Get Off Your Ass
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Autograph
Label: Ellefson Music Productions
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 49:06
Wertung: 4/5
Die Band Autograph kennt heute jeder Fan des Glam/Hair Metal der Achtziger. Die Jungs haben in den Achtzigern ein ordentliches Stück der Glam-Metal-Bewegung und Sunset-Strip-Folklore mitgeschrieben und sich dauerhaft in die Rock’n’Roll-Landkarte eingebrannt mit einem Trio außergewöhnlicher Alben, die sie durch die Achtziger veröffentlichten, nämlich „Sign In Please“ (1984), „That’s The Stuff“ (1985) und „Loud And Clear“ (1987). Das erste Album erreichte in den USA Goldstatus, und Turn Up the Radio wurde beim Publikum zum volksnahen Evergreen und bekanntesten Hit der Bandkarriere. Autograph lösten sich Ende der Achtziger zum ersten Mal auf. Danach reaktivierten sie sich 2002, veröffentlichten noch zwei Alben und gingen 2005 erneut in eine Ruhephase. 2013 brachen sie auch diese Pause und fanden sich in einer Besetzung aus zwei Originalmitgliedern zusammen, nämlich Gitarrist Steve Lynch und Bassist Randy Rand, während die Neuzugänge in der Truppe Sänger und Rhythmusgitarrist Simon Daniels (zuvor bei Jailhouse) und Schlagzeuger Marc Wieland sind.
Vor allem Sänger Simon Daniels war vom ersten Tag seines Einstiegs an ein großes Fragezeichen. Doch die Jungs haben bewiesen, dass mit den erneuerten Autograph in neuen Zeiten nicht zu spaßen ist, und souverän alle Glaubwürdigkeit durch überzeugende Bühnenauftritte bewahrt, die von drei nacheinander veröffentlichten neuen Singles gekrönt wurden, die Anfang letzten Jahres als neue EP »Louder« erschienen. Darauf haben Autograph noch eine Version des Hits Turn Up the Radio hinzugefügt, live aufgenommen in der aktuellen Besetzung der Band, und das vor allem bewusst, um auch die letzten ungläubigen Thomasse zu überzeugen, die wegen der Abwesenheit von Originalsänger Steve Plunkett noch immer an der Qualität der neuen Autograph zweifelten.
»Get Off Your Ass« enthält eigentlich den kompletten Inhalt der EP »Louder« und vier völlig neue Songs. Also alle drei bereits bekannten Singles Every Generation, I Lost My Mind In America und den ersten Single zum Titeltrack Get Off Your Ass sowie den Song Watch Me Now, und die Live-Version des Hits Turn Up the Radio. Schon diese EP allein lieferte den Beweis, dass Autograph die gesamte Musikalität und Pracht des Songwritings bewahrt haben, die korrekt aus den Achtzigern herübergetragen wurde. Gleichzeitig haben sie ihre Produktion modernisiert, die dadurch deutlich lebendiger ist und kein »Polieren« kennt. Keyboards sind nicht zu hören, der Gesamtsound wirkt kompakt und organisch. Bissig und »laut«. Simon Daniels‘ Gesang rechtfertigt alle Erwartungen. Er trägt eine ansteckende Flamboyanz und verleiht dem Ganzen mit leichter Kehligheit das richtige Maß an Rotzigkeit. Gleichzeitig ist er in allen Stimmlagen ungemein souverän und setzt mit seinem Gesang – mit der Brillanz sinnlicher Grandeur – das entscheidende Tüpfelchen auf das »i« einer Reihe von gierigen und unglaublich durchdringenden Gitarrenphrasen. Die Band hat für das neue Album also auch vier neue Songs hinzugefügt, die qualitativ nicht hinter dem zurückbleiben, was »Louder« gebracht hat. Unter den Neuen sticht vor allem das ansteckende You Are Us, We Are You heraus, sehr gut macht sich auch die einzige Ballade All I Own, die dem Album kein abstoßendes Zuckerwasser beimischt, äußerst geschickt verpackt ist auch der abschließende Track des Albums Ready To Get Down, der neben dem ungemein wuchtigen Opener mit dem Titeltrack vielleicht sogar der stärkste Moment des Albums »Get Off Your Ass« ist. In einigen Übergängen zieht Ready To Get Down Parallelen zum Hit Turn Up the Radio. Und Steve Lynch, der König der Achtsaiten-»hammer on«-Gitarrentechnik, herrscht mit unverminderten Testosterondosen weiter in seinen legendären Gitarrensoli, durchtränkt von unglaublicher technischer Versiertheit und spielerischer Brillanz.
Das Album »Get Off Your Ass« bewahrt also durchgehend eine unglaubliche melodische Eingängigkeit, die ansprechende Natur einer Adrenalin-Hatz, die durch die handfeste Lautstärke befreiter Dezibel und das Pomp-Element aufrechterhalten wird, und ist ein Dokument, mit dem Autograph mit der geschickten Flexibilität gereifter Meister ihre Achtziger-Essenz in jeder Hinsicht glaubwürdig in neue Zeiten überführen. Die Arbeit also mit großer Sorgfalt und Hingabe erledigt. Mit Auszeichnung. Natürlich mit gewisser Vorsicht und vorheriger Abwägung, aber das war absolut notwendig, denn Autograph konnten es sich angesichts ihres Rufs als stilistische Klang-Perfektionisten der goldenen Glam-Metal-Ära schlicht nicht leisten, in neuen Zeiten einen künstlerischen Ausrutscher zu landen.
Autograph – Get Off Your Ass (offizielles Video):
Besetzung
Simon Daniels – Gesang, Gitarre
Steve Lynch – Gitarre
Randy Rand – Bassgitarre
Marc Wieland – Schlagzeug
Produktion
Steve Lynch
Trackliste
1 Get Off Your Ass (3:04)
2 Every Generation (3:57)
3 All I Own (4:26)
4 You Are Us, We Are You (5:15)
5 Meet Me Half Way (4:33)
6 I Lost My Mind In America (4:31)
7 All Emotion (3:36)
8 Watch It Now (3:19)
9 Ready To Get Down (4:29)
10 Turn Up The Radio (Live) (5:42)