British Lion: The Burning

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Plattenfirma: Parlophone
Veröffentlichungsdatum: 17.01.2020
Albumlänge: 60.16 min
Produktion: Steve Harris
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 6.5 / 10


Wer das Debüt des British Lion-Projekts kennt – das Iron Maiden-Bassist Steve Harris schon in der ersten Hälfte der Neunziger ins Leben rufen wollte, das dann aber erst 2012 erschien –, hat sich vielleicht schon reinen Wein eingeschenkt, denn das Album hinterließ gemischte Gefühle, nicht zuletzt wegen des löchrigen Gesangs. Entsprechend hoch waren die Erwartungen ans neue Album von vornherein nicht.

Und tatsächlich wurden diese Erwartungen von dem, was der Nachfolger The Burning bietet, in keiner Weise enttäuscht. British Lion schreiben Musik, die sicher allen glühenden Iron Maiden-Fans gefallen wird – nicht aber zwangsläufig jenen, die sich zwar zu den Iron Maiden-Liebhabern zählen, für die Band aber nicht gerade einen Bohrer ins Knie setzen würden, weil sie die Musik der Gruppe auch kritisch beurteilen können, wenn’s nötig ist.

Es ist schön zu sehen, wie Harris in reifen Jahren voller brennendem Ehrgeiz und kreativer Energie steckt und wie er schafft, anstatt sich zwischen den beiden Teilen der »Legacy Of the Beast«-Tour eine Auszeit zu gönnen. Auch diese Zeit nutzte er lieber für die Aufnahme und Veröffentlichung des neuen British Lion-Albums. Das neue Material umfasst rund eine Stunde Spielzeit und bewegt sich auf den Pfaden des Heavy Rock der Siebziger sowie des Iron Maiden-Songwriting-Stils. Songs wie Spit Fire oder der Titeltrack hätten auf jedem beliebigen Maiden-Album nach der Jahrtausendwende erscheinen können.

Also. Dreistimmige Harmonien, die sich über klassisches Metal-Phrasieren bis hin zu Heavy-Rock-»Lockerheit« spannen, klassische Mid-Eight-Passagen mit aufgeteilten Soli beider Gitarristen. Die Ausführung ist sehr gut, die Songs auf Grundlage unglaublich langer Erfahrung und Routine komponiert und klingen dementsprechend ziemlich routiniert – wobei sie als Kompositionen keinerlei Aussetzer erlauben. Die Produktion orientiert sich in weiten Teilen ebenfalls an den Iron Maiden-Alben, und da hast du’s sicher schon selbst erraten: Aus dem Klangbild sticht Harris‘ Bass deutlich heraus, wobei British Lion insgesamt deutlich weicher klingt als Iron Maiden.

Das Problem ist wieder Richie Taylor: Sein Gesang klingt schon beim Opener Citiy Of Fallen Angels eher nach »tribute to U2« als nach Heavy-Metal-Band. Die melodischen Linien, die er wählt, sind sehr gelungen und tragen Potenzial in sich, das die Songs bis zu einem bombastischen Crescendo in den Refrains treiben könnte. The Burning würde zum Beispiel perfekt zünden, wenn sie – sagen wir – Dickinson singen würde. Taylor ist schlicht ein zu schwacher Sänger, und das muss man sich eingestehen. Besser wäre er in einer Alternative-Rock-Band aufgehoben, wenn er so gerne singt – doch hier tritt die alte Freundschaft in den Vordergrund, die alles zusammenhält und Taylor in der Band schützt wie ein Eishockeyteam seinen Torhüter. Die Songs tragen also schönes Potenzial in sich, aber Taylors »Maunzen« kann sie einfach nicht dorthin tragen, wohin ein entschieden autoritärer und explosiv melodischer Gesang sie bringen würde. Leider erreicht Taylor schlicht nicht die Gesangsstandards, die die meisten heute genreverwandten Bands haben – und das ist der ausschlaggebende Punkt dafür, dass British Lion bei anspruchsvolleren Liebhabern des klassischen Heavy Metal, die neben allem anderen selbstverständlich auch Iron Maiden hören, nie besondere Beliebtheit oder großes Interesse wecken werden. Nur bei den eingefleischtesten Iron Maiden-Fanatikern. Vielleicht ist das auch gar nicht der eigentliche Zweck des Projekts.

Kurzum. Es gibt weltweit zu viel Musik, die besser ist als das, was British Lion auf beiden Alben veröffentlicht hat. Sie wurde erschaffen, wird erschaffen und wird noch erschaffen werden. Das Fazit bleibt also dasselbe wie beim Debüt. Es lohnt sich, reinzuhören – was danach passiert, entscheiden ausschließlich deine und nur deine eigenen Kriterien.

Autor: Aleš Podbrežnik


British Lion – The Burning (offizielles Video)
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