Black Swan: Shake The World
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 14.02.2020
Produktion: Jeff Pilson
Albumlänge: 57.08 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 9.5 / 10
Black Swan ist wieder so ein „Ventil“ für Musiker, die zu den Stammbesetzungen weltbekannter Bands gehören, ihre goldenen Zeiten in den Achtzigern oder an der Wende zu den Neunzigern erlebt haben und heute noch aktiv sind – getragen von den Schwingen alter Glorie. Black Swan vereint nämlich vier außergewöhnliche Musiker unter einem Dach: Sänger Robin McAuley (McAuley Schenker Group), Bassist Jeff Pilson (ex-Dio, ex-Dokken, Foreigner), Supergitarrist Reb Beach (Winger, Whitesnake) und Schlagzeuger Matt Starr (Mr. Big, Ace Frehley).
Solche Zusammenschlüsse sind grundsätzlich eine willkommene Sache – wenn sie denn zünden. Dann hat so eine Formation nämlich eine ganz eigene musikalische Ausstrahlung in der Hand, einen gewissen Erfahrungsausweis, und wenn nichts anderes, dann wenigstens den untrüglichen Ruf nach Nostalgie für eine Zeit, in der die goldenen Jahre des Rock’n’Roll Schlag auf Schlag kamen und deren Erinnerung immer schön bleibt. Black Swan haben auf ihrem Debüt »Shake The World« beides.
Was einem sofort ins Ohr sticht, ist die unglaubliche Frische des schottischen Sängers Robin McAuley: Im Vergleich mit den Studioaufnahmen aus den Achtzigern, als er mit Schenker zusammenarbeitete, glänzt er geradezu, denn seine Stimme ist nach wie vor potent, durchdringend und dominant. Er überwindet locker alle Linien – die hohen, die allerhöchsten. Dazu legt er diese unverkennbare Rauheit drauf, die typisch für ihn ist. Dann sind da noch drei hervorragende Musiker, echte Meister ihres Fachs – eine Garantie für stets außergewöhnliche Ausführung im Hard-Rock-Bereich. Die Frage ist nur, wie viel Inspiration sie beim Schreiben des Materials für das Debüt »Shake The World« mit ins Studio gebracht haben. Beschränkt man sich allein auf Reb Beach, wirkt seine Gitarre in Phrasierung und Soloparts auf dem Black Swan-Debüt deutlich Winger-esker, was zu erwarten war, da Winger schließlich seine Stammband ist. Dieser außergewöhnliche Gitarrist demonstriert über das Album hinweg erneut einige unglaubliche Eskapaden atemberaubend-klanglich-irrer Virtuosität, in der er sein klanglich-expressives Unikat weiterentwickelt, das unangetastet bleibt. Beach strahlt und leuchtet buchstäblich über dieses Album hinweg – nicht nur in den Mid-Eight-Passagen, er schmückt auch Übergangsteile und Hauptriffs mit außerordentlichem Geschick. Er bewahrt eine außergewöhnliche Geistreichigkeit und Funkensprühigkeit, und die Songs gewinnen dadurch an enormer Dynamik und Lebendigkeit. Jeff Pilson ist vor allem als Arrangeur, Produzent und Komponist wichtig, und in dieser Rolle hat er sich als unverzichtbares Element erwiesen, das Black Swan von der Idee der Labelbosse von Frontiers Music Srl. in glaubwürdiger, überzeugender Weise bis zur Realisation geführt hat. Sein Bass liefert auf den Tracks durchgehend ein kontrastierendes klangliches und atmosphärisches Gegengewicht zu Beachs Phrasierung – er schneidet wie armierter Stahl durch Beton, wenn er dieses scheppernde Klirren entwickelt. Die Band entwickelt auch eine ausgesprochen funky Groove-Kinetik, wie man sie in den kokettierten Rhythmen von She’s On To Us oder Big Disaster erleben kann. Kein Geheimnis ist, dass in den Kompositionen subtil und prägnant ein Blues-Element verankert ist. The Rock That Rolled Away liefert, wie der Songtitel schon sagt, Rock’n’Roll-Drive und spricht in den Texten augenzwinkernd zum Hörer.
Über 57 Minuten Musik. Fans klassischen Hard Rocks werden begeistert sein. Sie sind keine Winger, keine Dokken, keine Foreigner (obwohl Sacred Place ein Anwärter für einen „verlorenen Foreigner-Klassiker“ ist) und keine MSG, sondern ihre eigene Geschichte – und genau deswegen werden sich auch alle Fans der eben genannten Bands um sie scharen. McAuley singt, als wollte er das Mikro sprengen und als käme morgen das Ende der Welt. Die Refrains entwickeln einen atmosphärischen Crescendo, überhaupt graben sich Tracks wie Make It There, Immortal Soul oder das einleitende Shake The World (die Gesangsmelodie trägt etwas von Dio-Charisma) mit ihrer refrainseitigen Eingängigkeit sofort ins Ohr. Black Swan entfalten ziemlich viel Pomp, können aber auch mit einem eher düsterem Theater der Ereignisse aufwarten (Johnny Came Marching). Das Album hält den Hörer in höchster, theatralischer Spannung, die Tracks sind produktionstechnisch und spielerisch außergewöhnlich präzise geschliffen. Der Refrain von Unless We Change und die Mid-Eight-Passage liefern eine leichte kompositorische Abweichung auf dem Album, denn der Song wirkt leicht Queenesk – und diese Abweichung ist sehr willkommen. Lustigerweise klingt der abschließende Track Divided/United noch mehr nach Queen, und mit ihm schließt das ausgezeichnete »Shake The World« auf besonders feierliche Weise.
Black Swan haben ein erstklassiges Album abgeliefert. Ein erstklassiges Debüt, das, wie sein Titel andeutet, die Welt ordentlich erschüttert. Das Album ist genau das, was nur alte, erfahrene Hasen zaubern und liefern können, die den Hard Rock der Achtziger in- und auswendig geatmet haben. Ein ungemein nostalgisches Album, mit dem Black Swan sofortigen kommerziellen Erfolg gehabt hätten, wäre es in den Achtzigern erschienen. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der es entstanden ist, ist es schlicht erstaunlich, wie viel Inspiration und ideelle Funkensprühigkeit es liefert. Eine starke Sache!
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Shake The World
2. Big Disaster
3. Johnny Came Marching
4. Immortal Souls
5. Make It There
6. She’s On To Us
7. The Rock That Rolled Away
8. Long Road To Nowhere
9. Sacred Place
10. Unless We Change
11. Divided/United
Besetzung:
Robin McAuley – Gesang, Hintergrundgesang
Reb Beach – Gitarre, Hintergrundgesang
Jeff Pilson – Bassgitarre, Akustikgitarre, Keyboards, Hintergrundgesang
Matt Starr – Schlagzeug, Perkussion
