Ein Abend mit Bajaga und den Inštruktorji (2012)
Ort: Hala Tivoli (mala dvorana) / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 20.12.2012
Besucherzahl: 2.800
Kartenpreis: 22,00 €
Anlässlich des neuen Albums „Daljina, dim i prašina“ machte sich Bajaga mit seinen treuen Inštruktorji auf eine Mini-Tournee durch das ehemalige Jugoslawien. Im Rahmen dieser Tournee trat er am Donnerstag auch in der kleinen Halle der Hala Tivoli auf.
Ljubljana, das für Bajaga eine seiner liebsten Stationen bedeutet, hatte er bereits im Juli besucht. Damals trat er im Orto bar auf (Reportage HIER), und widmete seinen Auftritt vollständig den Songs seines neuesten Albums, das genau zu diesem Zeitpunkt in den Läden erschienen war. Vielleicht waren deshalb die Erwartungen beim Auftritt in der Hala Tivoli besonders hoch. Das Publikum in der Hala Tivoli hatte nämlich auf mehr ältere Hits gehofft.
Gušti heizte dem Publikum mit seiner Begleitband ordentlich ein – einem Publikum, das natürlich hauptsächlich wegen des Auftritts des Hauptstars des Abends, Bajaga, in die Tivoli gekommen war. Das Konzert eröffnete Bajaga mit dem Titeltrack des neuen Albums, „Daljina, dim i prašina“. Es folgten einige ältere Songs, darunter überraschenderweise sogar „Red i mir“, der auf seinem dritten Studioalbum „Jahači magle“ zu Hause ist. Bajaga hat eine lange und fruchtbare Karriere hinter sich und verfügt deshalb über eine große Anzahl qualitativ hochwertiger Songs. Ein Stück weit auch dank der Inštruktorji, die ihm all diese Jahre treu zur Seite stehen. Die Besetzung der Inštruktorji hat sich kaum verändert – seit 1985 ist der Kern der Band noch immer derselbe: Bajaga, Gitarrist und Sänger Žika Milenković sowie Bassist Miroslav Cvetković. Der Vergleich mit Bruce Springsteen drängt sich geradezu auf. Was die E Street Band für Springsteen bedeutet, das bedeuten die Inštruktorji ganz sicher für Bajaga.
Die Inštruktorji sind erstklassige Musiker. Allen voran natürlich Žika. Mit seinem Humor, der manchmal schon ans Clowneske grenzt, erlaubt er sich das eine oder andere Klettern an der Bühnenkonstruktion und hat dabei auch ein gutes Gespür dafür, das Publikum mit allerlei witzigen Sprüchen zu unterhalten. Diesmal hat er sich besonders ins Zeug gelegt und versucht, mit dem Publikum auf Slowenisch zu kommunizieren – was alle Lobpreisungen verdient. Žika ist wirklich so etwas wie der diensthabende Entertainer, und diese Rolle liegt ihm ausgezeichnet. Bajaga hingegen ist etwas schweigsamer und ruhiger und hält seinen Kontakt zum Publikum größtenteils nur über seine Musik aufrecht.
Etwa in der Mitte des fast dreistündigen Auftritts tauchte auf der Bühne ein „besonderer“ Gast auf: der Sheriff von Ljubljana höchstpersönlich, Zoran Janković. Vor einem Jahr war er beim Konzert von Parni Valjak in der Arena Stožice aufgetaucht. Damals wurde der wackere Sheriff vom Publikum, das in weiten Teilen dem von Bajages Konzert ähnelte, mit Ovationen gefeiert – am Donnerstag hingegen erntete er eine Reihe von Pfiffen. In einem Jahr hat sich die Stimmung des Volkes also ziemlich stark verändert.
