Double Trouble
Izvajalec: Gillan, Ian
Založba: Virgin Records
Izid: 1981
Mit Double Trouble machen Gillans Spatzen den ersten Schritt in die sogenannte post-klassische Phase der Band, die nach dem Abgang von Bernie Torme ihre Hoffnungen zunächst vorübergehend auf einen Grünschnabel setzte, den die meisten von euch heute bestens unter dem Namen Janick Gers kennen. Der verärgerte Bernie hatte nach gut drei Jahren harter Arbeit verständlicherweise die Nase voll von Ians finanziellen Mauscheleien. Die Reibereien führten schließlich zum totalen Schiffbruch im Verhältnis zwischen Sänger und Gitarrist. Gillan ließ sich von solchen „Kleinigkeiten“ natürlich nicht aus der Ruhe bringen. Mit Double Trouble finden wir ihn also wieder felsenfest treu dem rücksichtslosen Rocker-Paradieren der Vorgängeralben.
I’ll Rip Your Spine Out beweist, dass Gillan der Sinn für Humor noch nicht abhandengekommen ist. Die scharfe Rock-Säge können wir ohne Zögern in den Katalog von Ians besten Werken einreihen. Wenn du in seinem Angebot ein bisschen stöberst, stößt du schon bald auch auf Men Of War, den definitiven Double-Trouble-Favoriten. Dass nicht alles ganz so makellos läuft, dafür sorgt Sunbeam, eine seltsame Gers-Nummer, die dem Status eines vielversprechenden Songwriting-Beitrags vom Neuling dank ihrer eigenen Naivität, vielleicht sogar Seichtheit, entgeht. Überhaupt bleibt Gers durchweg das größte Double-Trouble-Rätsel. Seine Präsenz ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur in Form von vorsichtigem Begleiten der rhythmisch-melodischen Variationen von Towns über allerlei bunte, oft auch jazzy angehauchte Themen zu spüren. Als komplettes Gegenteil dazu ist das Selbstbewusstsein, mit dem sich Colin die instrumentale Last der Band aufbürdet, geradezu verblüffend, doch mehr noch als das drängt sich in den Ohren der Mangel an Chemie in seinem Verhältnis zum Lehrling an der Gitarre auf. Und natürlich umgekehrt!
Nach der abwechslungsreichen, aber ziemlich durchschnittlichen Hadely Bop Bop und der etwas konkreteren Life Goes On setzt Ian die Tradition fort, sich apokalyptisch angehauchten Themen zu widmen, und zwar mit Born To Kill. Der Song bemächtigt sich, vor allem dank des unermüdlichen Colin Towns, interessanter Ausflüge weg von den konventionellen Rocker-Rahmen, wodurch die Melodie an Flexibilität gewinnt, vom Heavy Metal bis hin zu hörbarem, sagen wir mal, Experimentieren mit Pop-Motivik. Dem allumfassenden Drama verleiht Ians zuverlässig abgelieferter Gesang den passenden Ton, der am Ende der Studiohälfte des Albums nach langer Zeit wieder erfolgreich den Gesangsnormen der berühmten Deep Purple-Tage hinterherjagt!
Die zweite Hälfte von Gillans „Problemen“ bringt ein Konzerterlebnis aus Reading, genauer gesagt vom 29. August 1981, als der vierte Besuch des beliebten Treffpunkts der Liebhaber schwermetallischer Klänge stattfand, der trotz der bunten Palette beneidenswerter Rock-&-Roll-Manöver allzu oft einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Seit Ians Premierenauftritt auf diesem einst so prestigeträchtigen Rockfestival hat sich vieles verändert. Neben den personellen Rochaden kommen wir auch an Ians hörbar verbrauchter Stimme nicht vorbei. Die erliegt in den einst zuverlässigsten Lagen viel zu oft recht geschmacklos dem berühmt röchelnden Falsett, dessen Rauheit Ian bis heute schon erfolgreich zu einer ohrenzerfetzenden Masse asthmatischen Hustens ausgebaut hat! Gründe zur Freude bleiben hier trotzdem in Hülle und Fülle. No Laughing In Heaven und Mutually Assured Destruction quellen über vor typischer Gillan-Magie, während sich der mit Abstand bekannteste bluesige Ian-Ausflug If You Believe Me nur mit dem Wort zauberhaft beschreiben lässt. Die Aufnahme stammt als eine Art „schwarzes Schaf“ als einzige vom Rainbow-Konzert am 4. März 1981, also aus den letzten Tagen von Bernie Torne. Der Unterschied ist offensichtlich. Das berüchtigte Paket Torne/Towns wirkt kompakter, schärfer und unvergleichlich innovativer. Kein Wunder, dass Gillans Jungs im Vergleich zum Rainbow-Auftritt auf der Bühne von Reading wie lokale Stars wirken, deren Sonne langsam, aber sicher schon im Untergang begriffen ist.
Besetzung
Ian Gillan: Gesang
Colin Towns: Keyboards
John McCoy: Bass
Janick Gers: Gitarre
Mick Underwood: Schlagzeug
Bernie Torme: Gitarre *
Produktion
Steve Smith
Tracklist
1.I’ll Rip Your Spine Out
2.Restless
3.Men Of War
4.Sunbeam
5.Nightmare
6.Hadely Bop Bop
7.Life Goes On
8.Born To Kill
9.No Laughing In Heaven
10.No Easy Way
11.Trouble
12.Mutually Assured Destruction
13.If You Believe Me*
14.New Orleans
Trajanje albuma: 77.06