Dobri duh iz zelenega gozda

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Künstler: Bibič, Bratko
Label: Bergtöne
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 46:08
Bewertung: 4.4/5

Bratko Bibič ist ein slowenischer Akkordeon-Virtuose, der uns schon in äußerst wichtigen Projekten wie Begnagrad, Nimal und Accordion Tribe begeistert hat (oder den einen oder anderen vielleicht auch betrübt – man weiß ja nie). Für die slowenische Musikgeschichte ist besonders sein Beitrag bei Begnagrad von Bedeutung, doch auch seine Arbeit bei anderen musikalischen Abenteuern sollte man nicht außer Acht lassen – und es scheint, dass Bibičs Kompositionen mit den Jahren immer besser werden.

Diesmal präsentiert sich Bratko mit der Besetzung The Madleys, und zwar mit dem Livealbum „Dobri duh iz zelenega gozda“. Die Musik auf dem Album zeigt uns genau das, was wir von Bratko und seinen Madleys bei ihren Konzerten zu hören bekommen. Alle Lieblingsstücke, von Encore bis Ableitung, sind hier vertreten. Etwas seltsam ist nur, dass Petelinje fehlt, das Bibič praktisch immer als Abschluss seiner Auftritte verwendet. Für eine kleine Überraschung sorgt auch das letzte Stück auf dem Album (Ramona), das die einzige Komposition ist, die nicht von Bibič geschrieben wurde und auf der er auch nicht mitspielt.

Musikalisch ist Bibič praktisch unmöglich einzuordnen. Ist das Kammer-Avantgarde-Rock? Ist das avantgardistische Klassik? Es ist all das und noch mehr. In der Musik, die er derzeit spielt, stecken viele Einflüsse aus der Klassik, avantgardistischen Kompositionen, Jazz, Folk und noch einigem mehr. Obwohl die Musik durchaus avantgardistische Elemente hat, ist sie manchmal so schön und klar, dass man meinen könnte, das sei Musik, die jeder mögen müsste – doch dann überraschen dich diese Kerle und „verderben“ den Spaß. Und genau diese Überraschungen sind es, die Bratko zu einem so guten Komponisten machen. Er versteht es, außergewöhnlich schöne Momente zu schaffen und sie mit sehr komplexen und unerwarteten zu vermischen.

Da sich diesmal auf der Bühne zu Bibič und den Madleys noch die Besetzung Rämschfädra gesellt, ist der Klang entsprechend gewaltiger als bei ihren üblichen Auftritten. Das kann sogar etwas störend sein, denn manchmal passiert fast zu viel auf einmal, und man kann nicht jedes Instrument so genau heraushören, wie man es sich wünschen würde. Dennoch wird das an anderer Stelle wieder wettgemacht, denn in bestimmten Momenten sorgt ein zusätzliches Instrument für eine noch intensivere Atmosphäre. Da man bei ihren Auftritten normalerweise nicht so viele Musiker auf einmal erlebt, ist es vielleicht sogar besser so – man bekommt eine etwas andere Interpretation zu hören als sonst.

Bratko Bibič hat mit seinen Mitstreitern ein Album aufgenommen, das sich sehr leicht hören lässt, dabei aber raffiniert, unverschämt und unendlich intelligent ist. Wie schon bei Begnagrad üblich, lässt Bratko uns auch diesmal nicht im Stich, wenn es um Humor in der Musik geht. Schon die Titel der Stücke können dich zum Lachen bringen, und Bibič versteht es auch mit seinen Kommentaren, das Publikum zum Schmunzeln zu bringen. Begnagrad ist vielleicht eine der bedeutendsten Bands der slowenischen Musik, und ihr gleichnamiges Album eines der wichtigsten Avantgarde-Alben im ehemaligen Jugoslawien – doch Bratko ist ein noch besserer Komponist geworden, der nichts verloren, aber enorm gewonnen hat, vor allem im kompositorischen Sinne. Erfahrung macht eben doch was aus. „Dobri duh iz zelenega gozda“ ist definitiv ein Anwärter auf das Album des Jahres, und ich warne euch schon jetzt: Vor ihm ist niemand sicher.

Wer das Album in Slowenien kaufen möchte, sollte sich zum Laden Jazz and Blues Records in der Trubarjeva ulica in Ljubljana aufmachen oder sie online kontaktieren HIER. 

Besetzung

Bratko Bibič – Klavierakkordeon, Gesang
Matjaž Sekne – Violine, Viola
Vasko Atanasovski – Saxophone, Flöte
Boštjan Gombač – Klarinette, Flöten, Pfeifen
Marjan Stanič – Schlagzeug, Percussion
Sonja Füchslin – Klavier, Violine
Patrizia Pacozzi – Violine
Livia Bergamin – Querflöte
Thomas Estermann – Kontrabass, Akustikgitarre
Roberto Imfeld – Knopfakkordeon
Shirley Ann Hofmann – Euphonium
Andreas Gut – Akkordeon

Produktion

Bratko Bibič

Trackliste

1. Encore Trois W
2. Encore Deux W
3. Encore Un W
4. In the Family Garden 2
5. Labis Carniolus
6. From Borst to Labor
7. 1st Sun-Day of May / St. Martin’s Day
8. Aus der Schatzkammer des Unbewussten / Announcement
9. Aus der Schatzkammer des Unbewussten
10. Ein guter Geist aus Grünenwald
11. Odvod – Ableitung
12. Ramona

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