Facka
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Elabanda
Label: Celinka
Erscheinung: 2015
Bewertung: 4/5
Elabanda ist eine erfahrene Band aus Ajdovščina mit fünf Musikern, die ein eigenständiges Geflecht aus Rock’n’Roll und musikalischer Vielschichtigkeit schafft und dabei Inspiration aus dem musikalisch-geografischen Erbe schöpft, dem die Gruppe entstammt. Die slowenische Musikszene ist voll von Bands dieser Couleur, doch die Unterschiede zwischen ihnen sind deutlich spürbar – vor allem darin, wie gut es ihnen gelingt, den Geist der Authentizität des Volksmusik-Erbes ihrer Heimat mit Rock’n’Roll zu verbinden.
Von Orlek bis Brencl Banda und allem dazwischen. Die Unterschiede liegen im Grad des Experimentierens und darin, worauf die Gruppe mehr Gewicht legt – auf die Integration von Folk-Elementen oder auf rockige Elementarität. Elabanda aus Ajdovščina reiten geschickt auf dem schmalen Grat zwischen beiden Ansätzen und schaffen ein musikalisch außerordentlich ansprechendes Geflecht aus zehn bunt gemischten Songs von unverwechselbarer und klar definierter Handschrift.
Um die geografische Herkunft der Gruppe zu unterstreichen, enthält das Album auch in der Mundart von Ajdovščina gesungene Zeilen – was bewusst sparsam gehalten wird, wobei »Übertreiben« in diesem Fall keineswegs fehl am Platz wäre. Dass die warme Brise der Primorska-Küste nicht weit vom Ajdovščina-Tal entfernt ist, daran erinnern auch die typischen, chorisch harmonisierten Melodien, die einerseits das charmante, ewig gut gelaunte Primorska-Lebensgefühl einfangen und andererseits geschickt eine tiefere, geradezu mystische Melancholie berühren, von der slowenischer Pathos von Natur aus durchdrungen ist.
Die Band serviert auf dem Album »Facka« (nach dem Cover zu urteilen könnte man es liebevoll »Ohrfeige auf Ajdovščina-Art« nennen) ein Bündel intelligent verdichteter Texte voll typischem schwarzen Humor und Sarkasmus, mit denen sie den Glanz und das Elend des slowenischen Wesens in den neuen Zeiten reflektieren. Man könnte es die bittere Erkenntnis vom Ausverkauf des Slowenentums nennen.
Die zehn Songs kommen in kompakter Verpackung mit geschickten Arrangements, bei denen eine Gruppe erfahrener Musiktalente das ansprechende Geflecht natürlich gefärbter Klänge aus Gitarre, Akkordeon, der warmen Sinnlichkeit der Hammond-Orgeln und Mandoline auf meisterhaft witzige und funkelnde Weise mit hoher musikalischer Zugänglichkeit und Offenheit kombiniert. Für Laienohren. Was das Entscheidende ist.
»Facka« ist ein wunderschönes Autorenalbum von sinnlicher und inhaltlich reicher Ausdruckskraft – das Werk einer erfahrenen Gruppe, die mit diesem neuen Studiowerk ihr eigenes, unverwechselbares musikalisches Dossier weiter effektiv und überzeugend vertieft, ausbaut und pflegt. Die Produktion hat einen angenehmen organischen Touch von Lebendigkeit, der der authentischen Aussagekraft des Dokuments das Tüpfelchen auf dem »i« aufsetzt.
Besetzung
Aljoša Košuta – Bassgitarre
Jure Ferjančič – Gesang, Akustikgitarre
Matija Ceket – E-Gitarre
Mitja Škrlj – Akkordeon, Hammond
Peter Mozetič – Schlagzeug
Urban Logar – Mandoline
Produktion
Borut Čelik
Trackliste
1. Dej mi facko
2. Špilej Ela
3. WWW ob Wasmih je Wblačnu nad Wajdušno
4. Kam greš
5. Tomo Škwuorc
6. Lublana
7. Meni nejki smrdi
8. Luč gori
9. Waltze