Čompastisches Abendsüppchen!!!

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Ort: Studio 14 (RTV Slovenija) / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 04.12.2006
Besucherzahl: 0
Ticketpreis: 0,00 SIT

Am Nikolaus-(Vor)abend, im schon komplett geschmückten Ljubljana, das nur noch auf die eine oder andere Schneeflocke wartet, hat sich im Studio 14 von Radio Slovenija eine ziemlich große Menge Zuhörer versammelt, für die räumlichen Kapazitäten sogar etwas zu groß. Der Grund dafür ist vielleicht, dass das Konzert umsonst war, oder dass zu solchen Veranstaltungen eben all jene kommen, die irgendwie mit dem RTV zu tun haben, zynisch gesagt schon Teil des Inventars, die unter anderen Umständen vermutlich gar nicht aufgetaucht wären. Ähnlich wie ins Cankarjev Dom mit Abo-Karten immer dieselben Gesichter kommen, die manchmal nicht mal ahnen, was sie sich da eigentlich ansehen bzw. anhören wollen!

Wie auch immer, sagen wir einfach, alle sind ausschließlich wegen der Band selbst gekommen, auch wenn eher als Zuschauer und gar nicht so sehr als Zuhörer.

Kurz nach acht am Abend betritt Frau Nataša Bončina Žgavec die Bühne, begrüßt uns höflich und kündigt die Besetzung an, die sofort auf den Brettern erscheint, voll bereit, diesen Abend dem letzten Vollmond des Jahres ein Stück näherzubringen, der sich genau in dem Moment irgendwo hinter den Wolken hoch über uns versteckt hielt.

Mit Ibržniki kommt gleich glühende Stimmung auf, die die Band den ganzen einstündigen Auftritt über begleitet und in dem sie das komplette erste und bisher einzige Album durchgespielt haben, das den schlichten Titel Čompe trägt. Janez Škof mit Akkordeon und Stimme, die er immer wieder äußerst erfolgreich der Poesie von Dane Zajc, Edvard Kocbek und anderen Meistern der modernen slowenischen Dichtung leiht, und auch den Raben, im gesanglich herausragenden Song Dva Vrana. Neža Zinaić an der Geige und mit Backing-Vocals, Silvo Zupančič an der Gitarre, Marjan Stanič an Percussion und Schere, ja, genau, die echte Schere, mit der man Haare oder Papier schneidet und die offenbar auch ein ausgesprochen spannendes und vor allem ungewöhnliches Musikinstrument sein kann, sowie Žiga Saksida und Breda Krumpak am Altsaxofon, und bei Bedarf helfen alle zusammen auch gesanglich aus. Den ganzen Auftritt über haben sie bewiesen, was eigentlich ohnehin klar ist: dass sie schlicht eine außergewöhnliche Band sind, die ein längst gut erprobtes Repertoire mit genau der richtigen Dosis Improvisation durchgezogen hat, sodass die Songs lebten wie völlig eigenständige Wesen mit ihrem eigenen „Rückgrat“, das man biegen, verdrehen und noch so sehr strapazieren kann, das aber immer stark und geschmeidig bleibt.

Zwischen den einzelnen Stücken gab es obendrein einen zusätzlichen, meist historischen Einblick in den jeweiligen Song, der auf seine Weise die Hintergründe eines Songs oder des Bandnamens selbst beleuchtete. So erfuhren wir, dass die Wurzeln des Songs Francoz bis in die Französische Revolution zurückreichen und dass jene Kartoffel, nach der die Band ihren Namen hat, ihre wahre Liebe und Lebensgefährtin in einer Rübe fand, der sie zufällig begegnete, nachdem sie versehentlich von den hohen Bergen rund um das Trenta-Tal hinabgerollt war.

Čompe spielten als vorletzten Song das Instrumental Garača und schlossen mit dem bereits erwähnten Dva Vrana. Die Band verlässt die Bühne, kommt aber angesichts des Applauses und vor allem wegen des einzigen Songs, den sie nicht gespielt haben, der aber Pflichtstoff ist und gerade in letzter Zeit unglaublich aktuell und wahr, die inoffizielle Postkarte Sloweniens an die Welt, schnell wieder zurück.

Es folgt also, nach Škofs Worten, der „wirklich letzte“ Song, Človeška Ribica. Der Einstieg, der wie eine Postkarte wirkt, gehört ihm allein, während sich die übrigen Bandmitglieder ihm beim Hauptteil anschließen, der die Geschichte des bösen Goldfischs erzählt, der zur Strafe zum Menschen wurde. Die Strafe muss erzieherisch sein, sonst geht’s nicht! Und das ist das Ende, Čompe verschwinden jetzt wirklich von der Bühne, nur Saxofonist Žiga Saksida bleibt, der noch ein paar Minuten lang einen „politischen“ Vortrag über den aktuellen Zustand der Hauptstadt hält, begleitet vom zustimmenden Applaus des Publikums. Den besagten Jani aus Vič gab es unter den Zuhörern natürlich nicht, wäre er da gewesen, wäre die Reaktion des Publikums vermutlich, typisch slowenisch, genau umgekehrt ausgefallen. Bald darauf verschwindet auch Žiga, zurück bleibt nur eine Kiste mit CDs der Band, zum Verkauf bestimmt, und ein Hut, der an diesem Abend alle Nikoläuse erwartet hat.

Setlist

01. Ibržniki
02. Uvodna
03. Uspavanka Za Dnevno Rabo
04. Rože Noči
05. Himalaya – Predzadnja Pesem
06. Potepuh
07. Francoz
08. Repa
09. Regi (Ti Si Bila…)
10. Garača
11. Dva Vrana
—Zugabe—
12. Človeška Ribica

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