False Metal

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Interpret: Brother Firetribe
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 3.5/5

Na, und jetzt hat es auch in Finnland geknallt! Auch in diesem Land hat sich nämlich eine Band gefunden, die beschlossen hat, klassischen melodischen Hard Rock im altmodischen AOR-Gewand zu pflegen, aber unter der Regie der technologischen Möglichkeiten heutiger Aufnahmestudios umgesetzt. Die Rede ist von Brother Firetribe, gegründet von Gitarrist Emppu Vuorinen, Mitglied der deutlich bekannteren und mainstreamigeren symphonischen Power-Metaller Nightwish, die bis heute immer noch keinen Ersatz für die abgehauene charismatische Sängerin Tarja Turunen gefunden haben. Offenbar wächst die Popularität von Bands, die heute mit Elementen des klassischen melodischen Hard Rock liebäugeln, immer weiter, was auch die musikalische Ausrichtung einiger anderer Bands dieser Sorte belegt. Brother Firetribe sind also nicht die Einzigen. Und wie üblich sind die Skandinavier auch diesmal beim Recyceln früherer Trends dem Rest der Welt wieder voraus, denn die Schweden haben heute z. B. die „Pudel“ – The Poodles, die Norweger dagegen Wig Wam. Beide Bands gehen stilistisch ihren eigenen Weg, abseits von Brother Firetribe.

Brother Firetribe bringen in ihren Sound die symphonisch-modernen Elemente von Nightwish ein, schuld daran ist vor allem der dramatische Keyboard-Sound in den meisten Passagen, der die Platte dominiert. Die Gitarren liegen in der Produktion in einem gleichwertigen, kontrastreichen Gleichgewicht mit den Keyboards (das etwas leichtere Devil’s Daughter trägt einen massiven Gitarrenriff, daneben gibt es ein interessantes Keyboard-Motiv, das beim Übergang direkt vor dem Refrain geradewegs an Limahls legendären Hit Neverending Story erinnert). Neben diesem grundlegenden „Black-and-White“-Kontrast, die sich klanglich perfekt ergänzen, gibt es als dritten gleichwertigen Baustein den ungemein gefälligen Gesang von Metal-Sänger Laverage Pekka Heino, der einen Hauch wärmer und „rau-seidig“ rüberkommt, verglichen mit dem cleanen Gesang, den er bei Laverage bietet. Die Stimme ist interessant, hat eine ganz eigene Farbe, ist explosiv und entschlossen in jedem Register. Sie geht in Richtung Robin Zander (Cheap Trick) mit einem Hauch vom Samt von Dare.  Love Goes Down killt buchstäblich mit der dramatischen Opernhaftigkeit des Gesangs, für die sich nicht mal der hochwohlgeborene Herr „Wurstbrot“ –  Meat Loaf schämen müsste. Dieser Song ist in seinem Refrain der unumstrittene atmosphärische Höhepunkt der Platte.

Bei den Songs kann man nur staunen. Alle tragen eine massive, pompöse, bombastische Produktion, in der die Instrumente einzeln durch das Filtersieb der Kontraste geschickt werden, klanglich bis zum Maximum betont und untereinander zu einem gleichwertigen Gleichgewicht kristallklarer Produktion verschmolzen (sogar die Basslinie ist deutlich zu hören!). Die Keyboards verleihen einen Hauch von frühen Bon Jovi oder Van Halen, und wer mit europäischen Ohren hört, liegt auch nicht weit daneben, wenn er Namen wie Magnum oder frühe Dare ins Spiel bringt. Die Songs haben kernige Refrains, die den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen und beim Hören sofort zünden. Ein echtes Abbild des AOR-Pomps der Achtziger ist zum Beispiel in Midnite Queen eingefangen. Das ist schlicht ein Song, den du unbedingt auflegen musst, wenn eine heiße Katze neben dir sitzt, bereit für alle möglichen Eskapaden der Nacht (!), während One Single Breath das absolute Hitpotenzial in sich trägt und auch als „Single“ ausgekoppelt wurde . Die Nummern liefern also eine nach der anderen ohrenfangende Refrains, mit AOR-orientierten mehrstimmigen „Back“-Vocal-Arrangements, getragen vom massiven Keyboard-Sound auf der einen und melodischem Gitarren-„Riffing“ auf der anderen Seite. Aus diesem dynamischen Album sticht Spanish Eyes heraus, mit einem warmen Hammond-Intro im Stil von Procol Harum – also der ruhigere Punkt des Albums, danach schließt das Album mit dem härtesten „Riff“ der Platte in Sachen Produktion, in Kill City Kid, mit einem weiteren ansteckenden Refrain, der schlicht ideal gemacht ist für das Ende dieses hochatmosphärischen und dynamischen Albums.

Brother Firetribe haben erkannt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, moderne Produktionsansätze mit der Wiederbelebung einiger alter klassischer Hard-Rock-Riffs zu verbinden. Das Ganze klingt frisch, überzeugend gespielt und mit dicken Eiern. Unnachgiebig und mit Wucht. „False Metal“ ist ein starker und mutiger Zug der Band auf der Suche nach einer eigenen, wiedererkennbaren Nische durch den Einbau klassischer Elemente. Das Album erreichte bei Veröffentlichung Platz 22 der finnischen nationalen Verkaufscharts, und damit als höchste Platzierung. Also eine „Detonation“ gleich beim Start!

Besetzung

Pekka Ansio Heino – Gesang
Emppu Vuorinen – Gitarre
Tomppa Nikulainen – Keyboards
Jason Flinck – Bass

GASTMUSIKER:
Kalle Torniainen – Schlagzeug

Tracklist

1. Break Out
2. Valerie
3. I’m On Fire
4. Love Goes Down
5. Devil’s Daughter
6. Midnite Queen
7. One Single Breath
8. Lover Tonight
9. Spanish Eyes
10. Kill City Kid

Spielzeit: 45.01

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