Death Of Roses

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: MacAlpine, Tony
Label: Sun Dog Records
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 30:04
Wertung: 4/5

Tony MacAlpine ist einer jener Gitarrenhelden, die sich ihrer Solokarriere so verschrieben haben, dass sie die Gitarre ins Zentrum ihres musikalischen Universums und Ausdrucksrepertoires gestellt haben – und damit über die Jahre mit Spielfreude und virtuosem Gitarrenspiel, dem es weder an rotem Faden noch an großer Inspiration mangelt, vor allem anspruchsvollere Musikfans verwöhnt haben. Nennen wir es Gitarrenrock – in seinem Fall darf man ruhig auch von Gitarren-Metal sprechen.

Vor der Entstehung des neuen Albums durchlebte Tony eine schwere gesundheitliche Odyssee: Er wurde mit Magenkrebs diagnostiziert, und der Zustand war sehr ernst. Als er bereits verkündet hatte, dass es ihm besser gehe, musste er noch eine zweite Runde Chemotherapie über sich ergehen lassen. Aber offensichtlich haben sein Wille, seine Kraft – und auch sein Körper – diese harte Probe bestanden. Der Mann hat sich also wieder aufgerappelt, die bösen Geister vertrieben, und das neue Album ist so auch ein »Abdruck« der Zeit, die er in den letzten zwei Jahren durchlebt hat.

Von »Concrete Gardens« zu »Chrome Castles« – so lässt sich der Schritt beschreiben, den Tony zwischen seinem letzten Album und dem neuen gemacht hat. Auch das neue Album ist allen Fans seines Spiels auf den Leib geschneidert, die ihm treu folgen – schon seit seinem außergewöhnlichen Debüt »Edge Of Insanity«.

Mit dem neuen Album bleibt der Mann seiner typischen musikalischen Ausdrucksformel treu. Wie immer sticht dabei am deutlichsten seine Beherrschung des gitarristischen Ausdrucks hervor – das virtuose Spiel und seine klassisch geprägte Formsprache. Das Album ist wieder durchzogen von neoklassischen Elementen der Gitarren-Feinmechanik, mit der er uns auch diesmal von der ersten bis zur letzten Sekunde ununterbrochen begeistert. Alle Motive hat er wieder mit markanten Gitarrenriffs und gelegentlichen »Shredding«-Ausflügen unterfüttert – weshalb auch dieses Album größtenteils voller direkter Schärfe steckt, im Phrasieren entschieden zugespitzt und mit rasender Distortion bestückt, die als Garant für die handfeste und allgemeine Metallisierung des Produkts steht. Im Solospiel entführt Tony natürlich auch in die Gefilde des Jazz, was er durchgehend meisterhaft und mit unglaublicher Sensibilität in die ansonsten »schulbuchmäßige Schönsprache der klassischen Musik« einfließen lässt. Tony kann dabei auch bewusst chaotisch sein – was für ihn längst keine Neuheit mehr ist, sondern sein Markenzeichen –, womit er aber wieder so geschickt navigiert, dass der Hörer oft nicht weiß, in welche Richtung sich ein bestimmter Song auf dem Album entwickeln wird. Das ist also jenes Element des Unvorhersehbaren, das er in seinen Werken besonders in den prägenden Jahren der Zusammenarbeit mit Steve Vai vertieft hat, der seinerseits für seine gelegentlichen musikalischen Ausflüge in unumkehrbares gitarristisches »Sonderlingswesen« bekannt ist.

Tony hat Keyboards und Gitarre natürlich wieder selbst eingespielt und außerdem das Programmieren übernommen. Für die bombastische und explosive rhythmische Kinetik des Albums sorgten der ungarische Schlagzeuger Gergő Borlai (Scott Henderson, Gary Willis, Hiram Bullock) sowie Bassist Pete Griffin (Generation Axe Tour, Giraffe Tongue Orchestra, Zappa Plays Zappa). Das sind zwei ungemein erfahrene und vielseitige Musiker, die Tony mit ihren raffinierten Fähigkeiten so überzeugt haben, dass er ihnen einen Platz auf dem Album angeboten hat! 

Die einzelnen Motive, die der unzerstörbare Shredder Tony wieder auch auf Sieben- und Achtsaiter-Gitarren eingespielt hat, hat er wie gewohnt kunstfertig mit Keyboards unterfüttert oder an Positionen innerhalb der Komposition platziert, die für den Aufbau der Stimmung entscheidend sind – vor allem in den Einstiegspassagen der Songs. MacAlpine spielt auch diesmal mit einer unbegreiflichen Leidenschaft, als wolle er erst sein allererstes Album veröffentlichen. Und genau das ist der entscheidende Punkt bei der ganzen Sache: diese große Herzlichkeit und Begeisterung für alles, was er anpackt. Hoffen wir, dass ihn seine Wege auf europäische Bühnen führen und er dieses wunderschöne neue Studiowerk dem europäischen Publikum vorstellen kann. Das ist das Mindeste, was das neu komponierte Material verdient.

Tony MacAlpine – Chrome Castles (offizieller Audio-Stream):

Besetzung

Tony MacAlpine – Gitarre, Keyboards, Programmierung
Pete Griffin – Bassgitarre
Gergő Borlai – Schlagzeug 

Produktion

Tony MacAlpine

Trackliste

1. Chrome Castles
2. Electric Illusionist
3. Synthetic Serenity
4 Death of Roses
5. Axiomatic Jewels
6. Entropy
7. Shundor Prithibi

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