Der Blues der schlanken Ana Popović (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Konzertdatum: 05.06.2015
Besucher: 600
Kartenpreis: 18,00€ (Vorverkauf) / 20,00€ (Abendkasse)
Ana Popović trat mit ihrem erneuten Besuch der slowenischen Bühnen endlich auch im Herzen der slowenischen Hauptstadt auf. Für die schlanke Blueskönigin ist das insgesamt der fünfte Besuch Sloweniens – zuvor trat sie bereits zweimal in Postojna auf, dann in Laško beim Festival Pivo in cvetje und letztes Jahr in Nova Gorica. Doch damit nicht genug! In diesem Jahr wird sie nämlich noch ein sechstes Mal in Slowenien auftreten, und zwar im Rahmen des Festivals Lent in Marburg an der Drau.
Ana ist in den weltweiten Blues-Kreisen eine hoch geschätzte Musikerin, mehrfach nominierte Gewinnerin der renommiertesten Auszeichnungen für ihre Beiträge zur Bluesmusik. In diesem Jahr veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrem Vater Milutin Popović ein Studioalbum mit dem Titel »Blue Room«. Das Album erschien zwei Wochen vor Anas Konzert in Ljubljana.
Etwa zwanzig Minuten nach acht sprangen dann die jungen slowenischen Blues-Rock-Hoffnungsträger namens Prismojeni profesorji bluesa auf die Bühne. Einen besseren Moment hätten sie sich nicht aussuchen können. Das Publikum war für sie nämlich traumhaft, obwohl der Großteil der Besucher (komisch, aber wahr) auf den Stufen im Saal saß. Deutlich zahlreicher als am 30.01.2015, als die Band am selben Ort im Rahmen des Benefizfestivals »Za kombi«. aufgetreten war. Prismojeni profesorji bluesa sind eine gefragte Clubgröße. Sie geben nämlich fantastische Konzerte und gehen allen, die mit ihnen in Berührung kommen, schnell unter die Haut. Das Quartett bleibt so durchdringend wie möglich. Ihre eigene Mischung aus altbewährtem Heavy-Rock-Blues, bei der die Brüder Erič wie aus dem Handgelenk Soloparts an Gitarre und Mundharmonika austauschen, unterstützt von einer soliden und ungestümen Rhythmussektion, wurde diesmal noch durch eine Gastsaxophonistin verstärkt. Das Saxofon bringt immer Sex-Appeal in die Musik. In den Stücken wechseln sich gleich drei Sänger ab, vor allem aber beeindruckt der Schlagzeuger mit einer fast schon schwarzen Stimmfarbe. In einem unglaublichen Schwall aus Adrenalinstoß und Testosteronüberschuss warf er am Ende des Auftritts das Drumset zu Boden und führte den Auftritt der jungen Hengste zum Crescendo. Es ist eine Band im Aufstieg, das beweist sie von Konzert zu Konzert. Eine großartige Eröffnungswahl und eine hervorragend genutzte Chance, die sich den Jungs da bot. Ein zahlreiches Publikum hat sie nämlich erlebt und sich gut an sie erinnert.
Ana Popović ist im Gegensatz zu den verrückten Jungs eine Dame. In diesem Stil trat sie auch auf die Bühne. Hohe Absätze, ein eng anliegendes Minikleid mit tiefem Ausschnitt – Schmuck versteht sich da von selbst. Ana, die von Natur aus zu den großgewachsenen Frauen gehört, wirkte mit Absätzen auf der Bühne fast zwei Meter groß. Die Band eröffnete das Konzert zunächst mit einer koketten »shuffle«-Rhythmusattacke (Ana’s Shuffle), und Ana präsentierte beim Konzert vor allem Songs aus dem Album »Can You Stand the Heat« (2013); sie spielte außerdem den Song Somebody aus dem neuesten »Blue Room« (2015) – ansonsten ertönten unter anderem an diesem Abend in den Räumlichkeiten des CUK Kino Šiška noch Object of Obsession, Let Me Love You Baby, How’d You Learn To Shake it Like That, Unconditional, Count Me In, Summer Rain, Your Love Ain’t Real sowie Coverversionen von Can’t You See What You’re Doing To Me (Albert King), Every Kind of People (Robert Palmer), Navajo Moon (Stevie Ray Vaughan), Rain Fall Down (The Rolling Stones) und Can You See Me (Jimi Hendrix).
Ana ist eine Meisterin des rationalen Spiels. Sie streut nicht wild Noten um sich, sondern sorgt mit feinem Gespür für deren richtige Platzierung. So sind ihre Soli wunderschön geformt und behalten eine große musikalische Anziehungskraft, während sie in einzelnen Passagen gleichzeitig beweist, warum sie zu den schärfsten und angesehensten Blues-Gitarristinnen der Welt gehört. Sie hat den richtigen »Griff«, der dich mitreißt und gefangen nimmt. Wunderbar groovte das eigene, funkbasierte Object of Obsession, bei dem die Rhythmussektion mit filigraner Präzision herausstach und ihre »geschmeidigen« Qualitäten im Gespann von Carlton Armstrong (der auch für den Backing-Vocal zuständig war) und dem französischen Schlagzeuger Stephane Avellaneda zur Geltung brachte. Viel Raum für das Würzen der Ein- und Ausstiegspassagen sowie für das Weben eines konkreten Geflechts aus Gitarrenphrasen erhielt auch der italienische Keyboarder Michele Papadia.
Teuflischer Blues! Da gibt’s nichts. Alles unter Anas federleichter Regie. Bei all dem übernimmt natürlich das Gitarrenspiel in vollem Umfang die dominante Rolle gegenüber ihrer Vokalinterpretation. Das bedeutet nicht, dass Ana im vokalen Bereich keine Souveränität mitbringt – auf jeden Fall aber darf man dabei keine Vocals vom Kaliber einer Mahalia Jackson oder Aretha Franklin erwarten oder verlangen. Ana macht nämlich alles mit ihrem außerordentlichen Gitarrenspiel. Sie ist hochpräzise und exakt, gleichzeitig aber auch bildhaft und leidenschaftlich. Ein Mädchen mit echtem slawischen Feuer, immer wenn sie leidenschaftlich mit ihrer Fender Stratocaster zugange ist! Auch dieses Mal war es nicht anders. Ein neues tolles Erlebnis. Wer sie vielleicht in Ljubljana verpasst hat, bekommt eine zweite Chance. Dafür muss man aber zum diesjährigen Festival Lent nach Marburg an der Drau fahren.
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