Edles Metall hat ordentlich gebrannt (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Triest (Trieste ) / Macaki klub / Italien
Datum des Konzerts: 05.04.2014
Besucherzahl: 150
Eintrittspreis: 25,00€

Nach langer Dürre kommt auch der Tag der Auferstehung des melodischen Rocks! Ordentlich vollgepackt. Mit einem Konzert mit vier Bands in Triest. Sagen wir lieber drei (beziehungsweise bedingt vier). Aber der Reihe nach. House Of Lords haben ihr neues Album »Precious Metal« (2014) draußen – RockLine-Rezension HIER, das sie auch dem europäischen Publikum vorstellen müssen! Unter anderem auch in Triest! Die Uhr zeigt kurz nach neun Uhr abends! Auf der Bühne stehen die schottischen Hoffnungsträger Estrella. Etwa 40 Neugierige verfolgten ohne besondere Erwartungen aus sicherer Entfernung, was die aufstrebenden Jungs zu sagen hatten! Ein Quartett, in dem gleich drei Brüder Gunn spielen – nämlich Sänger Paul Gunn, Gitarrist Luke und Bassist Nathan T. –, gilt als äußerst kompaktes und eingespieltes Hard-Rock-Quartett  mit einer handfesten Portion Lausbuben-Attitüde. Die Band entwickelt Riffs, die einzigartig mit einem außerordentlichen Gespür für Musikalität gebacken sind, was ein Flirten mit dem Hard Rock der klassischen Ära bedeutet, der auf britischem Boden blühte! Von den Einflüssen der Who bis zum Vibe von The Sweet der Achtziger oder sogar Uriah Heep aus der Ära der Alben »Abominog« und »Head First«. Die Band hämmerte Song für Song raus und entging dem Syndrom, das gerne jede Vorband befällt. Das Syndrom der generischen Einfallslosigkeit und damit verbundener Langeweile. Das kennen Estrella überhaupt nicht.

Ohne Nachlassen. Außergewöhnliche Riffs, außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Luke drehte sich mit der Gitarre mehrmals theatralisch zwischen den Soli, als hätte man ihn vor eine Reihe von Kameras für einen Videoclip gestellt. Außerordentliche Nutzung des Bühnenraums und das Einnehmen von Positionen auf der Bühne! Mehrmals beide – Luke und Nathan – Schulter an Schulter in instrumentalen Middle-Eight-Passagen, vor allem aber überzeugte natürlich Sänger Paul mit einer hervorragend ausgearbeiteten Bühnenpräsenz und einem unverwechselbaren Gesang, der stellenweise an den jüngeren Steven Tyler erinnert. Die in den Details außerordentlich gut einstudierte Bühnenshow reihte Songs aus dem Debütalbum »Come Out To Play« (2012) aneinander, nämlich: Chance Of A Lifetime, Party,, Shout It (I Wanna Hear), Do It Til‘ You Drop, Rocker Lily, She’s Got it in One Love. Man kann sagen, dass wir zu Beginn die kompetenteste Darbietung des Abends gesehen haben. Ohne eine einzige Playback-Spur. Überall nur das Spiel aus purer Adrenalin-Energie und ungezügeltem Testosteron-Geschüttel! Das ist rock ’n ‚roll! Und eine Band, die du unbedingt checken musst. Während ihres Auftritts hat sich der Raum vor der Bühne ordentlich gefüllt, und so mancher Besucher hat Gliedmaßen und Halswirbel kräftig in Bewegung gesetzt, denn Estrella sind wirklich eine Band, die dich sofort mit ihrem starken Charakter packt!¨

Auf der Bühne stehen schon unsere alten Bekannten Sweet Loraine. Die Triestiner mit dem slowenischen Sänger David Žorž spielen seit Jahren die Klassiker der legendären Uriah Heep nach. Die Männer traten bereits im November 2009 vor House Of Lords in Ronchi dei Legionari auf und im Februar 2012 in Triest (Klub Etnoblog). Sweet Loraine spielten eine ganze Stunde klassisches Heep-Repertoire. Von den Anfangsnummern Look At Yourself, Bird Of Prey, Sweet Loraine, Sunrise bis zu Too Scared To Run, Stealin‘, Gypsy, Free ’n Easy, Easy Livin‘ und Tears In My Eyes. Eine anspruchsvolle Sache, die die erfahrenen Sweet Loraine aber mit Auszeichnung und Kompetenz bewältigen. Angeführt vom Meister Alex Falcone an der Hammond-Orgel, einer soliden Rhythmussektion sowie einer überzeugend eingefangenen Annäherung an die ursprüngliche Klangfarbe des gitarrenlastigen Heep-Sounds haben Sweet Loraine eine Menge interessanter Momente für die Anhänger von Uriah Heep heraufbeschworen. Dennoch spürte man, dass das Publikum diesmal nicht so interessiert war wie bei ihrem Konzert ebenfalls in Triest vor House Of Lords vor zwei Jahren. Das Lokal leerte sich während des Auftritts von Sweet Loraine merklich. Vielleicht lag das am Umstand des »zu langen« Stunden-Repertoires? Außerdem hat das Klangbild bei der Aufführung etwas nachgelassen. Die Keyboards waren eindeutig zu laut, Gesang und Gitarre zu wenig betont.

