Awakening

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Phenomena
Label: Escape Music
Erschienen: 2012
Laufzeit: 44:05
Bewertung: 3/5

Das Projekt Phenomena sorgt stets für Gesprächsstoff. Überhaupt ist es interessant, dass das Projekt stets unter Nennung von Tom Galley als seinem Schöpfer präsentiert wird. Die Frage ist, angesichts der zahlreichen erstklassigen Musiker, die an diesem Projekt beteiligt sind, ob  Tom Galley überhaupt noch den Großteil der Ideen für die Alben beisteuert. In den Pressetexten der letzten beiden Alben wird er nämlich stets nur als Ko-Produzent zusammen mit dem schwedischen Workaholic Martin Kronlund (Gypsy Rose) angeführt. Wahrscheinlich ist es so, dass andere ihm den gesamten Kern der Songs schreiben, er selbst aber das grüne Licht für diejenigen gibt, die es tatsächlich auf das Album schaffen.

Wie man es auch dreht und wendet, das spielt keine wichtige Rolle, wenn wir uns auf den Inhalt der Werke konzentrieren, die unter dem Namen Phenomena erschienen sind. »Psyhcofantasy« aus dem Jahr 2006 hat die drei ausgezeichneten Werke des Projekts aus den Achtzigern mehr als gelungen in einen neuen Kontext gesetzt, »Blind Faith« (2010) lieferte eine inspirierende Fortsetzung. Das neue Album »Awakening« hingegen serviert leider nicht die gleiche überzeugende kompositorisch-arrangierende Kraft wie seine beiden Vorgänger, geschweige denn die klassischen Phenomena-Alben.

»Awakening« erblickte das Licht der Welt gerade einmal anderthalb Jahre nach dem Erscheinen seines Vorgängers »Blind Faith«. Wieder tummelt sich darauf ein ganzes Bataillon fantastischer Sänger. Einige von ihnen hat Galley noch vom vorherigen »Blind Faith« auf das neue Album mitgenommen, nämlich: Rob Moratti (Final Frontier, Saga), Ralf Scheppers (Primal Fear), Terry Brock (Giant, Strangeways), Mike DiMeo (The Lizzads, Masterplan, Riot). Die großartige Robin Beck war auf diesem Album nicht dabei, dafür hat Galley aber ihren Mann James Christian (House Of Lords) eingeladen, der mit seiner Stimme irgendwie die diesmalige Abwesenheit von Chris Oussey (Heartland) kompensiert, teilweise auch die von Tony Martin (Black Sabbath, Mollo/Martin). Lee Small (Shy, Surveillance) bringt in den Songs Smash It Up und How Long jenes Quäntchen »Hughes’scher Soul-Akrobatik« ein (diese Rolle hat auf dem vorherigen Album FM-Sänger Steve Overland mehr als ausgezeichnet erfüllt).

Das Album, das in der Gesamtbilanz nicht mit der Eingängigkeit seiner Refrains punkten kann wie seine Vorgänger, zeigt auf der anderen Seite auch, dass es ausdrucksmäßig weniger abwechslungsreich ist. Bei den Arrangements und der Wahl der Leitmotive, die auf dem Album nicht die Vielfalt des Vorgängers »Blind Faith« herausholen können. Die bunte Palette der Lead-Vocals wird diesmal nicht optimal ausgeschöpft. Die kurze Entstehungszeit des Albums erzeugt beim Hören das Erlebnis und das Gefühl, dass »Awakening« ein noch deutlich besseres Album hätte werden können, wenn Galley und seine Mannschaft ihm mehr Zeit gelassen hätten. Natürlich aber sind all diese Musiker so erfahren und versiert – gemessen an ihrer gesamten Studio- und Bühnenerfahrung –, dass sie in kompositorisch-performativer Hinsicht nicht versagen können und wollen. Mit ihrer Erfahrung verstehen sie es stets, die Dinge »zumindest zu kaschieren«, sodass sie alle Glaubwürdigkeit bewahren und auf diese Weise, im Falle von Pheonmena, die souveräne Fortsetzung des Wesens des Projekts selbst sicherstellen.

