Avtomobili parkten auch im Café Slamič! (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Kavarna Slamič / Slowenien
Konzertdatum: 03.04.2015
Besucherzahl: 80
Kartenpreis: 15,00€
Diesmal bogen die slowenischen Art-Rock-Veteranen Avtomobili auf ihrer ewigen Rock’n’Roll-Fahrt in die intimen Räume der Kabarettbühne mitten im Café Slamič ein. Kersnikova 1 in Ljubljana! Der charmante Schauplatz, den nur sanfte Tischlampen erhellten, füllte sich an diesem Abend nur langsam mit Publikum. Noch wenige Augenblicke vor Konzertbeginn, kurz nach acht Uhr abends, herrschte im Raum eine spürbare Leere. Daran dürfte der Beginn der Osterferien schuld gewesen sein, dazu der »Schwund« an Studierenden, die übers Wochenende in ihre Heimatgefilde weit weg vom euphorischen Ljubljana entwischt waren. Im Laufe des Konzertabends füllten sich die Tische jedoch nach und nach, und die Art-Rock-Granden wurden auch diesmal mustergültig empfangen.
Die Band spielte erwartungsgemäß die klassischen dreiundzwanzig Songs, darunter Nummern vom aktuellen Album »Nova pomlad« (2012), die gewöhnlich zu Konzertbeginn und im obligatorischen Zugabenteil stehen, sowie dazwischen Netopir, wo David Morgan im verlängerten Ausklang erneut mit einem Drumsolo glänzte. Die Band strahlte wie immer pure Spielfreude und gute Laune aus. Bushy wechselte an diesem Abend mehrfach zwischen Telecaster und Stratocaster — was eher selten vorkommt — und einige Songs bekamen dabei durch sein unablässiges Klangexperimentieren und das ständige Ausprobieren neuer Improvisationseinlagen eine völlig neue Dimension. Beim Konzertauftritt, der diesmal in zwei Teile mit einer rund zwanzigminütigen Pause aufgeteilt war, zündete im ersten Teil eine überarbeitete Version des Legendenstücks Prljavi jezik so richtig — ein Hauch von Jazz und Funk hatte sich darin verfangen. Ljubezen ne stanuje tu wiederum wurde in der Radio-Edit-Version, also der gekürzten Fassung, gespielt.
Die Band ist routiniert bis in die Fingerspitzen, und so lief auch das Konzert ab. Auf allerhöchstem Niveau eingespielt — die Bandmitglieder kennen jedes Detail, jede Finesse, es gibt keine Geheimnisse zwischen ihnen: Sie nehmen sich perfekt wahr und kommunizieren auf Anhieb. Die Chemie stimmt eben. Avtomobili funktionieren als ein einziges, unverwundbares musikalisches Gebilde aus fünf großartigen Musikerinnen und Musikern. Und sie reifen weiter, wie ein guter alter Wein. Rost setzt ihnen so schnell nichts an, und sie bewahren nach wie vor ihr immergrünes Wesen. Gelassen, entspannt, aber durch die enorme musikalische Eklektik ihres Repertoires stets ungemein hypnotisch und bezaubernd. Avtomobili haben wieder einmal ihre einzigartige Welt errichtet, in die wir für gut zwei Stunden aus der Realität geflüchtet sind.
Alles stimmte — mit Ausnahme von Bushys gelegentlich etwas zu leise abgemischter Gitarre. Nun, Avtomobili boten ansonsten ein ausgezeichnetes Klangbild. Marko hatte erkältungsbedingt nicht gerade seinen besten Stimmtag, doch mit all seiner Erfahrung und den vielen Kilometern auf dem Buckel fand er sich meisterhaft in jeder Situation zurecht. Aber das ist ohnehin nicht so entscheidend, denn was ihn bei jedem einzelnen Schritt rettet, ist sein auf Meilen erkennbarer Vokalstil und die samtene Stimmfarbe, mit der er die Ohren der Zuhörenden so wirkungsvoll zu streicheln weiß. Er bleibt das grundlegende Markenzeichen der Musik von Avtomobili!
Im Finale heizten Avtomobili dem Publikum ordentlich ein, das sie unter lautem Applaus partout nicht von der Bühne lassen wollte. In der Zugabe spielten sie zwei Songs vom aktuellen Studioalbum »Pozna pomlad« (2012), nämlich das düstere, aber ganz besondere Stück aus ihrem reichen Diskografischen Werk namens Bar pozabe, und danach noch einmal den Radiohit Poslušaj, mit dem sie den Konzertabend auch eröffnet hatten! Es war ein neues unvergessliches Abenteuer der einzigartigen Avtomobili, einer der vornehmsten und faszinierendsten Art-Rock-Besetzungen auf slowenischem Boden. Die Darbietung bewies die Zeitlosigkeit von Person und Werk dieser markanten Gruppe aus Görz — jedes ihrer Konzerte bleibt ein Kapitel für sich. Sie sind und bleiben Meister der perfekten musikalischen Umsetzung.
Setlist
1. Poslušaj
2. Kaj si hotel
3. Drugačno nebo
4. Gorica
5. Mraz
8. Nekaj let
7. Ljubezen ne stanuje tu
8. Proti luni
9. Pot domov
10. Sama
11. Prljavi jezik
12. Skozi leta
—Pause ca. 20 Min.—
13. Argentina
14. Navaden dan
15. April
16. Netopir
17. Hvala za pisma
18. Gospodar
19. Enkrat v življenju
20. V mrzlih dvoranah
21. Enakonočje
22. Ona nosi uniformo
—Zugabe—
23. Bar pozabe
24. Poslušaj
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