Als Thorr das Orto besucht (2013)
Autor: Primož Novak
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 18.11.2013
Besucherzahl: 30 – 40
Kartenpreis: 8,00€ / 12,00€
Die amerikanische Band Valient Thorr meldete sich vor vier Jahren erstmals in Slowenien, genauer gesagt im Kino Šiška, und begeisterte dort eine Handvoll Besucher mit ihrem einzigartigen Musikstil, der Stoner Metal, Heavy Rock und Punk Rock vereint. Wer von diesem Stil nicht überzeugt wurde, konnte sich zumindest von den unterhaltsamen Musikvideos und dem charismatischen Sänger namens Valient Himself mitreißen lassen.
Valient Thorr hatten diesmal die Gelegenheit, erneut zu begeistern, und zwar im Orto Bar — was von vornherein eine intimere Atmosphäre bedeutete, aber in jedem Fall durfte man eine echte Rock’n’Roll-Party erwarten. Das zeigte sich auf seine Art schon beim Betreten der Halle, wo sich kein Hund hinverirrte. Auf der Bühne standen ausschließlich Marshall-Verstärker, was für manche die Grundvoraussetzung für einen echten Rocksound ist.
Das Bild wurde noch klarer, als die Band die Bühne betrat — gekleidet in zerrissenen Jeans nach dem Vorbild südstaatlicher amerikanischer Rocker. Die beiden Gitarristen griffen zur legendären Gibson Les Paul. Trotz des schwachen Besuchs trat die Band souverän und energiegeladen auf und riss so manchen Besucher mit. Im Mittelpunkt stand natürlich das neue Album Our Own Masters, das die Anwesenden mit Headbanging und gelegentlichem Moshen feierten.
Am faszinierendsten war der hyperaktive Sänger Valient Himself mit seiner komischen Erscheinung. Neben seinem Bart, seinem Bierbauch und seiner Körperbehaarung im Stil von James Bond aus den Sechzigern stachen auch seine Schuhe ins Auge — die Art, wie sie Formel-1-Piloten tragen. Modekritiker hätten wohl einiges zu sagen. Aber Valient pfeift kräftig drauf. Nach dem dritten Song zeigte er bereits freizügig seine Körperbehaarung, und mehrfach stieg er von der Bühne, um das Publikum noch direkter anzufeuern. Unter anderem kam es auch zum »Rudern«, als sich das Publikum gemeinsam mit Valient in einer Reihe aufstellte und Ruderbewegungen nachahmte — ein auf Folk-Metal-Konzerten häufig anzutreffendes Phänomen. Die Hyperaktivität von Valient kennt definitiv keine Grenzen. Neben dem durchgeknallten Sänger zogen auch die beiden Gitarristen viel Aufmerksamkeit auf sich — sie feuerten eine virtuose Rocksolo nach der anderen ab. Bei der Rhythmussektion gab es keine übertriebenen Besonderheiten, aber letztendlich fordert diese Art von Musik das auch gar nicht. In ein und demselben Tempo lief jedenfalls nicht alles ab.
Neben den Neuheiten vergaß die Band auch die anderen Hits aus ihrem Backkatalog nicht, darunter Double Crossed, Heatseeker, Sleepers Awakes und One Tuff Consumer. Interessant war der Song Tomorrow Police, der stark an AC/DC erinnerte, zum Glück aber nicht aufgesetzt wirkte. Eigentlich war nichts aufgesetzt — Valient Thorr kombinierten Stoner, Heavy Rock und Punk Rock hervorragend, was sich vor allem in der Vielfalt des Publikums widerspiegelte.
Valient Himself gab alles, um das Publikum zur Teilnahme zu bewegen. Seine Ansagen waren komisch. Einerseits gelang es ihm, einige Besucher in Bewegung zu bringen, aber leider war die Halle halb leer, als dass man eine echte Rock’n’Roll-Party hätte erleben können.
Unterm Strich muss man zugeben, dass die Handvoll Besucher einem guten, energiegeladenen Konzert beiwohnte, bei dem man sich nur wünschen konnte, dass es in einer größeren Halle stattgefunden hätte — und das Bier in Strömen geflossen wäre.
kih.
Setlist
1. Double Crossed
2. Heatseeker
3. Immaculate Consumption
4. Master Collider
5. Night Terrors
6. Tomorrow Police
7. Life Hands You Demons
8. Torn Apart
9. Sleeper Awakes
10. One Tuff Consumer
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