Four of a Kind

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Goblin
Label: Import
Erscheinung: 2015
Laufzeit: 43:41
Bewertung: 4.5/5

Die kultigen italienischen Symphonic-Prog-Rocker Goblin, die mit dem Prog-Meisterwerk »Roller« (1976) sowie den Filmscores zu den Horrorfilmen »Profondo Rosso« (1975) und »Suspiria« (1977) berühmt wurden, sind mit einem neuen Album zurück – »Four of a Kind« –, was für all jene eine ziemliche Überraschung ist, die sie wegen der zahlreichen Höhen und Tiefen, instabiler Besetzungen und der Aufspaltung in verschiedene Bands namens Goblin insgeheim schon abgeschrieben hatten. Derzeit existieren gleich vier Goblin-Fraktionen: der „offizielle“ Goblin unter der Führung von Gitarrist Massimo Morante, Goblin Rebirth, Claudio Simonetti’s Goblin sowie Cherry Five.

In diesem Jahr sind die aktivsten Versionen der „offizielle“ Goblin unter der Leitung von Morante und Keyboarder Maurizio Guarini, die mit neuem Material in Form von »Four of a Kind« überrascht haben, sowie Goblin Rebirth, wo Bassist Fabio Pignatelli und Schlagzeuger Agostino Marangolo (beide gleichzeitig Mitglieder von Morantejevs Goblin) das Sagen haben. Letztere haben kürzlich das Album »Goblin Rebirth« aufgenommen, das vor zwei Jahren angekündigt und eingespielt wurde, aber erst in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt hat.

2015 wird offensichtlich auch von beiden neuen Goblin-Werken geprägt sein, was all jene freuen wird, die Nostalgie für qualitätsvollen italienischen Symphonic-Prog-Rock mit einem dunkleren, atmosphärischen Stempel verspüren. Goblin beweisen auf »Four of a Kind« nämlich auf Schritt und Tritt, dass sie die Liebe zur finsteren und schaurigen Atmosphäre nicht verloren haben, die die symphonisch strukturierten Instrumentalkompositionen mit klassischen rhythmischen Feinheiten durchdringt – zur Freude aller Liebhaber der italienischen Prog-Tradition.  

Die heutzutage oft übersehene Band, die vor allem für ihre Musik zu Horrorfilmen unter der Regie des kultigen italienischen Regisseurs Dario Argento bekannt ist, hat sich erstmals seit 2006, als das Album »Back to the Goblin 2005« erschien, entschlossen, eine Platte aufzunehmen, die aus der glänzenden Symphoprog-Rock-Tradition von »Roller« schöpft – und es handelt sich also nicht um einen begleitenden Filmscore, wie es für den Großteil ihrer Werke charakteristisch ist. Von der Besetzung, die »Roller« eingespielt hat, fehlt auf »Four of a Kind« einzig Keyboard-Maestro Claudio Simonetti, weshalb es kaum überrascht, zahlreiche klangliche Verwandtschaften zwischen beiden Alben zu hören.

Die Höllentore öffnen sich sperrangelweit bereits beim kataklysmischen »Uneven Times«, wo wütende Gitarrenkanaden, fette Basslinien und geheimnisvoll klingende Passagen auf dem Mini-Moog regieren. Bestimmte Klangsegmente, in denen sich Gitarrenphrsen und Keyboard-Vorhänge auf dramatische Weise ineinander ergießen, erinnern etwas an King Crimson, was für Goblin schon in den Siebzigern charakteristisch war. Das Gesamtgefühl steigert noch eine witzige Saxophon-Improvisation unter der Gasthoheit von Antonio Marangolo. Die schaurige Atmosphäre setzt sich auch beim phantasmagorischen »In The Name of Goblin« fort, wo sich mit melancholischen Variationen besonders Gitarren-Maestro Morante auszeichnet, während das geheimnisvolle und böse Klima vor allem durch Guarinis verzweigte Keyboard-Texturen befeuert wird.

