American prayer
Interpret: Doors, The
Label: Atlantic Records
Veröffentlichung: 1978
Bewertung: 4/5
Im November 1978, sieben Jahre nach Morrisons Tod, erscheint das Album An Amarican Prayer – Jim Morrison with Music by The Doors. Der Inhalt besteht aus alten Interviews, rezitierter Poesie und Konzertmitschnitten. Die Songs wurden sorgfältig aus Aufnahmen von 1970 ausgewählt, als er an seinem Geburtstag vor einer Gruppe von Freunden seine Gedichte vortrug, sowie aus Aufnahmen im Elektra-Studio zwei Jahre davor. Die drei übrigen The-Doors-Mitglieder machten sich an die Destillation des Materials und schafften es am Ende, daraus ein Album zu formen. Nach der Auswahl der Stücke widmeten sie sich der Musik, die zur Poesie passen sollte, und pickten sich sogar ein paar Ausschnitte aus bereits bestehenden Songs von The Doors heraus. Die Kombination aus rezitierter Poesie, Musik und Soundeffekten war für die damalige Zeit etwas völlig Neues in der Rock-Welt. Und wenn wir uns das Album anhören, ist es, als hätte uns Jim Morrison nie wirklich verlassen.
Das Album zeigt uns den Rockstar in einem anderen Licht. Seine magischen Worte lassen uns einen Blick in sein Intimleben werfen, von der Kindheit über die lebhafte Adoleszenz bis hin zu seinem wilden Erwachsenenleben. Es beginnt mit „Awake“ und geht weiter mit „Gost Song“, in dem er einen Verkehrsunfall beschreibt, den er als Kind miterlebt hat. Damals soll in ihn die Seele eines sterbenden Indianers gefahren sein, der kraftlos am Straßenrand lag. „Newborn Awakening“ zielt auf ein ähnlich düsteres Thema, den Tod, und geht über in „To Come Of Age“, das Morrisons sexuelle Abenteuer als Teenager zu enthüllen beginnt und auf sein philosophisches Erwachen anspielt. In „Stoned Immaculate“ beschreibt er die quälende Verwirrung, die ein Jugendlicher beim Eintritt in die Pubertät durchlebt, und „The Movie“ zeigt Morrisons Interesse sowohl an Poesie als auch am Film. Seine Gedanken kreisen darum, wie stark der Film heute die Gesellschaft prägt und wie ähnlich sein eigenes Leben einem Film ist, in dem er die Doppelrolle von Held und Verlierer spielt.
„World On Fire“ enthält eine bisher unveröffentlichte Live-Version von „Roadhouse Blues“. Diesmal lässt er uns die Welt seines Starruhms kosten, denn der letzte Ausschnitt zeigt glasklar die Bewunderung und Hingabe für das Sexsymbol, wenn die Fans ihm zurufen, er solle sie retten. Die Rolle des Sexidols war ihm aber nicht auf den Leib geschneidert, und das drückt er in „Lament“ aus, denn er empfand sie als Last und nicht als Vergnügen. So wie ihm der Tod im Kopf herumspukte, beschäftigte ihn auch der Mord. Die Fantasie, wie er aus einer Telefonzelle einen Freund anrief und ihm gestand, er habe als Anhalter jemanden umgebracht, der ihn an der Straße aufgelesen hatte, zeigt sich in „The Hitchhiker“, begleitet von der Melodie von „Riders on The Storm“. Erwähnenswert ist außerdem der Titelsong „American Prayer“, eine Art Zusammenfassung des ganzen Albums.
Das Wesen von Jim Morrison ist auf diesem Album auf jeden Fall eingefangen. Es zeigt ihn so, wie er wirklich war, ohne seine Band The Doors. Genau deshalb wird es vielleicht nicht jedem Fan von The Doors schmecken. Die Hingebungsvollen, die zuhören und alles aufsaugen können, werden aber gerade in diesem Werk seine Hingabe und Schlichtheit erkennen.
Besetzung
Jim Morrison: Gesang
John Densmore: Schlagzeug
Ray Manzarek: Keyboards
Robbie Krieger: Gitarre
Produktion
The Doors
Tracklist
1. Awake
2. Ghost Song
3. Dawn’s Highway
4. Newborn Awakening
5. To Come Of Age
6. Black Polished Chrome
7. Latino Chrome
8. Angels And Sailors
9. Stoned Immaculate
10. The Movie
11. Curses, invocations
12. American Night
13. Roadhouse Blues
14. The World On Fire
15. Lament
16. The Hitchhiker
17. An American Prayer
18. Hour For Magic
19. Freedom Exists
20. A Feast Of Friends
21. Babilon Fading
22. Bird Of Prey
23. The Ghost Song
Spielzeit: 46.00