Arc Of The Dawn
Künstler: Dare
Erschienen: 2009
Wertung: 2.5/5
Darren Wharton versteht es in letzter Zeit, einen wirklich traurig zu machen, denn nichts kommt auch nur annähernd an das heran, was das Debüt von Dare „Out Of The Silence“ aus dem Jahr 1989 geboten hat. Ja. Das ist das Album, das in der Plattensammlung jedes echten AOR/Melodic-Rock-Fans Pflicht ist. Tatsächlich hat Darren Wharton wieder ein neues Album unter dem Namen Dare veröffentlicht – diesmal mit dem Zusatz „Studio-Album“. Da spitzt man die Ohren und macht große Augen, denn die Erwartungen schnellen prompt in die Höhe. „Arc Of The Dawn“ ist die Fortsetzung des Klangs und der kompositorischen Ausrichtung seines Vorgängers „Beneath The Shining Water“ (2004) und erfindet das Rad nicht neu. Es geht vor allem darum, die natürliche Klangpalette und die Anordnung der einzelnen Bausteine zu bewahren, die das heutige Bild von Dare prägen. Also das, wohin sich Dare mit dem dritten Album „Calm Before The Storm“ orientiert haben.
Leider strahlt dieses Bild nicht die starke Botschaft eines Unikats aus wie das Debüt „Out Of The Silence“, das dem Besten zugeschrieben werden kann, was AOR aus dem Erbe der goldenen Achtziger herausholen konnte. Ungeachtet meines „Gejammers“ ist jedes Dare-Album unverwechselbar – dank der unverkennbaren Klangfarbe und des Gesangsstils von Darren Wharton, aber auch dank der charakteristischen Leitmotive, die in ihren melodischen „Kurven“ nicht groß abweichen und dabei Whartons Wiedererkennungswert als Musikkünstler bewahren.
Das Album ist für sich genommen weit davon entfernt, schlecht zu sein. Es fehlt ihm schlicht die Inspiration. Wharton ist ein routinierter und erfahrener Musiker, ein Altmeister der ausgefeilten Rock-Melodie. Die Produktion des Albums ist makellos bis ins letzte Detail. Die Bausteine liegen in der richtigen klanglichen Balance, wobei neben den Keyboards und der E-Gitarre auch die Akustik ein wichtiges Gewicht hat. Die Leitmotive funktionieren, das Verhältnis Strophe-Refrain hält Kompatibilität und als Komposition auch Glaubwürdigkeit aufrecht.
Dennoch reden wir hier nur vom Mittelmaß. Das Album hinterlässt nicht die kleinste Spur von dem, wofür man es auflegt. Beim Hören bleibt kein einziger Song im Ohr hängen, und das Album rutscht schnell „durch den Magen“ – verarbeitet zu greiflosem „Sägemehl“. Shelter From The Storm, das Eröffnungsstück Dublin oder Follow The River bewegen sich alle auf demselben Niveau. Wharton ist in den Versen persönlich. Die Vocals sind für britischen AOR warm, gefühlvoll, mit einem unverkennbar leicht rauhen Akzent – auffällig anders. So wie die Stimme seines Landsmanns John Wetton heraussticht – aber das ist eine andere Geschichte.
Aber das Album reißt nicht mit, überwältigt nicht, schockt nicht, begeistert nicht. Dare sagen nichts Neues. Mehr noch. In ihrer eigenen Diskreditierung und Inspiriertungslosigkeit gehen sie so weit, zwei Klassiker des Albums „Out Of The Silence“ zu recyceln, nämlich King Of Spades und I Will Return. Vollständig ihrer großartigen Eighties-Produktion und der saftigen dreidimensionalen Tiefe der Klangkontraste beraubt, passen diese Songs in ihren neuen Versionen eher in Nachtcabaret-Räume als auf die Bühnen weitläufiger Arenen, für die sie in ihren einzigartigen Originalen bestimmt sind. Aber die Geschichte des Recyclings und des Versteckens hinter der Ideenlosigkeit mangelnder Inspiration endet hier noch nicht. Darren Wharton setzt sie mit einer akustisch-verträumten Version des Thin Lizzy-Klassikers Emerald fort. Natürlich hat der Mann in seinen reiferen Jahren genug Zeit gefunden, sich von den Erinnerungen an die goldene Zeit, als er Teil des Ensembles des genialen Rock-Pioniers Phil Lynott war, zu Tränen rühren zu lassen – aber einen so offensichtlichen Ausbruch an Pathos konnte man wirklich nicht erwarten. In der Arrangementstruktur rettet Richard Dews‘ akustischer Gitarrenansatz sie zwar etwas aus dem Abgrund, aber das Ganze wirkt geradezu lächerlich, wenn man sich das einzigartige Markenzeichen der Rock-Potenz des Thin Lizzy-Originals ins Gedächtnis ruft. Und auch das ist noch nicht alles. Da ist noch The Flame, die große Cheap Trick-Ballade, bei der es nicht schwer zu erraten ist, dass Whartons Vocals mehr als geeignet sind, Robin Zander in der Ära der aufgetürmten Frisuren des Albums „Luxury“ zu ersetzen.
Zum Glück gibt es die wirklich starke Eigenkomposition Still Waiting, in der das Gesicht von Whartons heutigen Arrangements auf dem Album am erfolgreichsten zur Geltung kommt. Durch diesen Song scheint jener irisch-keltische Hauch, den neben der Melodie Darren Whartons gefühlvoller und melancholischer Gesangsansatz vertieft. Auch im Rest des Albums schalten Dare nicht in einen spürbar höheren Gang. Es handelt sich um ein mittelschnell bis balladisch orientiertes, leichteres Rock-Album mit einem gehörigen Maß an Ausflügen in die Kosmetik der traditionellen Eighties-Pop-Melodie.
„Arc Of The Dawn“ ist ein sehr persönliches Album. Und vielleicht tue ich dem Werk und der Person von Darren Wharton mit dieser Bewertung unrecht, wenn ich ständig das Album „Out Of The Silence“ hervorhole – aber einen anderen Ansatz schaffe ich in dieser Situation leider nicht herauszukristallisieren. In Anbetracht des Rufs der Band, der größtenteils durch das unübertroffene Debüt „Out Of The Silence“ geprägt ist, wäre es besser gewesen, wenn „Arc Of The Sun“ als Whartons eigenständiges Studio-Album erschienen wäre. Die Qualität ist definitiv vorhanden, und ich empfehle allen Liebhabern des AOR-Genres, das Produkt zu checken – aber leider schafft es das Album nicht, einen stärkeren Eindruck zu hinterlassen oder irgendwie aus dem Schatten herauszutreten, den die Größe des für Dare unwiederholbaren Jahrgangs 1989 noch heute wirft.
Besetzung
Darren Wharton – Gesang, Keyboards
Richard Dews – Gitarre
Kevin Whitehead – Schlagzeug
Produktion
Darren Wharton
Trackliste
1. Dublin
2. Shelter In The Storm
3. Follow The River
4. King Of Spades
5. I Will Return
6. Emerald
7. When
8. The Flame
9. Still Waiting
10. Kiss The Rain
11. Remember
12. Circles