Gojira erschütterten Roncade (2016)
Autor: Primož Novak
Ort: Roncade/New Age/Italien
Konzertdatum: 07.06.2016
Eintrittspreis: 26€
Die französische Sensation Gojira ist in den letzten Jahren wirklich schwer in Clubnähe zu Slowenien zu erwischen. Die Band taucht nämlich häufiger auf Festivals und in den USA auf. Rein zufällig hat es die Band jedoch in den Club New Age verschlagen, in das italienische Städtchen Roncade bei Treviso, wo sie einen der seltenen Nicht-Festival-Auftritte absolvierte. Das bedeutete automatisch ein längeres Set und natürlich weniger Publikum – was großen Bands aber oft keine besondere Motivation gibt, sodass sie ihre Auftritte schnell und routinemäßig abspulen. So etwas wurde auch bei Gojira irgendwie erwartet.
Doch bevor Gojira die Bühne betraten, sorgten die italienischen Bleed Someone Dry für das Aufwärmprogramm und präsentierten der kleinen Menge ihre Version von Deathcore, die sich eher dem technischen Ansatz zuneigte. Allzu großes Interesse an der Band war allerdings nicht vorhanden. Die Besucher kühlten sich lieber draußen mit einem Bier ab.
Um zehn war es dann Zeit für die heiß erwarteten französischen Schwergewichte. Nach einem kurzen atmosphärischen Intro explodierte die Band mit Toxic Garbage Island. Das Publikum verfiel schon bei den ersten Takten in Delirium, Moshpits entstanden einer nach dem anderen, und Gojira machten gnadenlos weiter mit den vernichtenden L’Enfant Sauvage und The Heaviest Matter of Universe. Danach war Zeit für die Promotion des neuen Albums Magma, das noch nicht offiziell erschienen war. Zunächst mit dem starken, zündenden Silver, dann mit Stranded, mit dem die Stimmung etwas beruhigt wurde. Die Neuheiten haben sich auf jeden Fall gut bewährt. Das Publikum bewegte sich und nahm Stranded, das etwas kommerzieller ausgerichtet ist, mehr als gut an – das Potenzial des neuen Albums zeigte sich deutlich. Gojira demonstrierten in kürzester Zeit eine unglaubliche Eingespielheit, auch die Kondition ließ nicht nach. Die Energie ist schlicht unglaublich – besonders bewundernswert ist Drummer Mario Duplantier, der unglaublich präzise und gleichzeitig kraftvoll spielt. Mit Flying Whales steigerte sich die Hitze noch weiter, und auch ein Circle Pit entstand – was angesichts der Größe der Halle nicht zu erwarten war. Sie griffen auch auf älteres Material zurück, wie Wisdom Comes und Clone. Als Höhepunkt galt für viele The Art of Dying, heute einer der bekanntesten Tracks der Band – wegen der Verbindung aus Komplexität und Epik. Das Ende dieses Stücks war für Fans gebrochener Rhythmusmuster schlicht zum Zungenablecken. Gojira lieferten nämlich den abschließenden Breakdown von Remembrance, vor dem selbst Meshuggah den Hut ziehen würden. Terra Inc. baute die Spannung sinnvoll ab, dann schlugen sie erneut mit Explosia zu und schlossen mit dem besonderen Oroborus ab – das zwar nicht brutal ist, aber rhythmisch sehr interessant, besonders wegen des abgehackten Tapping-Riffs, das die Band gerne einsetzt. Für die Zugabe veränderten sie die Struktur des Songs leicht und fügten ein anderes Outro hinzu. Dann folgte eine kurze Pause.
Am Auftritt selbst gab es nichts auszusetzen – die Band spielte souverän, alles andere als routinemäßig. Auch der Sound verdient Lob: Für die Verhältnisse der Halle war er sehr gut, sodass man den Auftritt noch mehr genießen konnte. Die Songs waren auf interessante Weise miteinander verbunden – manchmal sogar ohne Ansage, mit einem instrumentalen Intermezzo, was das Ganze noch abwechslungsreicher und interessanter machte. Vokalist/Gitarrist Joe Duplantier schlug sich trotz der Hitze gut, obwohl er Probleme mit dem Mikrofon hatte und ihm gelegentlich auch die Stimme ausging – den Gesamteindruck hat das aber nicht getrübt. Nach ein paar Minuten kehrte Mario Duplantier als Erster zurück und zeigte mit seinem Drum-Solo einmal mehr, dass er schnell und komplex spielen kann. Natürlich ist er auf seine Art auch mitverantwortlich für Gojiras Popularität – ohne seinen Sinn für Groove und Technik wären sie wohl nie so bekannt geworden. Nach Marios Solo schlug die Band noch mit Clone zu, das die älteren Fans begeisterte, und schloss mit Vacuity ab, das mit morbiden Sludge-Elementen und einem starken Refrain punktet, den das Publikum lautstark mitsang – gefolgt von einem Übergang in einen aggressiven Part mit Blast Beats, bei dem das Publikum noch mit letzten Kräften ausrastete. Nach 70 Minuten verabschiedete sich die Band leider. Aber ihren Auftritt haben sie außergewöhnlich gemeistert.
Wahrscheinlich hatte man am wenigsten damit gerechnet, dass Gojira auch heute noch vor einem kleinen Publikum genauso energisch und souverän auftreten wie vor einer riesigen Festivalmenge. Definitiv eine Band, die nicht auf Reserve spielt, sondern sich von ihrer allerbesten Seite zeigt.
*Die Fotos vom Konzert stammen von Marko Engelman.
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