Boštjan Narat „live“ aus dem Studio 14 (2012)

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Ort: Ljubljana / RTV Slovenija (Studio 14) / Slowenien
Datum: Samstag, 13.10.2012


Wenn jemand von der allgemeinen slowenischen Apathie in diesem trübsinnigen Herbstoktober des Jahres 2012 abweicht, dann ist es zweifellos der scharfsinnige slowenische Liedermacher und unverbesserliche Intellektuelle Boštjan Narat! Boštjan Narat kennen viele auch als großen Kosmopoliten – wozu unter anderem seine Rollen als Ideengeber der Gruppe Katalena, als Dozent, als Moderator der Sendung Panoptikum gehören, … Die Inspiration steht für Narat voll im Brennpunkt! Und das in einem Jahr, in dem alle jammern und klagen! Nun, sein frisch erschienenes Studioalbum »Konec sveta vedno pride nenapovedano« könnte den Zustand, in dem sich der kleine Mann in der heutigen Evolution der zivilisierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts befindet, kaum besser zusammenfassen! Der mit schwarzem Humor durch und durch gespickte Poet ist mit seinem Begleitteam angereist, das auch am zweiten Studioalbum mitgewirkt hat. Willkommen also in den famosen „Proberäumen“ der Big Band von RTV Slovenija.

Solider Besuch, der den Raum aber nicht vollständig füllte! Um acht Uhr stellt Redakteur Jane Veber den Anwesenden Boštjan Narat in einem kurzen introspektiven Gespräch vor. Das bewährte Protokoll, nach dem solche Veranstaltungen im Studio 14 ablaufen. Nachdem der Liedermacher das kurze „Verhör“ überstanden hatte, ließ er sich auf einen Barhocker nieder und fing erwartungsgemäß an, die Gitarrensaiten zu bearbeiten – und eröffnete so den anderthalbstündigen Konzertabend mit einem Stück vom Erstlingswerk »Strah je odveč« (2010), nämlich Ženske, ki ljubijo pse. Die intime Atmosphäre, in der die Bühne fast so groß ist wie der restliche Zuschauerraum mit Sitzplätzen, kommt Narats Ansatz mehr als gelegen. In einem solchen musikalischen Umfeld ist kein Platz für Oberflächlichkeit. Noch mehr: kein Platz für mangelndes Einfühlungsvermögen. Während des ersten Stücks spürte man, dass Boštjan den Kontakt zum Publikum suchte, er beobachtete die ersten Reaktionen der Zuhörer – schlimm wäre es gewesen, wenn jemand zufällig weggedämmert wäre. Doch diesmal war das nicht möglich, denn es handelte sich um große Unterstützer des Liedermachers, vor allem aus dem Kreis von Freunden und ausgesuchten Besuchern, die diese Musik und Poesie ganz besonders anspricht.  Als das Begleitteam dazustieß, hob das Konzert rasch auf ein höheres Niveau ab. In völlig entspannter Manier.

Das frische Studioalbum »Konec sveta vedno pride nenapovedano« spielte der Kerl kurzerhand in voller Länge. Kurz vor dem Stück »Tisti, ki zna in ona ki ve« gesellten sich für diesen Bühneneinsatz zu Boštjan: Matevž Kolenc (Arrangements, E-Gitarre, Bassgitarre, Soundeffekte) – er übernahm für dieses Stück das Xylophon –, außerdem Narats langjährige Weggefährtin in der Gruppe Katalena Polona Janežič (Keyboards), Jelena Ždrale (Viola) und Blaž Celarec (Schlagzeug, Perkussion, Klarinette). Ein eingespieltes und gut aufeinander abgestimmtes Begleitteam, mit dem Narat auch auf den Bühnen des Kino Šiška aufgetreten ist, als er Mitte Mai sein neues Studioalbum lancierte.

Narats Poesie erstrahlte so erneut in vollem Glanz, vor einer vollkommen organischen Klangkulisse, durch die sich ein einfühlsames, echtes, aufrichtiges Bekenntnis funkelte – getragen von Boštjan Narats ungeahntem musikalischen Talent. Den Zuhörern lief es mehrfach gehörig kalt den Rücken runter ob des gesamten realistischen Sarkasmuses, nennen wir es Narats ureigenen schwarzen Humor, vor allem als Egon oder am Ende Romeo julija erklangen. Das Stück Jutra spielte Narat diesmal ohne Duett mit Mina Špiler. Diesem wunderschönen, feinfühligen Stück folgte das nicht weniger feinfühlige »Zdi se«, und in die Kategorie solcher Konzentmomente gehört zweifellos auch die wunderschöne Melodie des jazzunterfütterten »Tistim, ki ne vedo«. Hier funkelt jene sensible, raffinierte Seite von Narats Interpretation, die den Zuhörer höchst wirkungsvoll in das reiche, von einem Gespür für die Realität durchdrungene Atmosphärenpanorama zieht.

In diese zerbrechlichen, feinfühlig betonten Momente mischten sich düstere und fast unheimliche Nummern wie Režem ovinke, Konec sveta vedno pride nenapovedano  und das große abschließende Rondo mit Kako končati to pesem?, bei dem Narat beim rasanten Aneinanderreihen der Wörter in den Versen ordentlich ins Schnaufen kam. Im Stil realistischer Interpretation war es also kein Problem, das Publikum restlos in den Bann zu ziehen. Mission erfüllt!

Vor der Aufführung des Stücks »Če padeš po tleh« erfuhren wir, dass Boštjans Chemielehrer ein echter „die hard“-Fan seiner Stimme war und ihn so lange bedrängte, doch Radiosprecher zu werden, bis Narat das tatsächlich in die Tat umsetzte – beim „Vorsprechen“ soll er aber angeblich auf die Nase gefallen sein. Wer glaubt heutzutage noch, dass ausgerechnet der Besitzer einer charmanten Stimme einen solchen Job bekommt? Klar ist, dass dort nur Beziehungen und Connections zählen. Das war aber nicht das einzige amüsante Geständnis, das Narat an diesem Abend mit uns teilte. Wir lernten auch, was ein frustriertes System ist. Mit Boštjan Narat wird es nie langweilig. Vielleicht hat ihm bis heute schon jemand angedeutet, dass er sich auch als Stand-up-Comedian hervorragend machen würde!

Ein weiterer einzigartiger Musikabend in der Gesellschaft von Narat und seinen Kollegen, der dich in einen Zustand versetzt, in dem du nach dem Konzert noch eine gute Weile unter dem starken Eindruck des Erlebten stehst, fand blitzartig seinen Abschluss. Hoffen wir, dass der Liedermacher die Inspiration, mit der er derzeit im vollen Galopp auf der riesigen Welle der Kreativität reitet, auch in Zukunft beibehält – und dass sich die Ideen für ein neues Studioalbum bereits formen.

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist:
1. Ženske, ki ljubijo pse
2. Tisti, ki zna in ona, ki ve
3. Egon
4. Režem ovinke
5. Tistim, ki ne vedo
6. Konec sveta vedno pride nenapovedano
7. Dvajset let
8. Jutra
9. Zdi se
10. Če padeš na glavo
11. Star mož
12. Strah je odveč
13. Kako končati to pesem?
14. Romeo julija
—-Zugabe—
15. The One I Love


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