Vor House Of Lords haben wir aber noch einen weiteren Auftritt gesehen. Es handelt sich um die Band Maxx Explosion, die vor dem Konzert nicht offiziell angekündigt worden war. Es sind im Grunde House Of Lords, wenn man James Christian abzieht. Die Bühne übernahmen also im Weiteren Jimi Bell an der Gitarre, Bassist Chris McCarville (Bassgitarre) und der »kleine, drahtige Typ«, Schlagzeuger  B.J. Zampa. Der gutmütige James Christian ermöglichte den Jungs, in fünfzehn Minuten ihr Debütalbum »Forever« vorzustellen, das im vergangenen Jahr erschienen ist! Gute zehn Minuten umfassten die Aufführung von drei Songs, nämlich Famous, Devil’s Locomotive und Can’t Stop Falling In Love. Man kann nur so viel sagen. Das Album »Forever« muss man unbedingt checken, und Maxx Explosion haben in mir einen neuen Fan gewonnen! Leider war ihr Album unter den offiziellen Merchandise-Artikeln nicht aufzutreiben!

Es folgen einige Minuten der »Stille«, die aber extrem langsam vergingen. Die Jungs richteten noch einmal die gesamte Logistik für den Auftritt von House Of Lords ein, denn bald würde sich auch James  Christian zu ihnen auf der Bühne gesellen. Wie es schon zur Gewohnheit geworden ist, eröffnete das Konzert mit dem Klassiker Sahara! Natürlich mit einem vorab aufgenommenen Intro. Seit Jahren verwendet Christian bei House Of Lords-Konzerten Backing-Tracks, auf denen alle Begleitharmonien und Keyboard-Parts aufgenommen sind. Daher die frühere einleitende Bemerkung, dass wir mit dem Auftritt der Gruppe Estrella den kompetentesten Auftritt des Abends erlebt haben.

Der atmosphärische, epische AOR-Eröffnungstrack heizte das Publikum schnell auf, das sich kräftig vor der Bühne zusammendrängte und fröhlich zu den Aktionen seiner geliebten Band zu feiern begann. Eine ganze Reihe von Besuchern aus Slowenien und dem benachbarten Kroatien war im Klub anzutreffen! Christian hat in den letzten Jahren schwere Zeiten durchgemacht, da er Krebs besiegen musste. Zu diesem Thema hat er auch sein Solo-Studioalbum »Lay It All On Me« verfasst, das im vergangenen Juli erschienen ist. Offensichtlich hat er es also glücklich überstanden! Schon bald erklang der brandneue Song Battle, dann folgte ein Sprung ins Jahr 2011 und auf das vorherige Album »Big Money« mit der Aufführung des  Titelsongs, der zeigte, dass der Song bei so manchen Konzertbesuchern angekommen war, die ihn im Refrain mitsangen!

Man spürt, dass Christian nicht mehr singt wie einst, dass die Stimme ein kleines bisschen abgenutzt ist, besonders in den höchsten Lagen, wo James die Gesangslinien anpassen muss. An diesem Abend bereitete besonders die Anordnung der Klangelemente Probleme, die weit vom Ideal entfernt war. Mehrmals konnte man den Hauptgesang im »Rauschen« all der vorab aufgenommenen Backing-Vocal-Melodien gar nicht heraushören, was ein großes Minus für die Band bedeutet. Ansonsten reißen es drei fantastische Musiker für Christian raus, die spielen als wären sie in Trance. Besonders herausragend war wieder der großartige Gitarrist Jimi Bell, der mit extremer Geschwindigkeit und gleichzeitiger absoluter Kontrolle des Instruments begeisterte. Es ist unglaublich, wie es dem Gitarristen gelingt, bei so höllisch schnell gespielten Tonfolgen eine solche Sauberkeit des Spiels zu bewahren. Alle drei Musiker bekamen auch die Möglichkeit, sich in ihren speziellen Repertoire-Momenten richtig auszutoben, wo sie ihre Qualitäten in improvisierten Einlagen unter Beweis stellten. So verließ Christian zum Beispiel nach der Aufführung des großen Hits und der Ballade Love Don’t Lie, die im Original Stan Bush gehört, die Bühne, und die Band spielte das Maxx Explosion-Instrumental Demon Wheel, das in McCarvilles Solo-Einlage auf der Bassgitarre überging. Christian kehrt mit einer Gibson LP-Gitarre auf die Bühne zurück! Nach der halsbrecherischen Schlagzeug-Darbietung von BJ Zampa startet die Band mit zwei Gitarren in einen weiteren Hit, nämlich Can’t Find My Way Home, das im Original der Band Blind Faith gehört. Die Band unterlegte die Promotion des neuen Albums noch mit dem großartigen Swimmin‘ with the Sharks und Permission to Die, während die Klassiker I Wanna Be Loved, Pleasure Palace und Slip of the Tongue mit langem Gitarrenintro alle befriedigten, die auf eine ordentliche Portion älterer Songs im Repertoire gewartet hatten. Damit schloss die Band auch ihren Auftritt ab.

