Adrenaline Rush
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Adrenaline Rush
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 42:55
Wertung: 2.5/5
Adrenaline Rush ist eine Band, deren Anfänge ins Jahr 2012 zurückreichen, als der angesehene Produzent, Komponist und Multi-Instrumentalist Erik Martensson (W.E.T., Eclipse) und Sängerin Taye Wanning ihre kreativen Kräfte bündelten und gemeinsam begannen, Musik zu schreiben. Taye war auch für die Texte zuständig. Die Sache entwickelte sich hervorragend, und am Horizont zeichnete sich die Möglichkeit ab, ein richtiges Album zu erschaffen und zu veröffentlichen.
Deshalb machte sich Martensson, der die gesamte schwedische Metal- und Rockszene kennt, auf die detaillierte Suche nach geeigneten Kandidaten, mit denen er das Gerüst der neuen Band aufbauen könnte – einer Band, die das erarbeitete Material zum Leben erwecken, sprich auf die Konzertbühnen bringen sollte. So wurden Adrenaline Rush geboren, mit Taye Wanning als zentraler Sängerin und Heimatbasis in Stockholm. Natürlich liefen all diese Aktivitäten mit dem grünen Licht von Frontiers Records. Und natürlich spielte Erik Martensson dabei eine integrale Rolle. Ohne ihn gäbe es diese Band mit Sicherheit nicht.
Bis Mai 2014 war die Band bereits zufriedenstellend eingespielt und konnte sich beim Frontiers Rock Festival erstmals vorstellen – einem Festival, das Frontiers Records nahe Mailand veranstaltete und unter dessen Dach auch Adrenaline Rush fallen.
Adrenaline Rush bringen musikalisch keine Erdbebenstöße. Sie halten sich an bewährte Klischees, die aus dem Erbe der Old-School-Skandinavier des Hard Rock der Achtziger stammen – Bands wie Treat, Dalton, 220 Volt, Renegade und natürlich Europe. Diese Gruppen lernten von Rainbow und Whitesnake und nutzten gleichzeitig ihr angeborenes Gespür für ansteckend eingängige Melodiösität, um Songs zu schreiben, von denen viele zu Rock-Evergreens wurden. Adrenaline Rush haben sich das alles irgendwie angeeignet und dabei eine aktuelle Prise Sleaze Rock eingemischt, die ihre Landsleute Crazy Lixx und/oder Hardcore Superstar in ihrer Musik ebenfalls kräftig auskosten. Ein solches Beispiel vom Debüt der Adrenaline Rush ist der Track Girls Gone Wild, auf dem die Handschrift von Motley Crue deutlich zu spüren ist.
Die Songs funktionieren. Man kann ihnen nichts vorwerfen. Außer ihrer Generik. Da sind refrenlastige Melodien voller Pomp, die beim ersten Hören sofort zünden. Einer der gelungensten Momente dieser Art von Songwriting steckt im mittelschnellen When We’re Gone. Die Songs sind immer wieder vom typischen Pathos skandinavischer Melancholie durchzogen, das jedoch mit frechen Party-Time-Momenten ausbalanciert wird. Auf jeden Fall ist klar, dass hinter den Kompositionen der Name Martensson steckt. Ein Song wie Want It All würde nämlich problemlos auf einem beliebigen W.E.T.-Album seinen Platz finden.
Das Album hat einen Haken. Es wirkt wie ein Trick des Labels, eine Erfolgsgeschichte zu liefern, die nach bewährtem Rezept im Voraus verpackt wurde. Das Lockmittel, das beim dem melodischen Rock verfallenen Publikum zünden soll, nennt sich »der süße kleine Lutscher« Taye Wanning. Tayes Gesang klingt mädchenhaft, sogar leicht scharf, was dem Gesang einen frechen Glanz verleiht, offenbart aber leider auch einen störenden Sprachfehler (Lispeln). Es sind ganze 12 Songs, und das Album beginnt mit der Zeit wegen der Ähnlichkeit der Leitmotive in den Songs schnell zu ermüden. Die Frage ist, ob diese Band Bestand haben wird. Schnell wird sich zeigen, ob das Team eigene Komponisten hat oder ob Erik Martensson auch in Zukunft beim Arrangieren und Komponieren immer wieder einspringen muss. Wie gesagt. Das Album wirkt künstlich und aufgesetzt, weshalb die Verwendung bereits erprobter Ideen von vor 25 Jahren in neuer Verpackung weder zündet noch überzeugt.
Besetzung
Tave Wanning – Gesang
Ludvig Turner – Gitarre, Hintergrundgesang
Alexander Hagman – Gitarre, Hintergrundgesang
Soufian Ma’Aoui – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Marcus Johansson – Schlagzeug
Produktion
Erik Mårtensson
Trackliste
01. Black n’ Blue
02. Change
03. Generation Left Behind
04. Girls Gone Wild
05. When We’re Gone
06. Want it All
07. Too Young to Die
08. Oh Yeah!
09. No No No
10. Playin’ to Win
11. Hit You Like A Rock