Burning Rain: Face The Music
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 22.03.2019
Produktion: Doug Aldrich & Keith St. John
Albumlänge: 49.38 min
Genre: Hard Rock
Wertung: 9.0 / 10
Man kann es kaum glauben. Bei all den Verpflichtungen und dem vollgepackten Terminkalender! Burning Rain und ihr viertes Album. Die Band, die 1998 gegründet wurde, brachte sofort zwei Hard-Rock-Alben heraus: zunächst ihr gleichnamiges Debüt im Jahr 1990 und ein Jahr später das zweite, »Pleasure To Burn«, während für ein drittes, das bereits angekündigt war, zu wenig Zeit blieb – denn die beiden Hauptakteure der Band, Doug Aldrich und Keith St. John, wurden aufgrund ihrer außergewöhnlichen Qualitäten schnell von Acts mit deutlich höherem Renommee und Namen abgeworben. Aldrich ging zu Dio, St. John zu Montrose. Den Rest kennt man. Aldrich schoss wie ein Komet unter die brillantesten Gitarristen seiner Generation im (Blues-)Hard-Rock und schenkte auch den legendären Whitesnake einige Jahre als festes Mitglied; heute ist er, umgeben von lauter Assen seines Fachs, bei den berüchtigten The Dead Daisies und Revolution Saints tätig. Für Burning Rain bleibt so regelmäßig zu wenig oder fast gar keine Zeit. 2013 erschien das dritte Album, das stattliche »Epic Obsession«, doch die Frage, was aus der Band in Zukunft werden würde, blieb offen. Zum Glück erblickte nach sechs Jahren ein neues, vorzügliches Hard-Rock-Album das Licht der Welt, gewürzt mit all den Vorzügen, mit denen uns die Band schon auf den drei vorangegangenen Alben verwöhnt hat.
Die Erwartungen sind immer hoch, wenn der brillante Gitarrist Doug Aldrich und der nicht minder glanzvolle Sänger Keith St. John gemeinsam die Hauptrollen in einer Rock-’n‘-Roll-Geschichte übernehmen. »Face The Music« ist ein neues, vorzügliches Werk – ohne Zeitfresser. Kompakt, durchdringend und klar wie eine Träne, in echter Hard-Rock-Überzeugung geliefert, die sich gern an den Edelsteinen klassischer Blues-Rhetorik orientiert (sogar an Roots-Blues-Griffen), an Southern Rock, aber auch an einer ordentlichen Dosis episch-bombastischer, musikalischer Ansteckungsgefahr. Auch auf »Face The Music« spürt man die kernigen Einflüsse von Whitesnake (gleich das eröffnende Revolution, dann der Titeltrack des Albums, …) und Led Zeppelin. Zum Letzteren: Auch wenn St. John diesmal nicht so offensiv in Plants Höhen drängt, wie man es sonst gewohnt ist – wer sich Since I’m Loving You zu Gemüte führt, weiß, wer (bei Bedarf) einer der besten Plant-Klone auf dem Planeten ist. Ebenso könnte so mancher der Tracks eine ausgezeichnete Vorlage für die Eingängigkeit des Glam-Metal/Rock-Schminke abgeben.
Burning Rain haben für das neue Album die Besetzung aufgefrischt. Doug und Keith bleiben natürlich das feste Gerüst, während Bassist Sean McNabb (Dokken, House Of Lords, Great White, Quiet Riot,….) und Schlagzeuger Matt Starr (Mr. Big) durch Brad Lang (ex-Y&T) und Blas Elias (Slaughter) ersetzt wurden. Die Maschine läuft trotz des Umbaus noch immer, mahlt und gräbt mit voller Dampf weiter.
Burning Rain bleiben mit ihrem vierten Studioalbum eine Kreuzung aus dem im zweiten Absatz dieser Rezension Aufgezählten und damit eine Rock-’n‘-Roll-Geschichte der besonderen Art. Sie bewahren die Rhetorik der Revitalisten der goldenen Hard-Rock-Zeiten, von den legendären Gruppen der Rock-Pionierära unterscheiden sie sich jedoch durch das meilenweit erkennbare, (beständige) Plasma eines Elements außergewöhnlicher technischer Reife und geschliffener Virtuosität, von der die Autodidakten der legendären Bands der Siebziger nur träumen konnten. Doug Aldrich ist eine außergewöhnliche Kombination aus einem klassischen Blues-Rock-Gitarristen der Sechziger und teuflisch scharfer Virtuosität, die in ultrasonischen und atemberaubenden Exzessen des Solierens ihren Höhepunkt erreicht und mit der er immer wieder aufs Neue verblüfft. St. John „imitiert“ diesmal Robert Plant nicht so theatralisch, hält sich aber öfter in mittleren Lagen auf, in denen er bei Bedarf auch eine außerordentlich saftige Rauchigkeit entwickelt, die er seinem ohnehin explosiven und autoritären Gesang beimischt. Offensichtlich ist die Chemie zwischen beiden Musikern nie erloschen, und das verkörpert auch das neue Album, das voller außerordentlich charismatischer Lösungen in der Darbietung der Leitmotive und der Schaffung außerordentlicher kompositorischer Kompaktheit ist. Diese Phrasen schöpfen ihre Inspiration aus längst vergangenen Tagen, als Hard Rock noch jung war, und präsentieren sich heute in neuem Gewand wie frische, knusprige Brötchen. Man weiß, dass dieser Trick immer wieder schon einmal „verkauft“ wurde – doch er wird mit einer solchen Durchdringungskraft und Überzeugungsstärke serviert, dass man ihm einfach nicht widerstehen kann.
»Face the Music« knüpft mühelos an die ersten drei Alben an und bewahrt die gesamte Klasse des Quartetts, das angesichts hoher Erwartungen also genau das geliefert hat, was es musste! Ein in jeder Hinsicht außerordentlich starkes Werk, von höchster Hard-Rock-Energie, voll von Nostalgiewellen und virtuosen Wonnen eines sinnlichen, in seinen Leidenschaften stets aufwallenden Quartetts. Wir warten also weiterhin gespannt auf die Termine der europäischen Konzerttournee!
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Revolution
2. Lorelei
3. Nasty Hustle
4. Midnight Train
5. Shelter
6. Face The Music
7. Beautiful Road
8. Hit And Run
9. If It’s Love
10. Hideaway
11. Since I’m Loving You
Besetzung:
Keith St. John – Gesang
Doug Aldrich – Gitarre
Brad Lang – Bass
Blas Elias – Schlagzeug