»Mousse Roll« ist ein noch farbenfroheres und ungewöhnlicheres Experiment, bei dem einzelne Keyboard-Effekte beim Weben der unheimlichen Atmosphäre an Weinen oder traurig ausgerichtete Vokalharmonien erinnern, obwohl das gesamte Album instrumental ausgerichtet ist. »Bon Ton« enthält etwas elektronischer gefärbte Synthesizer-Texturen sowie wütende Basslinien, die in Kombination mit intelligent getimten Schlagzeug-Übergängen eine rhythmische Kombinatorik auf Basis des Jazz Fusion erzeugen, während die epischen Gitarrenpassagen ein echtes Leckerli für alle Prog-Gourmets und Liebhaber von Gitarrenhelden sind. »Kingdom«, dominiert von traurigen Synthesizer-Klängen und ausgesprochen melancholischen Gitarrenformeln, enthält ein nahezu ikonoklastisches Motiv, das wie gemacht für irgendeinen Horrorfilm wäre. »Dark Blue(s)« enthält, wie der Titel schon andeutet, eine lustvoll-schwelgerische Blues-Improvisation auf der Gitarre sowie massive Schichten von Hammond-Orgeln, wobei Moranties solistischer Ansatz diesmal deutlich an David Gilmour (Pink Floyd) oder Andy Latimer (Camel) erinnert.

»Love & Hate« erinnert abermals an die klassischen King Crimson, wobei Mellotron-Vorhänge, mathematisch getimte Takt-Übergänge und einzelne Gitarren-Variationen eine wichtige Rolle dabei spielen, während manche pastoralen Passagen etwas an die klassischen Genesis gemahnen. Nach dem düsteren Einleitungsteil dominiert im weiteren Verlauf eine rein ätherisch-romantisch-nostalgische Atmosphäre, die für alle Prog-Fanatiker garantierte Nirvana bietet. Den triumphalen Abschluss bildet das phänomenale »008«, das all jene unheilverkündenden Goblin-Elemente enthält, deretwegen sich die italienischen Meister der Finsternis schon in den Siebzigern ihren Kultstatus aufgebaut haben. Das geheimnisvolle und spannungsgeladene Klima, bei dem man sich leicht vorstellen kann, wie Untote aus ihren Gräbern aufsteigen und sich auf die Nachtigdad begeben, wird von kampfeslustigen Gitarrenpassagen, gebrochenen Rhythmen und witzigen Keyboard-Harmonien mit einer Reihe äußerst interessanter solistischer Ausflüge behutsam gesteigert.

»Four of a Kind« ist ein klassisches Goblin-Album, das das großartige »Roller«-Erbe bewahrt und weiterführt – es lässt sich daher schon jetzt bedenkenlos zu den Höhepunkten ihrer umfangreichen und turbulenten Karriere zählen. Ganze acht Jahre lang musste man auf ein neues Goblin-Werk warten, und das lange Warten hat sich am Ende mehr als ausgezahlt. Beim Hören werden all jene angenehm überrascht und äußerst zufrieden sein, die unter den diesjährigen Neuerscheinungen die Vortrefflichkeit der alten Prog-Rock-Schule jenseits unserer Westgrenze vermisst haben. Goblin bleiben nach all diesen Jahren also nach wie vor kompromisslose Totengräber und überzeugte Untertanen des Goblin-Königs und der Goblin-Königin.

Besetzung

Massimo Morante – E- und Akustikgitarre, Bouzouki
Fabio Pignatelli – Bassgitarre, Keyboards
Maurizio Guarini – Keyboards
Agostino Marangolo – Schlagzeug, Keyboards

GASTMUSIKER:
Antonio Marangolo – Saxophon (1)

Produktion

Goblin

Trackliste

1. Uneven Times (7:32)
2. In the Name of Goblin (4:48)
3. Mousse Roll (5:07)
4. Bon Ton (4:38)
5. Kingdom (5:37)
6. Dark Blue(s) (5:05)
7. Love & Hate (5:30)
8. 008 (5:24)

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