California Breed
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: California Breed
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 51:43
Wertung: 4.5/5
Nach Black Country Communion reiten California Breed weiter. Die tiefe Schwärze bleibt erhalten und lebt weiter. In einem neuen musikalischen Körper. Glenn Hughes und Jason Bonham setzen ihren gemeinsamen Weg mit einem neuen Gitarristen fort! Dem 23-jährigen Andrew Watt. Beide könnten sein Vater sein, Hughes sogar sein Großvater. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Joe Bonamasso – einer Geschichte also, die nicht gerade mit einem schönen Ende endete, denn Hughes kochte vor Wut, als ihn sein Weggefährte plötzlich im Stich ließ mit der Begründung, seine Solokarriere habe für ihn Vorrang – wendete sich die Situation für Hughes und Bonham nach dem unvermeidlichen Zerfall von Black Country Communion schließlich doch noch zum Guten.
Vor einem Jahr fand sich Hughes auf einer Fotoausstellung von Julian Lennon in New York wieder. Julian Lennon, bekanntlich der Sohn des legendären Beatles John, stellte Hughes bei dieser Ausstellung ohne besondere Absicht und völlig zufällig Watt vor, der ebenfalls anwesend war, mit den Worten: »Den Typen musst du kennenlernen, er ist der fantastischste Gitarrist, den ich kenne!« Einige Tage später besuchte Andrew Watt Hughes bereits in seinem Haus in Hollywood und die beiden begannen mit einem »Probe-Jam«. Die Chemie stimmte sofort und auf Anhieb entstand der Song Chemical Rain.
Da Watt bei der Gestaltung seiner Gitarrenriffs stark von den Ansätzen Jimmy Pages (Led Zeppelin) inspiriert ist und weil der Apfel nicht weit vom Stamm fällt – die Rede ist von Jason Bonham, dem Sohn des legendären »Bonzo« (Led Zeppelin) –, klingen California Breed düster, schwarz und so roh wie möglich. All der Lärm und die Energie, die sich im Geiste eines rasenden Blues-Rock-Tornados durch das Album »California Breed« ungezügelt entladen, weisen nicht wenige Parallelen zu Led Zeppelin auf (Scars, Chemical Rain, das eröffnende The Way). Natürlich bei aller Lebendigkeit, die das Material widerspiegelt, eingespielt nach dem Prinzip eines Live-Studio-Jams. Man muss auch erwähnen, dass das Album eine spürbar moderne Klangkontur trägt sowie einige moderne kompositorische Mittel. Ein solch äußerst gelungener und ansprechender »Hybrid« des Albums ist zum Beispiel der Song Spit You Out, den man als frontalen Zusammenprall von Rolling Stones und den klassischen Queens of the Stone Age charakterisieren könnte. Die klangliche Unverfälschtheit und die große Organik dieses Albums vermag auch bei Grunge-Liebhabern nicht wenige Sympathien zu wecken (das abschließende Breathe)! Der Song Midnight Oil ruft im Refrain nach Parallelen zu den konzeptionellen Pionierleistungen sowohl von Grand Funk Railorad als auch The Rolling Stones. Ein außergewöhnlicher »musikalischer Kumulus«
»California Breed« ist ein Album, das von roher Schärfe überall auseinanderbirst und reißt. Die Rhythmussektion von Hughes und Bonham ist »gegroovt« und verdichtet, an den »Spitzen« funkoide ausgerichtet (was in Glenn Hughes‘ sonstigen künstlerischen Taten keine Überraschung und auch keine Unbekannte ist), ungezähmt lausbubenhaft und im Spiel buchstäblich unaufhaltsam. The Way, Sweet Tea, The Grey, Strong strotzen vor energetischem Orkan, wenn sie dröhnend in ihrer Rohheit hereinrollen! Das sind die Punkte betonter Energieeruptionen, die dieses hochoktanige, mit Blues- und Soul-Elementen unterlegte Album entfesselt. Jedenfalls ist auf dem gesamten Album die unverkennbare Black Country Communion-Haltung spürbar, weshalb Fans von B.C.C. es sehr schnell für sich beanspruchen werden!
