Feel the Arrow
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Broken Arrow
Label: Multi Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 53:18
Bewertung: 4/5
Broken Arrow sind diese Jungs aus Brežice, die sich seit etwa 2005 darum bemühen, musikalisch eigenständig zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Von Anfang an zeichnet sie ein außergewöhnliches Miteinander und echter Zusammenhalt aus! Die Band hat bereits mit den ersten Demo-Aufnahmen angedeutet, dass sie an den Grundzügen des Rock mit starker melodischer Stütze interessiert ist. In den Anfängen waren Broken Arrow eine ansteckend verjüngte Variante einer aufstrebenden Hard-Rock-Band, die auf der einen Seite von Bon Jovi schöpfte und auf der anderen die Herzen der Fans der »slowenischen Hard-Rock-Folklore« nach dem musikalisch charakteristischen Rezept von Šank Rock und Chateau zu erreichen wusste. Doch es ist von Anfang an klar, dass Broken Arrow eine ganz eigene Geschichte sind, wie es sie in Slowenien noch nicht gegeben hat. Eine wichtige Feststellung ist auch die, dass das Album »Feel the Arrow« eine Tatsache ist, wie sie in Schweden über Jahrzehnte en masse entsteht. Dort ist man regelrecht besessen von Albumveröffentlichungen, die mit einer klar profilierten Ästhetik des AOR-klingenden Retro-Melodic durchdrungen sind.
Seit den Anfängen der Band sind einige Jahre vergangen. Mit den Jahren reiften auch die Arrangements. Einige Songs aus den Demo-Aufnahmen, die das große Entwicklungspotenzial der Band andeuteten, hat die Band mit der Zeit überwachsen, weshalb sie aus der Auswahl für das Debütalbum herausfielen. Nun ja, und »Feel the Arrow«, das erste wirkliche Langformat-Studiodokument der Band, ist von Anfang an ein Werk, auf das Broken Arrow sehr stolz sein können. An diesem Werk können sie in Zukunft unbeschwert feilen und ihren eigenen musikalischen Stempel gesund weiterentwickeln, da es ihnen gelungen ist, von Anfang an, trotz einiger verpackter musikalischer Einflüsse, einen wiedererkennbaren musikalischen Charakter zu definieren. Dieser möge hoffentlich in Zukunft noch eigenständig ausgebaut, vertieft und ausdrucksstärker definiert werden! All das bestätigt die Erkenntnis, dass Broken Arrow eine Band mit außergewöhnlichem Entwicklungspotenzial sind.
Und warum sollten Broken Arrow besonderer sein als andere genreverwandte Bands der neuen Hard-Rock-Welle in Slowenien? Von der ganzen Phalanx junger slowenischer Bands, die sich im Hard Rock versuchen, tragen gerade Broken Arrow die seltene Verbindung zum weltweiten Erbe der AOR-Musik. Angesichts dessen, was das Album »Feel the Arrow« bietet, sind Broken Arrow im Moment tatsächlich die einzigen unter den Bands der »neuen Hard-Rock-Welle« in Slowenien, die mit ihrem musikalischen Charakter diese Genrebezeichnung glaubwürdig rechtfertigen, was ohne Zweifel ein schmeichelhaftes Gütesiegel ist.
Broken Arrow haben stets ein ausgefeiltes und angeborenes Gespür für die Verbindung von Rock-Potenz und ausgeprägtem melodischem Schuhwerk gepflegt, mit dem sie ihre Kompositionen stets herrlich eingefärbt haben. Gerade »Feel the Arrow« ist im Prozess der schrittweisen künstlerischen Entwicklung und des Wachstums der Band über die ersten acht Jahre ihres Bestehens in dieser Charakteristik, gemessen an den veröffentlichten Demo-Aufnahmen, eine absolute Weiterentwicklung. Auf dem Debütalbum hat die Band die genau richtige Mittellage gefunden, wo Gitarrenphrasen und Keyboard-Teppiche in gegenseitigem Dialog gleichberechtigt koexistieren, mit einer starken Stütze, die auf dem Einsatz der Synthesizer-Klangkonturen der Achtziger beruht. Gleichzeitig unterstreicht schon der Opener Tonight We Rock And Roll eine Besonderheit, die beim Arrangieren internationaler AOR-Rock-Bands seit jeher allgemein bekannt ist, aber eine seltene Tugend beim Einsatz dieses Elements durch slowenische Rock-Bands darstellt. Broken Arrow befruchten nämlich die Atmosphäre in den Refrainmelodien effektiv mit dem Einsatz geschmackvoller choraler Begleitvokalharmonien, was die mitreißende Bombastik dieses Albums vertieft. Das ist auch eine der grundlegenden Voraussetzungen für ein gesundes Funktionieren von AOR-Musik. Have A Little Love überrascht, denn der Vorrefrain und der Refrain ziehen stilistisch in Richtung Toto, und es ist auch für den Refrain dieses Songs nicht schwer zu sagen, dass er klanglich-retromäßig einigen Punkten der »Toto meets Mecca«-Diskografie zu folgen versucht, die deutlich nach AOR-Arrangement riecht (Mitte der Achtziger).
