Produzenten sich The Rolling Stones wenden werden. Die neuen Songs beweisen, dass The Rolling Stones ihren Drive nicht verloren haben, und die magische Chemie zwischen Richards und Jagger hält dabei die Magazine voll geladen. Die Aussichten sind also gut.
Dieser Kompilation kannst du nichts hinzufügen. Du kannst ihr nichts wegnehmen. In fünf Dekaden des Bestehens der Band sind die größten Momente der einzigartigen The Rolling Stones vereint – einer Band, die Generationen geprägt hat, die Entwicklung des Rock geprägt hat, Standards gesetzt hat, die praktisch jede Inkarnation einer Rockband späterer Generationen und des neuen Jahrtausends verkörpert. Euch erwartet eine dreifache Dosis sattes Reinbeißen in das große Erbe des Rock ’n‘ Roll und eine hervorragende Gelegenheit, eure Sammlung der The Rolling Stones-Kompilationen aufzustocken – von »Made In The Shade« (1975) bis »Forty Licks« (2002).
Besetzung
Mick Jagger – Gesang
Keith Richards – Gitarre
Ron Wood – Gitarre
Brian Jones – Gitarre
Mick Taylor – Gitarre
Bill Wyman – Bassgitarre
Charlie Watts – Schlagzeug
Trackliste
| 1. Come On |
| 2. Not Fade Away |
| 3. It’s All Over Now |
| 4. Little Red Rooster |
| 5. The Last Time |
| 6. (I Can’t Get No) Satisfaction |
| 7. Time Is On My Side |
| 8. Get Off Of My Cloud |
| 9. Heart Of Stone |
| 10. 19th Nervous Breakdown |
| 11. As Tears Go By |
| 12. Paint It, Black |
| 13. Under My Thumb |
| 14. Have You Seen Your Mother, Baby, Standing In The Shadow? |
| 15. Ruby Tuesday |
| 16. Let’s Spend The Night Together |
| 17. We Love You |
| 1. Jumpin’ Jack Flash |
| 2. Honky Tonk Women |
| 3. Sympathy For The Devil |
| 4. You Can’t Always Get What You Want |
| 5. Gimme Shelter |
| 6. Street Fighting Man |
| 7. Wild Horses |
| 8. She’s A Rainbow |
| 9. Brown Sugar |
| 10. Happy |
| 11. Tumbling Dice |
| 12. Angie |
| 13. Rocks Off |
| 14. Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker) |
| 15. It’s Only Rock ‘N’ Roll |
| 16. Fool To Cry |
| 1. Miss You |
| 2. Respectable |
| 3. Beast Of Burden |
| 4. Emotional Rescue |
| 5. Start Me Up |
| 6. Waiting On A Friend |
| 7. Undercover Of The Night |
| 8. She Was Hot |
| 9. Streets Of Love |
| 10. Harlem Shuffle |
| 11. Mixed Emotions |
| 12. Highwire |
| 13. Love Is Strong |
| 14. Anybody Seen My Baby? |
| 15. Don’t Stop |
| 16. Doom And Gloom |
| 17. One More Shot |