Casuistry

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Autor: Primož Novak

Künstler: Abiotic
Label: Metal Blade Records
Erscheinung: year_month
Laufzeit: 35:35
Bewertung: 4/5

2011 verpflichtete Metal Blade die ambitionierte Extreme-Band aus Miami, Abiotic. Die Promo-Texte redeten von technischem Death Metal, wie man ihn noch nie gehört hat, und so weiter. Die EP „A Universal Plague“ machte zwar solide Lust auf mehr, aber das Wesentliche zeigt sich immer erst auf einem Album. Oft ist gerade das Debüt das stärkste Album, das eine Band definiert. Doch leider war Abiotics Erstling „Symbiosis“ alles andere als ein Meisterwerk. OK, es handelte sich um eine Band mit bescheidenem Potenzial, die zwar interessante technische Ansätze hatte, aber am Ende zeigte sich, dass sie auf Klischees setzt – was sich im übermäßigen Einsatz von Breakdowns manifestierte. Wären sie die Ersten gewesen, die das gemacht hätten, würden sie heute wohl einen erheblich größeren Namen genießen.

Etwa drei Jahre nach Symbiosis war es Zeit für den Nachfolger. Die Band hatte inzwischen Sänger und Schlagzeuger ausgetauscht. Die Ankündigungen waren wie bei jedem Album vielversprechend. Echte Hoffnung keimte jedoch auf, als die Band bekannt gab, dass das Album vom sechsten Mitglied der progressiven Verrückten Between the Buried and Me, Jamie King, produziert wird – jemand mit unbestrittenen Referenzen, der alles andere als ein Anfänger ist. Abiotic hatten sich zuvor als talentierte Band präsentiert, die ihr Potenzial aber nicht richtig auszuschöpfen wusste. Jamie King erkannte dieses Potenzial offensichtlich und half der Band dabei, mehr aus sich herauszuholen, als bloß Breakdown an Breakdown zu reihen.

Abiotic klingen also nicht mehr wie eine generische Deathcore-Band, die außer virtuosen Soli nichts zu bieten hat. Die Deathcore-Elemente sind zwar noch da, fallen aber nicht mehr so stark ins Gewicht. Abiotic setzen diesmal stärker auf Geschwindigkeit, sodass man sie nun in eine Reihe mit diversen amerikanischen Technical-Death-Metal-Bands stellen kann. Die Originalität von Bands wie Fallujah oder Rivers of Nihil haben sie zwar nicht erreicht, aber der Fortschritt ist unverkennbar konkret. Die Songs sind nicht unnötig in die Länge gezogen, die Riffs sind dynamisch, das Schlagzeug angemessen schnell, die Basslinien stechen stellenweise deutlich hervor und sind nicht bloß Begleiter der Rhythmusgitarre, das Solospiel ist mehr als auf der Höhe, und die Vocals bedienen sich gemäß modernen Standards aus Growls und Screams. Das einzige Problem: Mit dem Stil, den die Band spielt, sind sie schlicht zu spät dran. Technische Death-Metal-Bands gibt es heute zuhauf, sodass Abiotic keine größere Hörerschaft erreichen werden, solange sie nichts Revolutionäres auf den Tisch legen.

Mit Casuistry haben Abiotic den richtigen Weg eingeschlagen. Die Band bestätigt in knapp 35 Minuten, dass sie gute Musiker sind, die Neues ausprobieren, statt nur Trends hinterherzulaufen. Casuistry ist ein guter Schritt nach vorne und lässt für künftige Alben einiges erhoffen.

Besetzung

Travis Bartosek – Gesang

John Matos – Gitarre

Matt Mendez – Gitarre

Brent Phillips – Schlagzeug

Alex Vazquez – Bass

Produktion

Jamie King

Tracklist

1. Believe The Unseen
2. Reanimated Destruction
3. Cast Into The Depths
4. Violent Scriptures
5. Nightmares Of Your Conception
6. The Absence Of Purity
7. Falling Into Obscurity
8. Molecular Rematerialization
9. Drain. Deface. Abolish.

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