Brkovi belebten den Down Town in Kranj (2016)
Autor: Primož Novak
Ort: Kranj / Down Town / Slowenien
Konzertdatum: 07.07.2016
Kartenpreis: 10€/13€
Kroatien bietet seit geraumer Zeit interessante Bands, was Punk betrifft. Einer der bekanntesten Namen ist natürlich Hladno pivo. Zu den bekannten zählen auch Debeli Precjednik, und noch so einiges mehr ließe sich finden. In den letzten Jahren gehören Brkovi zu den meistbeachteten Bands – sie haben in ihrer Karriere 5 Alben veröffentlicht und Slowenien in dieser Zeit gleich mehrmals besucht.
Die Band hat dieses Jahr das Album Torzo Dade Topića herausgebracht und bewirbt es ausgiebig in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Das Promotionkonzert in Zagreb dauerte ganze zweieinhalb Stunden, was für eine Punkband definitiv ungewöhnlich ist.
Brkovi haben Kranj schon mehrmals besucht, diesmal machten sie im Rahmen der achten Ausgabe des SubArt-Festivals Halt. Der Auftritt der Band fand auf einer kleinen Bühne vor der bekannten Rockbar Down Town statt. Anfangs schien es, als würde die kleine Bühne die Band nicht gerade zu einem längeren Auftritt begeistern. Aber Brkovi absolvieren zum Glück nicht einfach ein Routinekonzert, kassieren und verschwinden. Gegen neun betrat als Erster der Schlagzeuger die Bühne, gefolgt von den Gitarristen – die Strumpfhosen trugen –, dem Bassisten in kurzen Jeans-Shorts und einem sehr kurzen Matrosenoberteil sowie dem Sänger Shamso, der aussah, als wäre er gerade von der Truppe von The Village People geflohen. Brkovi zeigten also schon vor dem eigentlichen Beginn mit ihren Outfits, dass ihrer Verrücktheit keine Grenzen gesetzt sind.
In der ersten Hälfte stellte die Band das neue Album Torzo Dade Topića nahezu vollständig vor und prüfte damit gleich, wie gut es bisher ankam. Die vorderen Reihen unterstützten die Band bei den schnellen Songs – prall gefüllt mit witzigen, eingängigen und einfachen Melodien sowie Metal-Einlagen – sogar mit einem Moshpit. Brkovi halten sich nicht nur an einen Stil. Besonders hervor stechen die schwungvollen Passagen, in denen Shamso seine Gesangskünste unter Beweis stellt. Mit Vocals im Stil balkanischer Volksmusik werden Brkovi zum Unikat. Gleichzeitig erreicht der Humor der Band dabei seinen Höhepunkt – doch um die »Volkslieder« mitzusingen, braucht man schon einiges an Wissen, sodass man Brkovi nicht einfach als noch eine »Spaßband« abtun kann. Zwischendurch sorgte Shamso auch dafür, dass bestimmte Besucher in der ersten Reihe den Mund hielten, die das ganze Konzert mit dem Handy abfotografierten – mit dem Hinweis, das Konzert sei schließlich nicht nur für sein Handy da.
Im zweiten Teil boten Brkovi eine Auswahl ihrer bekanntesten Songs. Beim neuen Album, das sie fast vollständig gespielt hatten, stellten sie fest, dass es solide angekommen war – doch die Reaktionen auf die älteren Songs waren deutlich besser. Brkovi lieferten verrückte Punksongs wie Nisam ja za tebe, Pizda materina, Balkan star, Samo pijan mogu, Tolerancija, Bolje da sam s frendovima pio rujno vino, Cvjetalo je meni cvijeće, Nevjernica, Nije život cvjetno polje und viele weitere. Bei so manchem Song lieferte Shamso auch eine kurze Beschreibung des Stücks, bei der vor allem seine Kritik an bestimmten Themen zum Ausdruck kam. Er konnte die Liebe ansprechen oder auch Chefs, die im eigenen Unternehmen alle Familienmitglieder anstellen – mit Ausnahme der Katze. Und vor allem fehlte es auch nicht an Kraftausdrücken. Dass die Band keine Grenzen kennt, bewies sie auch durch Alkohol-Trinken auf der Bühne. Dabei stach Shamso besonders hervor, der mehrfach zum Whiskey griff, den er auf der Bühne hatte. Nach mehr als eineinhalb Stunden verabschiedete sich die Band kurz, um dann zum Abschluss noch drei Songs draufzulegen. Den Schluss machte wohl ihr bekanntester Song Kurvo prokleta.
Brkovi haben mit ihrem überdurchschnittlich langen Repertoire bewiesen, dass es ihnen ein Vergnügen ist, auch auf kleineren Bühnen zu spielen. Auf jeden Fall handelt es sich um eine ziemlich originelle Band, angesichts der Tatsache, dass man im Punk nicht allzu viel Neues erfinden kann.
Fotos: Klemen Udovč
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