Bury Tomorrow „glänzten“ im Channel Zero (2014)
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik
Video: Primož Novak
Ort: Ljubljana / Channel Zero / Slowenien
Konzertdatum: 02.11.2014
Besucherzahl: 50
Kartenpreis: 18,00€ / 22,00€
Die herbstliche Konzertsaison läuft auf Hochtouren. Diesmal kamen auch die Fans von modernem Metalcore auf ihre Kosten, und zwar mit der englischen Band Bury Tomorrow, die mit jedem Album populärer wird. Zuletzt waren sie zusammen mit den schottischen Bleed From Within und den japanischen Crossfaith im Orto Bar aufgetreten, jetzt aber waren sie selbst der Hauptact. Auf der Tour begleitete sie die australische Band Houses Like Hands.
Wer bei einem Metalcore-Konzert erwartet, dass die Vorband stilistisch in etwa Bury Tomorrow ähnelt, kann sich gewaltig irren. Das Sextett Houses Like Hands war eine seltsame Mischung aus heutigen Alternative-Rock- und Post-Hardcore-Bands. Zeitweise wirkte es sogar so, als wolle die Band ein paar Elemente des Progressive Rock einfließen lassen, allerdings ziemlich erfolglos. Die Musik selbst war durchaus hörbar, wenn man die kitschigen Keyboards und den übermäßig süßlichen Gesang mal außer Acht lässt. Den Höhepunkt der Süßlichkeit erreichte die Band mit dem Song Torn, einer Cover-Version der australischen Sängerin Natalie Imbruglie. Damit bestätigte die Band, dass sie vielleicht besser auf einem Abiturball aufgehoben wäre – die Songs klangen nämlich wie Soundtracks für irgendeine amerikanische Romantikkomödie mit Adam Sandler und Jennifer Aniston in den Hauptrollen.
Bei Bury Tomorrow gab es natürlich eine komplette Genre-Wende. Die Band hat in den letzten Jahren viel Bekanntheit erlangt. Vor allem im heimischen Umfeld sind sie ohne Zweifel anerkannt, aber auch in anderen Regionen läuft es ihnen offensichtlich nicht schlecht – immerhin sind sie in einem mehr als ordentlichen Tourbus angereist.
Nach dem Publikumsecho zu urteilen hat Bury Tomorrow ihr Set mehr als überzeugend gespielt. An fetten Riffs mangelte es wirklich nicht, die Breakdowns waren nicht zu lang, und auch der Sound selbst war ausdrucksstark. Natürlich fehlten auch die eingängigen Refrains nicht, die vom Gitarristen beigesteuert wurden. Und genau da hakt die Sache, denn Bury Tomorrow bringen im Vergleich zu vielen heutigen Metalcore-Bands nichts Neues. Sie wirken durchschnittlich, ihre Songs sind vorhersehbar und simpel. Neben schönen Refrains gab es oft Riffs, wie sie auch Punk-Rock-Bands verwenden. Das ist zwar an sich nichts Schlechtes, aber die Band arbeitet ganz offensichtlich daran, durch Schlichtheit und gelegentliche Sanftheit ein größeres Publikum anzuziehen. Treue Anhänger hat die Band allemal. Auch bei diesem Konzert fehlten Moshpits, Rumgehüpfe und Circle Pits nicht. Das Zusammenspiel war dabei solide, schwächelte aber beim Leadgitarristen, der viele Melodien beisteuerte, leider aber kaum zu hören war. Mit drei Alben haben Bury Tomorrow mehr als genug bewiesen, dass die englische Metalcore-Szene der amerikanischen locker Konkurrenz machen kann. Aber um aus dem Mittelmaß der generischen Bands herauszustechen, werden sie noch viele Kilometer vor sich haben.
Channel Zero bekam mit Bury Tomorrow eine ordentliche Dosis heutigen Metalcores, der die melodische Seite betont. Nur die Vorband war fehl am Platz, aber heutzutage ist die merkwürdige Genre-Kombination auf Touren längst gängige Praxis.
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