Nur für das Konzert in Triest kamen House Of Lords exklusiv noch einmal auf die Bühne und spielten zwei weitere Songs, die sie im Rahmen der aktuellen »Precious Metal«-Tour nicht spielen. Es handelt sich um zwei Songs, die dem Album »World Upside Down« angehören, nämlich S.O.S. und These Are The Times, wo selbst Taube Christianos angeschlagene Stimme wahrnehmen konnten.

Das Ereignis war außergewöhnlich. Besonders überraschend waren Estrella, die als das große Rätsel des Abends galten. Wenn du Perfektion in der Bühnenaufführung des Repertoires suchst, könntest du Estrellas Auftritt im Vergleich sogar so beschreiben, dass die Schotten der Band House Of Lords die Show gestohlen haben!  Estrella haben wirklich alles auf den Tisch gelegt und alle Anwesenden im Klub umgehauen. Für Sweet Loraine gilt, dass sie stets als zuverlässige und qualitätsvolle »tribute to Uriah Heep«-Festung gelten, wobei leider das Gefühl nicht ausblieb, dass die Leute das Konzert schlicht zu wenig interessierte. Alle kamen nämlich in erster Linie wegen House Of Lords, die aber erwartungsgemäß gezündet haben. Christian ist der große Anführer! Ein erfahrener Veteran, der aber keineswegs unnahbar ist. Nach dem Konzert teilten alle Bandmitglieder ihre Zeit mit den Liebhabern ihrer Musik, und das Feiern im Macaki klub dauerte noch lange, lange in die Nacht.

Leider gibt es solche Ereignisse in der Nähe Sloweniens extrem selten. Wie es aussieht, werden wir »einsamen Reiter« für melodischen Rock weiter kämpfen müssen und auch künftig über 100 Kilometer aus Slowenien ins Ausland fahren. Aber es lohnt sich. House Of Lords haben geliefert, was wir erwartet haben. Ein wunderschönes Abenteuer durch ihre ersten beiden Alben und die Zeit ab 2006 aufwärts, worauf sie sich mit der Aufführung von sage und schreibe vier Songs aus dem hervorragenden Comeback-Album »World Upside Down« (2006) stützten.

Die Chemie zwischen dem Begleiter-Trio Bell, McCarville und Zampa ist außergewöhnlich, und House Of Lords ziehen einen mit dem hypnotischen Magnetismus ihrer überzeugenden Repertoire-Darbietung in ihren Bann. Solange James Christians Gesundheit ihm gut dient, muss man sich um die Zukunft der Band keine Sorgen machen. Neue Studioalben entstehen in Zwei- bis Drei-Jahres-Zyklen, und neuen Veröffentlichungen folgen Promotions-Konzerttourneen. Zum Glück immer auch mit einem Besuch des alten europäischen Kontinents! Möge sich dieser Trend noch lange fortsetzen.

Setliste

HOUSE OF LORDS:
1. Sahara
2. Big Money
3. Battle
4. Cartesian Dreams
5. Love Don’t Lie
6. Purgatorio Overture No. 2
7. Come to My Kingdom
8. Permission to Die
9. Demon Wheel (Bass solo)
10. I’m Free
11. Swimmin‘ with the Sharks
12. Drumagogery (Drum solo)
13. Can’t Find My Way Home
14. Rock Bottom
15. I Wanna Be Loved
16. Pleasure Palace
18. Guitar Solo
19. Slip of the Tongue
—Zugabe—
20. S.O.S.
21. These Are The Times

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