Disraeli Gears

0 7

Künstler: Cream
Label: Polydor Records
Veröffentlichung: 1967

Von allen vier Studioalben des Power-Trios Cream ist wahrscheinlich gerade Disraeli Gears ihr bestes Werk. Das 1967 erschienene Album ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk, dem man auch heute noch kaum etwas Vergleichbares an die Seite stellen kann,.. Vor allem geht es hier um die individuellen musikalischen Fähigkeiten, die bis heute wohl ihresgleichen suchen, die die „heilige Dreifaltigkeit“ auf Disraeli Gears aber zugunsten der Homogenität problemlos in den Hintergrund stellt. Die Geburtswehen von Fresh Cream sind hier schon lange Geschichte, und Disraeli Gears haut uns, nicht zuletzt dank des Produzenten und späteren Mountain-Bassisten Felix Pappalardi, ordentlich aus den Socken. Frische, gegenseitiges Verständnis und vor allem ein knackiger Mix aus Blues, Jazz und Psychedelic prägen dieses Album durch und durch.

Und wenn ich schon von Wucht rede: Strange Brew steht genau dafür. Ein phänomenaler Blues mit abgehacktem Rhythmus, den Bruce nebenbei noch leicht in Richtung Jazz zieht. Eine richtige kleine Lawdy Mama, die das wahrscheinlich auch geblieben wäre, hätte sich Pappalardi das Ganze nicht auf seine Art vorgenommen. Ein Song, in dem Clapton mit seinem Albert-King-mäßigen Solo voll seine Reife zeigt. Ein seltsames Gebräu vielleicht? Gar nicht, verglichen mit dem, was noch folgt…Sunshine Of Your Love, mit Baker in der Rolle des „Höhlenmenschen“, präsentiert den Blues in einer neuen, für damalige Zeiten unvorstellbaren musikalischen Form, in der dich Gingers Rhythmus packt und nicht mehr loslässt, bis du bewusstlos in irgendeinem Graben liegst. Eric und Bruce (für den Text ist wieder Pete Brown verantwortlich) machen mit ihrem Gesang, bearbeitet von Felix‘ rauer Produktion, ein Kunststück daraus, das bis zum Schluss roh ist. So haben andere Bands vor Cream einfach nicht gespielt! Warum? Die Antwort überlasse ich dir. World Of Pain schwimmt zusammen mit Dance The Night Away in der für Cream typischen Psychedelik, an der sich viele spätere Rockmusiker-Generationen der frühen Siebziger orientierten. Auf jeden Fall Songs, bei denen du dir problemlos einen anzünden kannst. Typisch britischer Humor ist Blue Condition, mit Jack Bruce in einem interessanten „Aggregatzustand“, dass die Jungs aber durchaus ernsthafte Musiker sind, beweist das hervorragende Tales Of Brave Ulysses. Trotz einer ganzen Armee von Meerjungfrauen, kleinen scharlachroten Fischchen und ähnlichen Jack’schen „Freunden“ aus der griechischen Mythologie (für die neben Eric Clapton eigentlich Martin Sharp verantwortlich ist), ist Tales wohl eine der besten Cream-Kreationen überhaupt. Claptons Wah-Wah verleiht dem Song einen besonders apokalyptischen Charakter. Swlabr (kurz für She Walks Like A Bearded Rainbow!!) ist eine wild gewordene Bluesnummer mit witzigem Text, die Ginger Baker entschlossen steuert. Ähnliches gilt für We’re Going Wrong, eigentlich Jack Bruces „Kind“, aber auch hier hat wieder Baker am meisten damit zu tun. Eine sehr interessante Sache, deren Ende viel Spoonful verdankt. Eric lässt seine Eifersucht in Outside Woman Blues raus, dessen Autor Arthur Reynolds von dieser „ungehobelten“ Version Claptons vermutlich begeistert wäre, gewürzt mit Bruces Getänzel am Bass, der kaum unter Kontrolle klingt. Lobenswert ist vor allem Claptons Gesangsbeitrag, der beim erneut unterhaltsamen Text sehr souverän wirkt.

Interessant ist vor allem, dass es auf dem ganzen Album im Grunde keine größeren Solo-Momente gibt, mit denen drei Musiker dieses Kalibers wenigstens ein bisschen herausstechen würden. Und wenn uns Fresh Cream eine ganze Menge davon serviert hat, gibt es solche Momente auf Disraeli Gears nicht. Die Ausnahme ist genau Take It Back, wo Jack Bruce, neben dem kaum wahrnehmbaren restlichen Duo, voll dominiert. Insgesamt hält das Album durchgehend ein unglaublich hohes Qualitätsniveau, der einzige größere Minuspunkt ist der Schlusstrack Mother’s Lament, eine weitere in der Reihe von Bearbeitungen diverser traditioneller Nummern. Was sich die Jungs dabei gedacht haben, wird wohl nie klar werden, obwohl es stimmt, dass man bei solchem Spiel nicht lange normal bleiben kann. Genauso wie es Fakt ist, dass Cream mit Disraeli Gears neue Grenzen im Rock gesetzt haben, die viele noch lange nicht überschreiten werden.

Besetzung

Eric Clapton – Gitarre/Gesang
Jack Bruce – Bass/Gesang
Ginger Baker – Schlagzeug

Produktion

Felix Pappalardi

Tracklist

1.Strange Brew
2.Sunshine Of Your Love
3.World Of Pain
4.Dance The Night Away
5.Blue Condition
6.Tales Of Brave Ulysses
7.Swlabr
8.We’re Going Wrong
9.Outside Woman Blues
10.Take It Back
11.Mother’s Lament

Spielzeit: 33.35

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