Feats
Autor: Sandi Sadar Šoba
Künstler: Ed Wood Jr.
Label: Swarm Records
Erschienen: 2010
Länge: 13:35
Wertung: 4.6/5
Zeit also für eine parallele Realität. Das Produkt, das fast wie ein punkoides Vergnügen klingt, hat alles, wofür euch Ed Wood auf der Platte vielleicht ans Herz gewachsen sind und sich ins Unterbewusstsein eingeschrieben haben. Inspiriert von Don Caballero, Battles und From Monument To Masses präsentieren sich Ed Wood Jr. auf der EP auf überraschend leichte und zugängliche Weise. Wenn Ruban De Möbius tatsächlich schwer verdauliche Noise-Rock-Avantgarde ist, ist Feats ein verdünnter Auszug daraus. Ein Flirt mit gitarristisch gefälligeren Passagen, einem energischen und zugleich ätherischeren musikalischen Ansatz, komplexer synkopierter Rhythmik und einem etwas weicheren Sound. Ed Wood Jr. klingen wie ein vollblütiges Rock-Produkt, und dem Duo mit seinem schizophrenen Steuermann gesellt sich eine echte Schar von Freunden aus den Bands Cercueil, Tang und Klang, die das bereits Gehörte in ein etwas verändertes und neu zugeschnittenes Gewand hüllen.
Drei Songs in nur dreizehn Minuten hauchen eurer Atmosphäre die Seele des Jazz ein, gesättigt mit Samples und mit der Tendenz, euch in die Umlaufbahn völliger Unbekanntheit zu katapultieren. Der alternative Einschlag liebäugelt mit der amerikanischen Szene, und viele können Parallelen zu den kultigen, aber leider unterschätzten Fugazi oder den stets avantgardistischen Mogwai ziehen. Diesem Prinzip folgt der Eröffnungssong Zemzan, bei dem die Originalbesetzung der beiden „Hauptschuldigen“ durch Nico Cercueil und Bastian Tang ergänzt wird. Die Fusion von Jazz-Schlagzeug, durchdachten Gitarrenriffs und herzlicher, treibender Brutalität trägt diese höllische Kollaboration auf den Weg, eine Welt voller Möglichkeiten zu enthüllen – jeder Freund zeigt nämlich, wie er die einzelnen Ed-Wood-Songs auf seine eigene Art angehen würde. Jedes Ohr hat eben seinen eigenen Maler – was aber bleibt, ist eine brillante musikalische Darbietung, die nach Airplay im Radio schreit. Na ja, fast schreit … Art Brut entführt euch mit gestohlenen Gitarrenklängen des Kontrabasses aus dem Bandprojekt des ehemaligen Pink-Floyd-Manns David Gilmour in etwas rauchigere Sphären, und die reiche Palette verschiedener Musikstile ist auch diesmal, trotz scheinbar unvereinbarer Elemente, absolut funktional und begeisternd. Der Abschluss des Gehörten hüllt sich in eine Kakofonie von Gitarrenklängen beim Song Горы und lässt einmal mehr einen Zustand völligen Staunens und der Begeisterung zurück.
Wie gesagt ist die EP vielleicht sogar besser geeignet, das Eis zu brechen und dieses extravagante französische Duo kennenzulernen. Ed Wood sind zu chamäleonartigen Verwandlungen fähig, einerseits zu punkig-rokoko’scher Üppigkeit und andererseits zu gestalterischem Minimalismus. Die Musik ist der einzige entscheidende Faktor. Alles Überflüssige, was euch in die Irre führen könnte, ist entfernt. Wenn ihr überzeugte Verfechter der Katharsis des Chaos und des mutigen, kühnen Tabubruchs seid, ist diese EP genau das Richtige für euch. Denn nach dem Gehörten wollen das Sabbern und der höllische Drang nach einer baldigen erneuten Runde einfach nicht nachlassen …
Besetzung
Olivier Desmulliez – Gitarre, Gesang, Keyboards, Sequencer
Thibault Doutriaux – Schlagzeug, Samples
Gastmusiker:
Nico Circueil – MS20, Synth, Elektronik, Gitarre, Bass
Bastien Gournay – Schlagzeug, Gesang
Mathieu Deprez – Kontrabass, Gesang
Ben Klang – Gitarre
Produktion
Olivier Tservrancx
Trackliste
1. Zemzan feat. Nico Cercueil, Bastien Tang
2. Art Brut feat. Mathieu Deprez a.k.a. »Contrabasick«
3. Горы feat. Ben Klang