BROs „Smooth-en“ im Channel Zero (2013)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Channel Zero (Metelkova) / Slowenien
Konzertdatum: 28.02.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 5,00€ / 7,00€ (mit dem Album "Smoods")

Im Channel Zero hat Mate Brodar sein zweites Studioalbum auf den Weg gebracht – eine Hälfte von Da Phenomena, im musikalischen Sologang bekannt unter dem Projekt BRO und dem Album namens »Smoods«. Mate Brodar ist ein angesehener Musiker. Er hat sich bei Magnifico eingespielt, und ihm wurde die große Ehre zuteil, Teil des Begleit-Teams von Sestre zu sein, die Slowenien beim Eurovision Song Contest in Tallinn vertraten.

Mate ist ein schelmischer Typ, voller positiver Vibrationen und mit einem eingebauten Gespür für den stets guten »Gag«. Ein klarer Kopf, in dem es ununterbrochen auf erfrischende Weise »funkt«. Und in kreativer und künstlerischer Hinsicht versteht Mate diese Tugend auch meisterhaft einzusetzen. Denn es handelt sich um einen Musiker mit einem außergewöhnlichen, in die Wiege gelegten Gespür für Klang- und Arrangierästhetik.

Es gab kaum Werbung dafür, dass beim Projekt BRO überhaupt etwas weitergeht – dem Projekt, das im Jahr 2009 seinen Studio-Erstling »Serious Reggae Deviations« herausbrachte – RockLine-Rezension HIER. Dieses Album, falls sich noch jemand daran erinnert, erschien zusammen mit einer der letzten Ausgaben des inzwischen schon verstorbenen RSQ Magazins und überraschte mit seiner Qualität auf durchaus angenehme Weise.

Im kleinen Club Channel Zero versammelte sich an diesem Abend eine Schar der renommiertesten slowenischen Musiker, mit denen BRO auf die eine oder andere Weise musikalisch zusammenarbeitet bzw. mit denen er irgendwie »brüderlich« verbunden ist – kurzum eine Schar von Verbündeten und Freunden sowie natürlich ein laienkundiges, aber nach musikalischen Leckerbissen hungerndes Publikum.

Saxophonist Bojan Zupančič (Xequtifz), Hip-Hopper Trkaj sowie die Sängerinnen Polona Leben und Mojca Zalar (Spleen, Obduction) kamen abwechselnd auf die Bühne, um sich Brodar und seiner Crew bei der Aufführung einzelner Songs des Repertoires anzuschließen – das größtenteils eine Mischung aus der neuen Platte »Smoods« und dem Vorgänger »Serious Reggae Deviations« war. Am schlechtesten kam bei den Bühneninterpretationen ausgerechnet der Interessanteste der Genannten weg – Trkaj. Aber nicht durch eigene Schuld. Er war in der Klangkulisse von BROs Adaption von Siddharts »Lunanai« (»Light In My Eyes«) viel zu leise eingestellt. Wie man es auch dreht und wendet: An der Studioversion des Songs wird klar, warum Trkaj ein unverzichtbares Würzmittel darin ist. Polona Leben sang Duette zum Song »Rasta«, Bojan Zupančič steuerte Saxophon zum Song »Bass In The Face« bei, Mojca Zalar sprang beim Song »All I Want« und bei der ausgezeichneten Bearbeitung von »Nights Of Highstonia« der Superstars Muse ein.

Mate hat um sich ein Begleitgerüst in der Besetzung der Siti Hlapci aufgebaut. Beno Soršak (Gitarre), Samo Pečar (Bassgitarre) und Matej Horvat (Schlagzeug) haben unter BROs Kommando souverän die eigentümliche Musikmischung bewältigt, die unter einem gemeinsamen Nenner Elemente von Drum’n’Bass, Dub, Jazz und sogar Swing vereint, sich aber am liebsten in den rhythmischen Grundlagen der Reggae-Musik aufhält. BROs jungenhafter Gesang hingegen gravitiert souverän zu dieser Klanglandschaft. Der Typ mit dem außerordentlich feinen Gehör hat an alles gedacht. »Apple« ist die Antwort. Das Unterlegen der Klangkulisse mit Matrizen programmatischer Muster, die ihren Eindruck vor allem in den Übergangsteilen einzelner Songs hinterlassen, ist eine notwendige Füllung dieses musikalischen Ausdrucksvokabulars.

Im oft verträumten »Groove«-Vakuum findet sich enormer Platz für Improvisation. Den hat im Hintergrund der Begleitung, die Brodars Charisma die Kulisse schuf, mit der außerordentlich weichen und geschmeidigen Klangwärme seiner Bassgitarre am besten Samo Pečar genutzt. Nun, und jetzt kommt der zweite Teil des Absatzes, der einen leicht negativen Nachklang mitbringt. Ein Ibanez hat in diesem musikalischen Stil nichts verloren. Man musste bis zu Muses Cover warten, damit er seinen Sinn fand. Eine gute oldschool Telecaster in die Hände – und das Begleitbild wird in Zukunft noch schöner. Der RGX Ibanez generiert einfach einen zu scharfen Sound, während BROs Fender Stratocaster durch das Repertoire des Auftritts wunderschön in sattem Wohlklang geschnurrt hat.

Ein Abend, an dem Mate Brodar unter anderem symbolisch ankündigte, dass Da Phenomena ins Leben zurückkehren (während seiner Ansprache reichte ihm Da Phenomena-Kumpel Dagi aus dem Publikum eine Dose Union), und andeutete, dass am 1.3.2013 eine neue Single des Duos mit dem Titel »Nov Dan« erscheint (das neue Album ist für diesen Herbst angekündigt). Das unterstrich auch die Aufführung des Da Phenomena-Hits »Nočem te nazaj« in einer strikt auf Reggae ausgelegten Adaption (bereits in der ersten Konzerthälfte spielte die Band auch eine Adaption des Da Phenomena-Songs »Iznad neba«). Ein Event, das kurz nach elf Uhr abends begann, hielt die Anwesenden die ganze Zeit über mit positiven Vibrationen aufgeladen, und dem freien Lauf des Spaßes war kein Ende in Sicht. Mate Brodar unterlegte das Ereignis in seiner gewohnten Manier mit einer feurigen Prise Sarkasmus. Tolles Spiel, toller Musikabend. Es war einer jener allgemein vermissten Momente, der einem hilft, die Mühen der Realität zu vergessen, die der Alltag so einfordert. »Smoods«, willkommen unter uns!

Setlist

1. Rub It In
2. Lunanai
3. Rasta
4. Runaway
5. Iznad neba
6. Bass In The Face
7. Them Belly Full / So Much Trouble (Bob Marley Mix)
8. Sanis
9. All I Want
10. Universe
11. Nights Of Highstonia
12. Ruff Respect
13. Nočem te nazaj
14. Bag Of Weed
15. Supraspring
16. Loodown Stealah
17. Masta Blasta Jammin‘

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