Auch die Ballade Can’t Tell If You Know meistert alle potenziellen Fallen und Schlingen auf dem Weg in Richtung Generizität und Oberflächlichkeit erfolgreich. Matjaž Predanič schlägt sich als Interpret auch bei Balladen ausgezeichnet. Und wenn die Feststellung gilt, dass eine Ballade auf jedem beliebigen Melodic-Rock-/AOR-Album ein lobenswertes Werk ist, dann ist das ein Zeugnis des großen Arrangiertalents der Zielband – in unserem Fall Broken Arrow. Der Song Hold Me Tight trägt einen eindringlichen »Foreigner-artigen« Eröffnungsteil sowie die gesamte Strophenentwicklung vor dem atmosphärischen Crescendo in der ansteckenden Refrainmelodie.
Am überzeugendsten sind die Momente des Albums, die in mittlerem Tempo gehalten sind. In diesen Songs ist die Einfärbung der Bausteine der gewählten Arrangement-Konstruktion ganz besonders reichhaltig atmosphärisch vertieft und kontrastiert. Das sind Songs wie Holdin‘ On, mit einer außergewöhnlich eingängigen Refrainmelodie, und kurz darauf einer der besten Songs des Albums, was die Strophe-Vorrefrain-Refrain-Struktur betrifft, und zweifellos der Höhepunkt des Albums »Feel the Arrow«: die treibende Halbballade Wings Of An Angel. In diesen Charakteristiken steht ihr auch der Song Crying In Shadows in nichts nach, der als der Song des Albums gilt, der die AOR-Charakteristiken am wirkungsvollsten aufgesogen hat und problemlos auf jedem beliebigen Studioalbum von Broken Arrows Zeitgenossen aus dem skandinavischen Teil des Planeten (Bad Habit, Grand Design, Work Of Art,…) Platz finden würde.
Dann haben wir noch zwei »freche» Songs. Sagen wir es direkt: Das sind die mit dem »bad ass«-Charakter! Das ist V8 Serenade, noch »unverschämter« wirkt aber die glamourös zugespitzte und mit Cowbell unterlegte Feels Allright. Man kann sagen, dass hier in den konzeptionellen Lösungen sehr gelungen etwas von der The Kiss-Rhetorik aus der Ära des Albums »Crazy Nights« übertragen wurde.
Das absolute Sonderstück des Albums ist definitiv der Song Give Me Your Love Tonight. Obwohl er einen fast Whitesnake-artigen Titel trägt, handelt es sich um ein schelmisch-verspieltes Rock-’n‘-Roll-Manifest, geschickt in die Verspieltheit dieser Kompositionsweise von Queen gekleidet. Der Song hat nur einen Mangel. In zwei Minuten passiert darin alles, was passieren muss. Der Song erstreckt sich aber auf fast sechs Minuten und ist sogar der längste Song des Albums, was ein eigenartiger Widerspruch ist.
Eine weitere Besonderheit des Albums ist der abschließende Song Fight Fire With Fire. Wie der Titel bereits andeutet, stützt sich der Song überwiegend auf den Einsatz von Molltonarten. Er ist der dunkelste Song des Albums, und durch die Hauptgitarrenphrase kommt auch etwas Metal-Rhetorik zum Vorschein. Dabei verdient das exzellente Spiel beider Gitarristen Erwähnung, die sich auch im Wechsel der in die Gitarrensoli eingewebten Akrobatik meisterhaft ergänzen.
