Dritter Sieg von Fates Warning im Ortu! (2018)
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Datum: Dienstag, 23.01.2018
Fast sechs Jahre ist es schon her, seit die amerikanischen Prog-Schwergewichte zum ersten Mal slowenischen Boden betreten haben, und doch wirkt es, als wäre es erst gestern gewesen. Das damalige Konzert hat sich nämlich als eines der besten ins Gedächtnis gebrannt, die es je im Orto bar gab, und Fates Warning haben bewiesen, dass ihr Bandstatus berechtigt ist – eine Band, die selbst Legenden wie Chuck Schuldiner und Mike Portnoy hochachteten und zu ihren Vorbildern zählten. Obwohl man den Bandmitgliedern damals ansah, dass sie es nicht gerade gewohnt sind, in kleinen Hallen vom Typ Orto bar zu spielen, hat das Ljubljaner Publikum Fates Warning offensichtlich gefallen – denn das war bereits ihr dritter Besuch in unserer Hauptstadt. Trotz eines verhältnismäßig kleinen Publikums – zumindest für eine Band vom Kaliber Fates Warning –, das größtenteils aus Geriatrikern 30 plus bestand, war es wieder ein wunderbarer Abend, wie ihn nur die kultigen Amerikaner zu liefern wissen.
Diesmal übernahmen die italienischen Progressive-Metal-Musiker Methodica den prestigeträchtigen Vorband-Slot für Fates Warning. Von italienischen Vorbands sind wir normalerweise keine Qualitätsexzesse gewohnt, daher haben sich Methodica in dieser Hinsicht eigentlich noch ganz passabel geschlagen. Das Quartett aus Verona präsentierte in knapp einer halben Stunde seine Vision des Progressive Metal, der sich stellenweise (zu) stark aus den Wurzeln von Dream Theater speist, stellenweise aus modernen Prog-Metal/Rock-Bands à la Soen, größtenteils aber aus neoprogessiven Bands à la Marillion und ähnlichen – nur mit einem etwas »heaviereren« Sound. An der Darbietung der Band gibt es daher keine größeren Einwände, aber die Italiener begannen ziemlich schnell zu langweilen, was auf einen zu wenig originellen und eigenständigen Musikansatz zurückzuführen ist. Methodica klingen nämlich zu sehr wie ihre Vorbilder und zu wenig wie sie selbst. Tatsache ist aber, dass wir von unseren westlichen Nachbarn schon so manches weitaus Schlechteres gehört haben.
Und wahr ist auch, dass es an jenem Dienstag völlig egal war, wer vor zehn Uhr abends auf der Bühne stand – angekündigt war die Rückkehr der legendären Fates Warning auf unsere Bühnen. Als die Band uns zuletzt besucht hatte, präsentierte sie noch das Album Darkness In a Different Light, diesmal aber kamen Fates Warning mit dem damals aktuellen, zwei Jahre zuvor erschienenen Theories of Flight. Das Ljubljaner Publikum begrüßten sie mit dem Eröffnungssong dieses Albums, From the Rooftops, und machten schon mit den ersten Tönen klar, dass uns nichts anderes als klangliche und musikalische Perfektion erwartete. Der Sound war nämlich auch diesmal absolut erstklassig eingestellt – jedes Instrument war hervorragend abgemischt, kristallklar und deutlich. Obwohl die ersten paar Verse dem Sänger Ray Alder leichte Schwierigkeiten bereiteten, klang der Refrain bereits wunderbar. Obwohl sich manche Puristen noch heute nach den frühen Zeiten der Band sehnen, als sie den anderen amerikanischen Prog/Power-Bands à la Crimson Glory, Queensryche und Sanctuary recht ähnlich waren, sind Fates Warning mit Alder im Mittelpunkt nach wie vor eine zutiefst ehrfurchtgebietende Band.
Das weiß auch der Anführer und einzige Originalmember Jim Matheos genau – ein außergewöhnlicher Gitarrist, der auch diesmal völlig stoisch auf der linken Seite der Bühne stand und mit seinem Instrument verschmolz, das er die ganze Zeit mit spielerischer Leichtigkeit spielte. Das gilt auch für die übrigen Mitglieder – absolute instrumentale Perfektionisten, die keinen Raum für Fehler lassen, und dennoch live wunderbar natürlich und organisch klingen. Von der bestialischen Schlagzeug-Krake Bobby Jarzombek über das wuchtige Gerumpel des Basses von Joey Vera und dem jungen Gitarristen Mike Abdow, der in der Band den abwesenden Frank Aresti ersetzt – alles in dieser Band klingt auf der Bühne wie eine Legierung aus reinem, perfektem und makellosem Metall. Das hätte die Band allerdings nicht erreichen können ohne den außergewöhnlichen Alder am Mikrofon, durch den die emotionale Energie der Musik im richtigen Licht auflebt. Obwohl Ray die hohen Register nicht mehr erreicht und ihnen inzwischen sogar gänzlich aus dem Weg geht, bleibt er ein einzigartiger Vokalinterpret und charismatischer Frontmann, dem das Publikum aus der Hand frisst, ohne dass er irgendeinen Unsinn von sich geben müsste. Fates Warning befanden sich diesmal auf einer kürzeren Europatournee, wobei jedes Konzert der Tour aufgenommen wurde – die Aufnahmen sollen für ein neues Livealbum verwendet werden, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Deshalb boten uns die Amerikaner ein sattes, rund zwei Stunden langes Set, dem es weder an Fan-Favoriten noch an Leckerbissen für Feinschmecker mangelte. Gleich zu Beginn beglückte das überdurchschnittliche Life in Still Water, Pale Fire vom übersehenen Inside Out begeisterte, und auch die Neuheiten Seven Stars und SOS überzeugten. Da sich die Band eine ordentliche Spielzeit gesichert hatte, konnten sie sich auch Ausflüge leisten, die sie sich sonst wohl nicht gegönnt hätten. So bekamen wir gleich zwei Songs in epischer Länge: zunächst den zehnminütigen Brocken The Light and Shade of Things, danach noch den sechzehnminütigen Behemoth Still Remains, in dem das Gitarristen-Duo mit schlichter, aber äußerst wirkungsvoller Gitarrenbrillanz verzauberte. Am Ende des regulären Sets ließ das Parallels-Doppel The Eleventh Hour/Point of View die Nackenhaare zu Berge stehen, und nach fast zwei Stunden reiner musikalischer Ekstase verabschiedeten sich Fates Warning erwartungsgemäß, aber nicht weniger begeisternd mit Eye to Eye. Wenn ich zum Abschluss etwas Basketballsprache bemühen darf: Das war mindestens ein Triple-Double für den Statistikindex 63 und wohl einer der Hauptkandidaten für das Konzert des Jahres.
Autor: Rok Klemše
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist:
1. From the Rooftops
2. Life in Still Water
3. One
4. Pale Fire
5. Seven Stars
6. SOS
7. One Thousand Fires
8. Firefly
9. The Light and Shade of Things
10. Wish
11. Another Perfect Day
12. The Ivory Gate of Dreams: IV. Quietus
13. Still Remains
14. A Pleasant Shade of Gray, Part IX
15. Nothing Left to Say
16. The Ivory Gate of Dreams: VII. Acquiescence
17. The Eleventh Hour
18. Point of View
— Zugabe —
19. Throught Different Eyes
20. Monument
21. Eye to Eye



















