Dreamer

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Interpret: Bland, Bobby
Label: MCA Records
Veröffentlichung: 1974

Bobby Bland ist ein weiterer in der Reihe legendärer Bluesmusiker, allerdings mit einem wichtigen Unterschied. Denn anders als seine „blauen“ Kollegen hat er nie Gitarre oder Mundharmonika gespielt, sondern sich hauptsächlich auf seine einzigartige Stimme verlassen, mit der er bald vor allem für die weibliche Hörerschaft interessant wurde. Unter anderem zeigt uns Dreamer schön Blands Einfluss auf spätere Generationen, vor allem auf eher bluesrock-orientierte Musiker.

Über die Stimmung auf diesem Album verrät schon der erste Blick aufs Cover einiges. Bland erzählt uns die ganze Zeit in einfacher Sprache, eingehüllt in weichen Soul-Blues-Hintergrund, eher verträumt von alltäglichen Problemen, natürlich vor allem von der Liebe. Sein charakteristischer, stellenweise geradezu witzig krächzender Gesang färbt das Ganze dann noch zusätzlich blau ein.

Was den kommerziellen Erfolg angeht, sind vor allem die beiden Eröffnungssongs erwähnenswert, von denen Ain’t No Love In The Heart Of The City stärker heraussticht – ein Ding voller Traurigkeit, das mit Orchesterbegleitung noch mehr zur Geltung kommt. Hier sieht man vor allem schön, wie wirkungsvoll ein ganz simpler Text sein kann, begleitet von Gitarre und gewürzt mit einem schlichten, zarten Bläsersolo. Ein Song, der ans Herz geht und in jeder Hinsicht besser ist als die spätere Whitesnake-Version. Etwas energischer wirkt I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treated Me), eine typische „Up-Tempo“-Soul-Blues-Kombi, bei der Gitarre und Bläserarrangements gewissenhaft für Stimmung sorgen, unterlegt mit einem geheimnisvollen, aber leicht schroffen Hammond-Sound. Auch mit den nächsten beiden, Lovin‘ On Borrowed Time und The End Of The Road, lässt Bland uns nicht aus seiner Umarmung der Trauer – zwei weiche Soul-Nummern, ganz ehrlich und normal in Blau getaucht.

Dass Bland nicht nur verzweifeln kann, beweist Ain’t Gonna Be The First To Cry, ein Song mit reizvoll abgehacktem Rhythmus, der ein bisschen an manch späteren Free-Kracher erinnert – die Bland mehr als offensichtlich viel verdanken. Ein tolles Beispiel dafür, wie souverän ein simpler Blues-Rhythmus wirken kann, natürlich in passender Umsetzung. Dreamer führt uns in tiefe Träume, in denen wir einem zarten Moog-Solo begegnen. Eine sexy Angelegenheit, voll mit funkig verpacktem erotischem Knistern, bei der schnell klar wird, warum der Onkel gerade für die weibliche Hörerschaft so interessant war – zu der Yolanda, der als Frau verkleidete Teufel, wohl nie gehörte. Tja, mit den Frauen gibt’s offenbar nur Ärger. Zum ersten Mal meldet sich hier die Gitarre in einem Solo, das Herrn Moody wie auf den Leib geschneidert wäre.

Eine kleine Überraschung hält Twenty-Four Hour Blues bereit, der nach einem weichen Soul-Intro äußerst einfallsreich woandershin abbiegt, nur nicht in den Blues. Onkel Bobby liegt der offenbar einfach am besten. Die Geschichte vom Albumanfang wiederholt sich hier im Grunde: einfache emotionale Skizzen alltäglicher Probleme, die jeden Hörer ohne Zögern packen. Klavier und Hammond sorgen für die wehmütige Atmosphäre des ohnehin sehr kurzen Cold Day In Hell, der auch etwas holprig endet; damit das Ganze nicht so „selbstmörderisch“ rüberkommt, sorgt Who’s Foolin‘ Who mit seinem männlicheren Ansatz für Ausgleich und ist nach all der Melancholie voller dringend nötigem Optimismus. Ein idealer Abschluss dieses gefühlvollen Albums, der die Lage völlig entspannt – eines Albums, das, um ehrlich zu sein, außer den beiden Eröffnungsnummern keine besonders erwähnenswerten Höhepunkte bietet, aber an besonders „verregneten“ Tagen trotzdem hochwillkommen ist.

Besetzung

Bobby Bland – Gesang
Ben Benay – Gitarre
Larry Carlton – Gitarre
Dean Parks – Gitarre
Michale Omantian – Keyboards/Klarinette
Ed Greene – Schlagzeug
Wilton Felder – Bass

Produktion

Steve Barri

Tracklist

1.Ain’t No Love In The Heart Of The City
2.I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treated Me)
3.Lovin‘ On Borrowed Time
4.The End Of The Road
5.I Ain’t Gonna Be The First To Cry
6.Dreamer
7.Yolanda
8.Twenty-Four Hour Blues
9.Cold Day In Hell
10.Who’s Foolin‘ Who

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