Matjaž Predanič orientiert sich gelegentlich bei seiner Gesangsinterpretation (in einem leichten Maß) an Bon Jovi, sodass die Stimmungen auf dem Album einige Assoziationen mit Bon Jovi wecken. Auch stilistisch, worauf der Opener Tonight We Rock ‚N‘ Roll hinweist. Gleichzeitig ist die Bestrebung der Band nach einem organischen und authentischen Klang sofort klar ersichtlich. Die Gitarrenphrasen, die in diesem Song klar hervorgehoben sind, werden durch den betonten Einsatz von Klavier ausbalanciert, wie auch durch den warmen »Hammond like«-Klang der Keyboards – über allem thront der dominante und melodisch ausgearbeitete autoritative Gesang von Matjaž Predanič; der Song erlebt das erwartete atmosphärische Crescendo im Refrain, wo sich dem Gesang geschmackvolle Vokalharmonien anschließen. Darin haben Broken Arrow gleich zu Beginn die Reifeprüfung mit Bravour bestanden.
Die Texte aber erzählen von Ausschweifungen, von der Jagd nach Frauen, vom Feiern, vom Reiten auf stählernen Straßengäulen – kurzum: »bad ass«-Philosophie (vor allem der Song Hit the Stret), die zu den charakteristischen Merkmalen des Sounds und Stils der Band passt! Es gibt eine gewisse unvermeidliche Naivität in den Songs, die Liebeserklärungen sind, aber ohne das geht es nun mal nicht.Broken Arrow sind darin auf diesem Planeten wahrlich nicht allein. Die Verse sind übrigens sehr sorgfältig in der Verwendung der englischen Sprache ausgearbeitet.
Das Album trägt einen Retro-Klangsentiment, was es sinnvoll mit der skandinavischen neuen Welle von Künstlern verbindet, die sich im Melodic Rock und AOR-Revivalismus versuchen. Das ist ein großes Kompliment und ein weiteres Zeugnis nicht nur von den musikalischen Besonderheiten von Broken Arrow (im Rahmen der slowenischen Rock-Szene), sondern auch vom außergewöhnlichen Durchbruchspotenzial dieser talentierten jungen Band, auch auf der internationalen Bühne Eindruck zu hinterlassen. Jungs? Ich meine, ihr seid reif, euer Glück bei führenden ausländischen Labels zu versuchen, wenn ihr den Nachfolger des außerordentlich schönen Studiodebüts »Feel the Arrow« erschafft, wie etwa das italienische Frontiers Records. Das exzellente Debütalbum öffnet euch glaubwürdig die Türen für solche Schritte! Viel Glück!
Nach Bands wie Šank rock, Chateau, Rdeči baron usw.… haben die Brežicer Broken Arrow mit der Veröffentlichung ihres Studiodebüts »Feel the Arrow« die Fackel des slowenischen melodischen Hard Rock und AOR-Erbes in die Hand genommen und in neue Zeiten getragen – als glaubwürdige Botschafter einer neuen Generation solcher musikalischen Ausdrucksweise in Slowenien. Hoffen wir, dass ihnen in Kürze noch die eine oder andere neue aufstrebende slowenische Band folgt.
Besetzung
Matjaž Predanič – Gesang, Akustikgitarre, Keyboards, Perkussion, Hintergrundgesang
Rok Marolt – E-Gitarre, Akustikgitarre
Bor Marolt – E-Gitarre, Akustikgitarre
Rok Plitaver – Bassgitarre, Akustikgitarre
Janko Predanič – Schlagzeug
GASTMUSIKERIN:
Kristina Iveković – Hintergrundgesang auf den Songs Nr. 1 und 6.
Produktion
Bernard Miholič
Trackliste
1. Tonight We Rock ‚N‘ Roll
2. Have A Little Love
3. Hold Me Tight
4. Holdin‘ On
5. Crying In Shadows
6. V8 Serenade
7. Wings Of An Angel
8. Feels Alright
9. Can’t Tell If You Know
10. Give Me Your Love Tonight
11. Hit The Streets
12. Fight Fire With Fire