Glenn Hughes bleibt in seinem Alter unglaublich. Je mehr Jahre er auf seine Schultern lädt, desto lausbubenhafter aufgedreht wird dieser Musiker. Für ihn gilt sowieso der Spruch, dass unter seiner weißen Haut eine schwarze Seele lebt. Er bleibt ein außergewöhnlicher Vokalakrobat, der mit unantastbarer vokaler Geschmeidigkeit und (noch immer= atemraubendem vokalen Spektrum alles zu erreichen vermag. Mit seiner Doktrin als Rock ’n‘ Roll-Vokalist hat Glenn Hughes im Rock-Universum neue Maßstäbe gesetzt, die bis heute unerreicht bleiben, wenn du nach einem Vokalisten suchst, der ihm auf die eine oder andere Weise in seinen Leistungen nahekommt. Auch auf »California Breed« bleibt Herr Glenn Hughes »the voice of rock ’n‘ roll« von Kopf bis Fuß. Hughes entfaltet nach wie vor außergewöhnliche Vokalstärke, die sofort mit ihrer Aufrichtigkeit bezaubert – vor allem aber verzaubert sie den Zuhörer gerade an den Stellen, die Raffinesse verlangen! Das gilt zum Beispiel für Invisible und All Falls Down. Hughes selbst ist einer der grundlegenden Melodiegeneratoren des Albums und sorgt mit seinem Gespür für die Gestaltung melodischer Vokallinien, zwischen denen er abrupt aus improvisatorischen Akrobatien herausspringt, dafür, dass man sich an der eindimensionalen Wucht der Gitarrenriffs über die 12 Songs des Albums nicht übersättigt.
Der saftige, »gegroovte«, optimal kontrastierte, lebendig brennende Sound des Albums, dem die außergewöhnliche Vokaldarbietung des einzigartigen Glenn Hughes das Kommando gibt, bringt ein Album auf den Markt, das ein durchaus würdiger Nachfolger der diskografischen Hinterlassenschaft von Black Country Communion ist, und California Breed füllen mit ihrer Präsenz glaubwürdig die Lücke, die durch den Zerfall von B.C.C. entstanden ist. Hughes und Bonham erleben in dieser Hinsicht eine neue künstlerische Geburt, eine neue konzeptionelle Blüte, denn der junge Andrew Watt ist frisch und beweishungrig, ausgestattet mit außergewöhnlichen Talenten, die ihm in die Wiege gelegt wurden. Mit 23 Jahren gilt dieser junge Meister der großen Gitarrenphrase sicherlich als weltweites Rock ’n‘ Roll-Phänomen, das in jeder einzelnen handwerklichen Gitarrentat des Albums »California Breed« zu gefallen weiß.
Ein Album, dem du dich einfach hingeben musst, damit seine ungezügelte »Konzert«-Vibration dich frei führen kann. So wie man das bei Glenn Hughes irgendwie schon gewohnt ist, nur mit dem Unterschied, dass der erfahrene Mann von Jahr zu Jahr in seinen Taten reifer und weiser wird und damit noch effektiver mit seiner gigantischen vokalen Charisma zu bezaubern vermag. »California Breed« ist also der Beginn einer weiteren wunderschönen, echten und makellosen Rock ’n‘ Roll-Geschichte, die alle begeistern wird, die nach ungezügelter, roher Rock-Energie suchen – ohne Schminke und ohne Studio-»Verschönerungsmittel«. Nur die Authentizität des Spiels »auf Anhieb«, mit der Kinetik des spontanen Abschaltens. Heiß serviert!
Besetzung
Glenn Hughes – Gesang, Bassgitarre
Jason Bonham – Schlagzeug
Andrew Watt – Gitarre
Produktion
Dave Cobb
Trackliste
1. The Way
2. Sweet Tea
3. Chemical Rain
4. Midnight Oil
5. All Falls Down
6. The Grey
7. Days They Come
8. Spit You Out
9. Strong
10. Invisible
11. Scars
12. Breathe