Ein magischer Abend mit Alcest im Kino Šiška
Location: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Datum: Freitag, 28.02.2020
Die französische Band Alcest kehrt in den letzten Jahren fleißig nach Slowenien zurück. Endlich ist auch der Tag gekommen, an dem die Band die Gelegenheit hatte, als Headliner aufzutreten. Angesichts der Popularität der Band war das natürlich zu erwarten. Nicht zuletzt hat auch das Label Nuclear Blast die gestiegene Bekanntheit der Band erkannt, bei dem die Gruppe letztes Jahr das aktuelle Album Spiritual Instinct veröffentlicht hat. Die Band hat in den letzten Jahren zudem ihre Fangemeinde in Slowenien deutlich vergrößert. Für ihren Auftritt war der Saal Katedrala im Kino Šiška reserviert, was einen größeren Andrang ankündigte.
Als erste Band präsentierte sich Kaelan Mikla, ein Frauen-Trio aus Island, das bereits einige Besucher angelockt hatte. Das junge Trio versuchte mit düsterem Synth-Punk zu überzeugen und zeigte dabei durchaus eine gewisse Eigenständigkeit – das Ganze wirkte zeitweise sogar avantgardistisch. Vor allem aber kam die Düsterheit des Sets stark zur Geltung, was auch erklärt, warum die Band zu dunkleren und melancholischeren Stilen greift. Das Trio wird auch als Darkwave, Post-Punk, Goth und noch einiges mehr beschrieben. Mit ihrem Repertoire bewies das Trio eine ganz eigene Note, aber eine sehr spezifische – die eher für Festivals wie Roadburn und Ähnliches passt.
Es folgten Birds in Row, ein französisches Trio, das in Slowenien bereits 2018 aufgetreten war. Diesmal konnte sich die Band einem größeren Publikum vorstellen und präsentierte Songs vom aktuellen Album We Already Lost the World. Der Auftritt war ausgefeilt – die Band bietet in ihren Songs vor allem viele Hardcore-Elemente. So war Hardcore-Punk ebenso zu hören wie melodischer Hardcore. In den ruhigeren Passagen war zudem ein Hauch von Post-Hardcore spürbar. Birds in Row haben genug Wucht, Chaos und Einfallsreichtum, um ihr Potenzial unter Beweis zu stellen. Es braucht zwar noch etwas Arbeit, aber mit dem Gezeigten haben sie viele Besucher überzeugt.
Die Erwartungen an Alcest, die heute zu den Hauptvertretern des Blackgaze-Genres zählen, waren zweifellos hoch. Die Band hat bisher immer überzeugt. Im Vordergrund stand natürlich der Kopf der Band, Gitarrist und Sänger Neige, aber auch die restlichen Mitglieder begleiteten das Ganze mehr als gut. Besonders hervorzuheben ist auch der Gitarrist, der auf den Spitznamen Zero hört. Zero trug mit seinen Gitarrenphrasen nämlich enorm viel zur Dynamik bei.
Zu Beginn widmeten sie sich dem aktuellen Album Spiritual Instinct, das gegen Ende 2019 erschienen ist. Der Eröffnungssong Les jardins de minuit zeigte sofort den richtigen Stil, wobei der Black Metal stärker in den Vordergrund rückte, sobald es in den schnelleren Teil ging. Doch bald drehte sich das Blatt, als die Band mit dem Song Protection etwas ruhiger vorging. Die Euphorie des Publikums steigerte sich dabei nur noch weiter. Logisch – denn Alcest, die live als Quartett auftreten, legten im weiteren Verlauf mit Oiseaux de proie und dem ansteckenden Autre temps nach.
Den regulären Teil schlossen Alcest mit dem hervorragenden Song Kodama ab, der trotz seiner Länge die Dynamik beibehält – was sich auch im cleveren Übergang vom ruhigen in den treibenderen Teil zeigt. Man hätte fast sagen können, das sei der Höhepunkt des Konzerts gewesen – aber Alcest hatten noch nicht alles gesagt. Letztendlich hätte man das, was Alcest da zeigten, noch lange nicht enden lassen wollen. Als Zugabe spielten Alcest noch Là où naissent les couleurs nouvelles und das epische Délivrance, das unter den Fans einer der beliebtesten Songs ist.
Neige und Kompanie haben mit dem Gespielten bewiesen, dass sie nicht umsonst zu den Hauptvertretern des sogenannten Post-Black Metal oder Blackgaze zählen. Gitarren- und gesangstechnisch zweifellos eine abwechslungsreiche Angelegenheit, etwas weniger von Bass und Schlagzeug – aber insgesamt alles sehr funktional. Auch beim Bühnenlicht wurde nicht übertrieben, und trotzdem spürte man die richtige Atmosphäre. Alcest haben mit ihrem Auftritt und ihrem Repertoire alle Erwartungen erfüllt – ihr Konzert lässt sich schlicht und einfach als märchenhaft beschreiben.
Autor: Primož Novak
Fotos: Nina Grad






