Doch lassen wir die Politik beiseite. Leider ist auch Bajaga mit seiner Wahl des Abendrepertoires ein bisschen in den Nebel geraten. Der Mittelteil des Konzerts enthielt zu viele melancholische und vor allem für das breitere Publikum unbekannte Songs. To, da so fantje odigrali fast das gesamte neue Album gespielt haben, verdient irgendwie Respekt – aber ein paar ältere Songs hätten sie problemlos durch bekanntere ersetzen können. Vor allem hat der Hit „Sa druge strane jastuka“ gefehlt, was ich gelinde gesagt für völlig unbegreiflich halte! Zu seinem Recht kam natürlich wieder Žika, der den Song seines Projekts Bebe, „Ko me ter’o“, sang. In dieser Zeit konnte Bajaga backstage etwas auftanken für den zweiten Konzertteil – der allerdings absolut zu melancholisch und stellenweise schon ziemlich langweilig war. Leider verrät ein Blick auf die Setlist auch, dass als Zugabe der Song „Dobro jutri džezeri“ geplant war, über den ich mich persönlich sehr gefreut hätte. Bajaga hat sich halt anders entschieden und ihn durch „220“ ersetzt. Löblich. Er hat gegen Ende des Konzerts offenbar gemerkt, dass es gut wäre, dem Publikum zumindest in der Zugabe etwas mehr Energie und schnellere Takte anzubieten. Einige Leute haben es in der zweiten Konzerthälfte vorgezogen, an die Bar zu gehen und ein Bier zu trinken. Vielleicht wäre es besser gewesen, „220“ schon früher zu spielen – dann wäre auch „Džezeri“ nicht aus der Setlist gefallen. Ich stelle fest, dass das Zusammenstellen von Setlists den Acts aus dem ehemaligen Jugoslawien in letzter Zeit nicht besonders gut von der Hand geht. Ähnliche Fehler machen nämlich auch Parni Valjak – die verfallen im Gegensatz zu Bajaga allerdings ins entgegengesetzte Extrem. Die sind leider zu populistisch. Die Songauswahl des Abends war zu wenig populistisch – zu wenig gut bekannte ältere Songs, bei denen die ganze Halle aufspringt und die Arme in die Luft wirft, bei denen diese gegenseitige Energieverbindung zwischen Bühne und Publikum entsteht. Das ist dann ein Konzert, das knallt! Es gibt eine sehr schmale Linie zwischen den beiden Extremen. Die richtige Setlist zusammenzustellen, beherrschen nur die ganz Großen. Bajaga ist das am Donnerstag leider nicht wirklich gelungen. Wenn wir also bei der Songauswahl ein bisschen enttäuscht waren, so können wir doch zumindest die Länge des Konzerts loben. Im Grunde eine Zwickmühle. Manchmal ist weniger eben mehr.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass Bajaga im nächsten Jahr oder in zwei Jahren wieder in Ljubljana auftritt. Lieber als in der Tivoli würde ich ihn in den Križanke sehen. Natürlich mit feinfühliger ausgewählten Songs. Das Konzert vom Donnerstag soll eine Lehre sein. Bis zum nächsten Mal…
Setlist
01.Daljina, dim i prašina
02.Red i mir
03.Godine prolaze
04.Još te volim
05.Ako treba da je kraj
06.Vjerujem-ne verujem
07.Gore-dole
08.Lepa Janja, ribareva kči
09.Suza
10.Iza nas…
11.Mala uska haljina
12.Ko me ter’o (Cover von Bebe, Gesang: Žika Milenković)
13.Život je nekad siv, nekad žut
14.Vreme
15.Ovo je Balkan
16.Vesela pesma
17.Kap po kap
18.Bademi i so
19.Još jednom
20.Slovenačka reč
21.Ti se ljubiš (na tako dobar način)
22.Plavi safir
23.Dvadeseti vek
Zugabe 1:
24.Tišina
25.Drugovi
26.Kad hodaš
27.Tamara
Zugabe 2:
28.Od kada tebe volim
29.Zažmuri
30.220
31.442 do Beograda
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