Auf dem Teufels-Spielplatz mit Pentagram! (2016)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Mostovna / Solkan (Nova Gorica)
Konzertdatum: 05.10.2016
Besucherzahl: 350
Kartenpreis: 25,00€ (am Konzerttag) / 22,00€ (im Vorverkauf)

Und schon sind wir tief in den schon fast übertrieben bunten Konzertherbst marschiert. Die Oktober-Konzerthölle begann genau am Ort des diesmaligen Doom-Verbrechens, denn zwei Tage zuvor hatten die portugiesischen Meister des Düsteren, Moonspell, die Mostovna besucht. Bis Ende des Monats warten noch mindestens John Garcia, Venom Inc./Vital Remains, Enslaved, Inquisition/Rotting Christ und Obscura auf uns – von kleineren Konzerten ganz zu schweigen. Doch vor ihnen allen war letzten Mittwoch die Zeit für ein Doom-Spektakel mit den Genre-Urgesteinen Pentagram und ihrem Maskottchen Bobby Liebling, der mit seinem nicht gerade ansehnlichen Erscheinungsbild immer mehr an Yogurt aus Spaceballs erinnert. Wie auch immer – einer der Begründer des Genres ist nach drei Jahren zu uns zurückgekehrt, nach dem hervorragenden Konzert bei den Metaldays 2013 (was uns Bobby damals erzählt hat, könnt ihr HIER nachlesen). Diesmal war ihre Rückkehr noch sehnlicher erwartet worden, da der legendäre Gitarrist Victor Griffin nach zweijähriger Abwesenheit in die Band zurückgekehrt war. Pentagram wurden in der Mostovna diesmal von Tytus und Mother’s Cake begleitet, die zur Freude aller bewiesen haben, dass man auch bei unseren westlichen und nördlichen Nachbarn gute Musik finden kann.

Pünktlich um neun Uhr bestieg Tytus aus dem benachbarten Italien die Bühne der Mostovna. Wegen ihrer Herkunft war ich ziemlich skeptisch, was sie zu bieten hätten, denn dem Großteil der italienischen Bands haftet (zu Recht) ein so schlechter Ruf an wie Bobby Liebling an allem, was zwei Beine und Titten hat. Aber eine Regel bedeutet noch nicht, dass keine Ausnahmen möglich sind, und zum Glück sind Tytus – die sich ihren Namen wahrscheinlich nach dem Riesen aus He-Mans Universum gegeben haben – eine davon. Das Triestiner Quartett hat just in diesen Tagen sein Langspiel-Erstlingswerk Rises veröffentlicht, auf dem sie verdammt guten NWOBHM/Heavy Metal mit den obligatorischen Thin Lizzy/Iron Maiden-Gitarrenharmonien dreschen – und genau das haben sie auch live serviert. Obwohl sie musikalisch rein gar nichts Neues oder Originelles bieten, erledigen Tytus ihren Job erstklassig. Eine vernichtende Rhythmussektion mit einem tierischen Schlagzeuger, ein Gitarrenpaar, das reinen Maiden-Terz-Harmonien-»Worship« betreibt, sowie ein ausgezeichneter und kraftvoller Gesang sorgten dafür, dass Tytus eine der schönsten und am wenigsten erwarteten Konzertüberraschungen dieses Jahres waren.

Noch ein größeres Rätsel war die zweite Band des Abends, das österreichische Trio Mother’s Cake, das sich ebenso wie Tytus als unerwartete Überraschung entpuppte. Die Jungs mischen in ihrer Musik Einflüsse aus Funk, Stoner und Progressive Rock und würzen das Ganze stellenweise reichlich mit psychedelischen Einlagen. So war es kein Wunder, Einflüsse von Bands wie The Mars Volta auf der einen und Bands wie Red Hot Chilli Peppers und Jamiroquai auf der anderen Seite zu hören – nur dass das Ganze deutlich heaviger klang. Aber immer noch mit dem obligatorischen fetten Funk-Bass und instrumentalen Ausflügen, die bisweilen sogar zu improvisierten Jam Sessions neigten. Passend zur Musik herrschte auch auf der Bühne eine entspannte und positive Energie; leicht getrübt wurde das Mother’s Cake-Törtchen lediglich durch den ziemlich nervenden Gesang von Yves Krismer.

Bobby Liebling hat es, dass er überhaupt noch unter den Lebenden weilt, höchstwahrscheinlich seinem Freund Sean »Pellet« Pelletier und Don Argott zu verdanken, dem Regisseur des hervorragenden Dokumentarfilms Last Days Here, der Liebling zeigte, wie er im Keller seiner Eltern lebte und durch den ständigen Drogenkonsum fast zum lebenden Toten geworden war. Als solcher war Liebling – trotz der Tatsache, dass er stets der geistige Anführer von Pentagram war – auch der Hauptschuldige am völligen Scheitern der Band, die eigentlich fast Zeitgenossen von Black Sabbath waren. Nun, der Film hatte zum Glück eine kathartische Wirkung, und Bobby kehrte mit Pentagram vor einigen Jahren auf die Bühnen zurück und nahm bereits das zweite sehr gute »Come-Back«-Album Curious Volume auf. Pentagram zeigten in der Mostovna erneut, wie echter Doom Metal klingen muss – mit einem vollkommen ausgebrannten Frontmann an der Spitze. Bobby erledigte seine Sache diesmal zwar deutlich nuschelnder als bei den Metaldays, aber mit seinem Auftreten ist er nach wie vor eine unersetzliche Ikone; die etwas schwächere Gesangsdarbietung verblasste jedoch schnell angesichts des erstklassigen Instrumentalbilds der Band, das dank der überragenden Rhythmussektion vernichtend und dank des außergewöhnlichen Griffin – der die wahre Definition eines Doom-Riffs verkörpert – diabolisch und unheilvoll war. Pentagram wiesen in anderthalb Stunden darauf hin, dass Curious Volume eines der besseren Werke ihrer langjährigen Karriere ist, und verzauberten erneut mit unsterblichen Klassikern wie Sign of the Wolf, Forever My Queen, When the Screams Come, Relentless und dem abschließenden 20 Buck Spin. Bei Bobby ist es leider so, dass man nur raten kann, wie lange er noch einigermaßen »gesund« über die Bühnen schlendern wird – deshalb sind Pentagram etwas, das jeder Liebhaber des Genres mindestens einmal live gesehen haben muss.

Setliste

PENTAGRAM:
1. Too Late
2. All Your Sins
3. Close the Casket
4. Sign of the Wolf
5. Sinister
6. Forever My Queen
7. The Tempter Push
8. When the Screams Come
9. Dead Bury Dead
10. Curious Volume
11. Dying World
12. Devil’s Playground
13. Relentless
14. Broken Vows
—Zugabe—
15. Last Days Here
16. Be Forewarned
17. 20 Buck Spin

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