Dr. Evil im Doom-Nebel! (2013)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Orto bar, Ljubljana
Konzertdatum: 26.09.2013
Kartenpreis: 5 €

Mit dem Herbst öffnen zahlreiche Konzertlokale im ganzen Land wieder ihre Türen, darunter natürlich auch der legendäre Ljublaner Orto bar, der im Rahmen der Kadilnica of Death nach längerer Pause seine Pforten wieder für das Metal-Publikum aufschlägt. Die Kadilnica of Death tritt erst diesen Donnerstag mit dem Konzert von Mephistophelian, Nephrolith und Teleport richtig in ihre zweite Saison ein – letzten Donnerstag aber bebte die Grablovičeva unter den gewaltigen Riffs der frischgebackenen Ljublaner Doom-Damen Mist und der ebenfalls aus Ljubljana stammenden Heavy-Metal-Bestie Dr. Evil.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich um neun Uhr ziemlich skeptisch ins Obergeschoss des Orto marschiert – und zwar keineswegs deshalb, weil Frauen ihren männlichen Metal-Kollegen musikalisch nicht das Wasser reichen könnten. Bands wie Castle, Jex Thoth und Blood Ceremony beweisen, dass Doom mit weiblichem Touch noch verderblicher, unheilvoller und vor allem sexier klingt – was mich aber hauptsächlich beschäftigt hat, war die Sorge, dass Mist den Weg einer anderen heimischen All-Frauen-Band einschlagen könnten, die jahrelang nach einem hörenswerten musikalischen Profil gesucht hat. Aber die Ljublaner Meglica – bestehend aus Nina Spruk (Gesang), Ema Babošek (Gitarre), Nina Grizonič (Gitarre), Neža Pečan (Bass) und Mihaela Žitko (Schlagzeug) – machte schnell klar, dass sie nicht zu Spaßen aufgelegt ist, und stieg nach einem episch-unheilvollem Intro direkt mit Bewitched vom kultigen Candlemass-Klassiker Nightfall ein. Die Angst, dass die Mädels mit irgendwelchem quasi-sinfonischen, gotisch klingenden Müll aufwarten würden, war schnell passé – Mist spielen nämlich echten Doom im Stil von Candlemass, Pentagram, Black Sabbath und Cathedral, und klingen dabei überzeugend, eingespielt und gewaltig. Man hätte kaum gemerkt, dass es ihr Premierenkonzert war – große Fehler waren kaum zu hören, gespielt wurde auf Top-Niveau und gesungen ‚mit Eiern‘, hehe. Das Originalmaterial klingt äußerst vielversprechend – es mangelt weder an guten Riffs noch an durchdachten Soli (mit denen Nina Grizonič überzeugte, die sich nach dem Thrash mit Root A‘ Balluta und dem Heavy mit Hellcats bereits im dritten Musikgenre beweist) sowie einigen hervorragend gespielten Schlagzeugparts, und schön ist vor allem zu hören, dass nicht alle Mädels wie Tarja trällern. Nina segelte nämlich mit ihrer etwas tieferen Stimme souverän sowohl durch Bewitched als auch durch den abschließenden Pentagram-Klassiker Relentless. Wenn die Mädels in dieser Richtung weitermachen, hat die slowenische Metal-Szene eine der vielversprechenderen Bands in ihre Reihen aufgenommen und nach Cold Dew endlich wieder echten heimischen Doom Metal!

Nach dem verdienten, donnernden Applaus für Mist besetzten schnell auch die anderen »Jungspunde« Dr. Evil die Bühne – die trotz Bandleader und Veteran Milan Krušič ebenfalls Neulinge im heimischen Metal sind. Wenn ich mich nicht irre, war das für die Band – ergänzt durch die Gitarristen Jan Prosen (Dawn Patrol) und Jure Anžiček, Bassist Miha Oblišar (God Scard, ex-Sweet Sorrow) und Schlagzeuger Luka Čadež – erst das zweite Konzert. Die Eingespielt­heit der Band ist trotzdem atemberaubend, und die Jugend des instrumentalen Quartetts macht sich ebenfalls bemerkbar – sie überfluteten die Bühne mit ihrer ungezügelten Energie und gaben der Musik damit noch eine extra Ladung. Die Riffs flogen zwischen Jan und Jure wie Schrapnell – wirklich phänomenal ist vor allem Prosen, der sowohl als Rhythmus- als auch als Sologitarrist glänzt – während Obleey (der zudem kräftig mit überzeugenden Back Vocals aushalf, die in ihrer Wucht fast wie »Gang«-Vocals wirkten) und der destruktive Čadež für das Wummern und Ballern sorgten; Čadež lieferte im Laufe des Konzerts außerdem eine torpedomäßige Solo-Einlage ab. Unter den Jungen navigierte Krušič überzeugend – glücklicherweise hat er viele Kostüme aus der Lenih-kosti-Zeit abgelegt, wodurch die Band deutlich ernster wirkt; überzeugt haben auch die Eigenkompositionen (wenn ich mich nicht irre, fünf an der Zahl), die in der Richtung weitermachen, die Penetrator eingeschlagen hat, aber deutlich roher und brutaler. Nach dem Gehörten würde ich mir wünschen, dass die Eigenkompositionen die Lene-kosti-Nummern künftig komplett ablösen; außerdem hätte es auch ohne die Wiederholung von Songs zum Schluss getan – und trotz stets super Darbietung auch ohne das schon leicht abgedroschene Diamonds And Rust. Die Band hat mit zwanzig gespielten Songs ihre außergewöhnliche Form unter Beweis gestellt – und zum Schluss möchte ich nur die unsterblichen Worte des verstorbenen Chuck Schuldiner wiederholen, die für alle gelten sollen: »Listen to music, not rumors!«

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