»Awakening« ist nämlich in jeder Hinsicht ein typisches Phenomena-Album. Für neue Zeiten trägt es eine deutlich lebendigere, aufgedrehte Produktion, den Kern der Wucht der Songs baut Galley auf einer Kombination aus Hammond-Orgeln und Gitarren-Riffs auf, die auch den Großteil der massiven Klangwand bilden, die die Lead-Vocals einschließt. Das düstere Gefühl ist auf diesem Album im Überfluss vorhanden. Das Gefühl der Versuchung, typische ausdrucksstarke Kontraste in den Kämpfen zwischen Gut und Böse – das ist die Fortführung des Erbes der Phenomena-Alben, die noch in den Achtzigern erschienen sind. Die Tradition ist also bewahrt, aber in den Schrei neuer Zeiten gegossen, die die heutige Entwicklungsstufe des melodischen Rocks mit sich bringt. Die Produktion in der Klanggestaltung lehnt sich an die Produktion des Albums »Blind Faith« an.

Auf dem Album gibt es keinen Moment, der qualitativ herausragen würde. Natürlich versuchen sich auch diesmal die Sänger in ihren Songs einen Raum zu erkämpfen, in dem sie so überzeugend wie möglich sind und in dem das Beste ihrer einzigartigen Vokalinterpretation optimal zur Geltung kommt. Aber wie gesagt, »Awakening« ist darin nicht so erfolgreich wie »Blind Faith«. Die Arrangements lassen das nicht vollständig zu. So etwa der Song Shake, bei dem DiMeo die Vocals führt, kommt nirgends wirklich vom Fleck. Leider gilt das auch für Gotta Move, bei dem Scheppers das Mikrofon übernimmt, der auf dem Song Fighting des Vorgängeralbums »Blind Faith« einen seiner eindrucksvollsten Momente hatte. Stand Up For Love unter der Vocal-Regie von Chris Antblad ist gegen Ende von »Awakening« der Song mit dem am besten geschnittenen Refrein-Arrangement. Dieser liefert in Kombination mit dem schwedischen Chor »Java Gospel« einen wunderschönen reinrassigen AOR-Moment des Albums, von denen es diesmal definitiv viel zu wenige gibt.

So richtet sich »Awakening« diesmal an eine engere Fanbasis des melodischen Rocks und eben die überzeugten Anhänger des Projekts, die einfach alle Phenomena-Alben in ihrer Sammlung haben müssen. Weit davon entfernt, ein schlechtes Album zu sein. Es trägt aber noch einiges an Reserven in sich, um es als ausgezeichnet zu bezeichnen, oder zumindest als eines, das souverän neben dem hochklassigen Niveau seines Vorgängers »Blind Faith« bestehen könnte.

Besetzung

SÄNGER:
Lee Small
James Christian
Rob Moratti
Ralf Scheppers
Mike DeMeo
Terry Brock
Toby Hitchcock
Niklas Swedentorp
Chris Antblad

MUSIKER:
Martin Kronlund – Gitarre, Bass
Tom Harlan – Gitarre, Keyboards
Imre Daun – Schlagzeug
Henrik Thomsen – Bass
Per Aronson-Andersson – Hammond-Orgel, Keyboards
Chor „JAVA Gospel“ auf dem Song „Stand up for love“

GASTMUSIKER:
Carl Anthony Wright – Gitarre
Christian Wolff – Gitarre
Tommy Denander – Gitarre
Mike Slamer – Gitarre
Magnus Karlsson – Gitarre
Mat Sinner – Bass
Steve Newman – Gitarre, Backing Vocals
Frederik Bergh – Keyboards
Gruppe Coldspell (alle Mitglieder)

Produktion

Tom Galley & Martin Kronlund

Trackliste

1. Smash It Up
2. Reality
3. Homeland
4. Going Away
5. Gotta Move
6. How Long
7. Shake
8. Fighter
9. Dancing Days
10. Stand Up For Love

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