Den Mond anbellen mit La Dispute (2012)

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Ort: Ljubljana / Channel Zero (Metelkova) / Slowenien
Konzertdatum: 14.06.2012
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 19,00€

Am Donnerstag, dem 14.6., hatte ich seltsame Träume. Ich träumte, dass ich zum Konzert von La Dispute*  in irgendwelchen merkwürdigen, für mich völlig untypischen gelben Klamotten gegangen war. Als ich dann am Veranstaltungsort ankam, fühlte es sich an, als würde gerade die Abiturfeier irgendeines Ljubljanaer Gymnasiums beginnen. Ich wollte aufwachen, aber das war unmöglich, also bestellte ich einen Spritzer und ließ die Dinge laufen.

Als Erstes überraschten mich die Slowenen Unblind. Das Genre kannte ich bis dahin nur über die Diskografie von La Dispute, die auf den Alben wirklich vielversprechend klang, und deshalb wollte ich auf diesem Erlebnis aufbauen. Und Unblind hält sich an die Gesetzmäßigkeiten des Genres, was für ein auf diese Musik abonniertes Publikum kein Fehler ist. In den ersten zehn Minuten war der bellende Gesang des Sängers noch interessant, später fragte ich mich dann aber schon, was genau der Sinn seiner Interpretation eigentlich ist. Aber dazu komme ich noch. Ansonsten ist das Musik ohne allzu große Ausschläge. Sie bewegen sich in post-rockigen, post-hardcore-Gewässern, mit genug groovigen Momenten, dass das Ganze hörbar ist, stellenweise sogar interessant. Beim Sound hatten sie ein bisschen Pech, weil man den Gitarristen links kaum hörte. Und genau der hat über die rhythmischen Parts die Melodie gezogen, die die Monotonie hätte aufbrechen können – aber man hörte ihn einfach zu leise. Im Saal war eine überraschende Menge Teenager, und ich freue mich, dass das so ist.

Ich ging kurz raus und kam zwanzig Minuten später wieder rein. La Dispute spielten schon, und zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass der Saal, wenn nicht brechend voll, dann doch so voll war, dass man sich für jede Bewegung zur gewünschten Position gut durchzwängen musste. Und mit Erstaunen stelle ich fest, dass das bellende, kläffende Geschrei das Wesen dieser Musik ist. Der Sänger von Unblind hat keine Show gemacht, sondern einfach treu den Gesetzmäßigkeiten des Genres gefolgt. Auf den Studioaufnahmen kommt dieser definitiv besondere Gesang nicht so sehr zur Geltung, deshalb habe ich mehr auf die Instrumente geachtet. Die Musik ist qualitativ hochwertig, melodisch – ich hatte das Gefühl, das alles schon mal gehört zu haben. Schon wieder eine Band, die sich die Post-Mütze aufgesetzt und das Ganze in ihre eigene Richtung gelenkt hat. Der Vokalist ist sehr emotional, genau wie die Musik selbst. Aber beim Zuhören wirkte es auf mich nicht allzu depressiv – zugegeben, ich habe mich nicht in die Texte vertieft, aber ich glaube, depressiv macht eine Musik die Atmosphäre in ihr. Oder ich irre mich. Ich erwähne die Depressivität, weil ich das Glück hatte, dass mich der Sänger nach dem Konzert um eine Zigarette bat, und ich den Moment nutzte, um ihn ein bisschen nach seinen Einflüssen und Themen zu fragen. Zu meiner Überraschung hatte er keine besonders gewichtige Antwort. Na ja, vielleicht fand er es auch einfach blöd, einem dahergelaufenen Slowaken Rede und Antwort zu stehen. Wie auch immer, das Konzert verlief in einer ausgezeichneten Atmosphäre. Die Abiturienten haben eine richtige Fete gemacht, es gab sogar Ansätze von Moshing. Die meisten kannten die Texte, und es war schön zu hören, wenn der Sänger die Vocals dem Publikum überließ. Dass die Jugend wirklich mehr wollte, bewies sie mit hartnäckigem UI, UA, UO – und die Band ließ sich nicht lumpen. Sie kamen zurückgeflogen und rissen noch zwei letzte Nummern rein.

Was Atmosphäre und Stimmung betrifft, war das Konzert hervorragend, musikalisch bin ich selbst halt nicht ganz in diesen Gewässern zuhause. Aber ich will hier nicht erklären, was gut ist und was nicht. Wenn du die Musik magst, ist das völlig okay. Selbst wenn es Ansambel Braneta Miheliča wäre (kein Vergleich gemeint). Anscheinend ist es auch den Dihurja diesmal gelungen, den richtigen Moment für ein La Dispute-Konzert zu erwischen, denn nach dem Anklang zu urteilen sind sie mehr als offensichtlich dabei.

Ich bin nach Hause gegangen oder aufgewacht. Ich weiß es nicht genau.

 

*La Dispute sind eine Gruppe von fünf Jungs, die Fans dieser Musik schon mit ihrem 2008 erschienenen Debüt Somewhere At the Bottom of the River Between Vega and Altair begeistert haben und ihre Reise in die Ohren der Fans im Jahr darauf mit dem Album Wildlife fortsetzten. Mehr als ihre auseinanderdriftenden Drums und die gnadenlosen, scharfen Gitarren, die hier und da von zarten Melodien aufgeweicht werden, prägen Texte ihre Musik, die Frontmann Jordan Dreyer auf unglaublich emotionale Weise interpretiert und die einen Zuhörer kaum unberührt lässt.

Setliste

1. A Departure
2. The Most Beautiful Bitter Fruit
3. A Letter
4. Harder Harmonies
5. Why It Scares Me
6. New Storms for Older Lovers
7. Said the King to the River
8. All Our Bruised Bodies and the Whole Heart Shrinks
9. You and I in Unison
—Zugabe—
10. Safer in the Forest/Love Song for Poor Michigan
11. King Park

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