Acoustic TV Broadcast

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Künstler: Wetton & Downes
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 0.5/5

„Acoustic TV Broadcast“ ist mal was anderes. Asia und Icon „auf akustisch“. Für alle, die keine langen Reviews mögen, gleich vorweg: Die instrumentale Kastration auf „Acoustic TV Broadcast“ hat außer ihrer Andersartigkeit und einem gewissen Reiz nichts wirklich Besonderes zu bieten, was erwähnenswert wäre.

Uff! So eine schwere Beschreibung einer Platte hatte ich schon lange nicht mehr! Eine akustische Version dieser Songs, ganz ohne zusätzliche Drums oder irgendwelche Percussion? Na dann mal los! Den Großteil der Melodie trägt also Downes‘ Klavier, während wir durch das Zusammenspiel von Wetton, Downes und Sängerin Amy Clark eine ganz nette Annäherung an die bekannte Größe der vokalen Multiharmonien bekommen, die entweder das Markenzeichen des Asia-Erbes oder des Projekts Icon sind. Den Hintergrund der Melodie hält in den Songs Downes‘ „Synthesizer“ aufrecht und gibt ihnen so Raum zum Atmen, während sein klassisches Klavier sie am Boden hält. Einen schönen Kontrast bringt natürlich das Cello von Hugh McDowell ins Spiel, übrigens ein ehemaliges Mitglied von Electric Light Orchestra, der bei diesem Material mitspielt. Reicht das, um zu überzeugen? Die akustisch neu eingekleideten Songs sind im Grunde ausgezogen. So weit ausgezogen, dass ihre neue Gestalt stört. Es fehlt ihnen nämlich gar nicht viel, und ein Philharmonieorchester könnte sie in einer rein instrumentalen Fassung spielen. Die schönste Assoziation dazu liefert das sehr gefällige instrumentale Intro zum Song Soul Survivor. So stehen auf der Platte statt reiner Orchesterarrangements aber Wetton und Downes, zwei Leute, von denen wir normalerweise eine Menge verlangen. Eine Reaktion auf einen größeren Energieschub, bei der vielleicht auch mal ein Molekül Adrenalin ins Blut ausgeschüttet würde, können wir vergessen. Akustische Gitarre ist praktisch nicht auszumachen. Auch Wettons markante „goldene“ Stimme gleicht das instrumental-spektrale Defizit nicht aus, denn in den Arrangements bleibt riesig viel ungenutzter Raum. Es fehlt der Rhythmus, und wenn’s nur jemand wäre, der im Hintergrund mit einem Löffel auf einen Topfdeckel haut. Eine Stunde lang begleiten uns eisiges Schmachten und ein trauriges Beweinen der glorreichen Vergangenheit.

„Acoustic TV Broadcast“ ist also wie eine lauwarme Suppe. Den Songs fehlt was! Und dieses Etwas ist mindestens eine Rhythmusgruppe!!! Und gleich daneben liegt, dass du sehr schnell einen besonderen Gast an der Gitarre vermissen kannst! Ob das nun das Originalmitglied von Asia Steve Howe (Yes) wäre oder irgendein geschulter Enthusiast, der die Riffs und Soli der Originale schnell „abgenommen“ hätte. Das hätte Lebendigkeit und Dynamik reingebracht und „Acoustic TV Broadcast“ natürlich zu einer für die Ohren attraktiven, ja aufregenden Platte gemacht! Nur so hätten wir eine echte „Unplugged“-Version der Originale bekommen, die ihres Vortrags würdig wäre. Dazu hätte man ohne Weiteres ein kleineres Streichorchester einladen und so die Voraussetzungen für ein ausgezeichnetes akustisches „Live“-Album schaffen können. Vielleicht war es von Frontiers Records nicht der klügste Zug, gleich die erste Gelegenheit zu ergreifen, als Wetton und Downes zusammen auf die Bühne kamen, pardon, ins Studio, um sich ein privates akustisches Fest zu basteln. Offensichtlich sind die beiden immer noch stark genug, dem Label Bedingungen zu diktieren. So haben sie das Album nach eigenem Wunsch veröffentlicht, was natürlich ein Zeichen absoluter künstlerischer Freiheit ist, die in diesem Fall aber kein besonders kreatives Album hervorgebracht hat und sogar kontraproduktiv war.

Damit können wir festhalten, dass das Album streng genommen nur für Fans von John Wetton und Geoffrey Downes interessant ist. Ich hoffe, es handelt sich nur ums Warmspielen, ums Einspielen, um die erneute Suche nach der leicht vergessenen gemeinsamen Sprache der beiden Autoren, um das Wiederbeleben von „eingerostetem“ Material, das Asia, jetzt, wo sie wieder in ihrer Originalbesetzung zusammengefunden haben, bald wieder live spielen soll, so wie damals in den Achtzigern. Ich bin ungern unhöflich, würde Wetton und Downes aber vorschlagen, lieber so schnell wie möglich eine neue Icon- oder Asia-Platte aufzunehmen und uns nicht länger mit halbherzigen Ansätzen zu nerven, oder in Rente zu gehen.

Besetzung

John Wetton – Gesang, akustische Gitarre, akustischer Bass
Geoffrey Downes – Klavier
Hugh McDowell – Cello
Amy Clark – Gesang

Produktion

John Wetton & Geoffrey Downes

Tracklist

1.Heat Of The Moment
2.Voice Of America
3.Let Me Go
4.God Walks With Us
5.Sole Survivor
6.Meet Me At Midnight
7.The Smile Has Left Your Eyes
8.I Lay Down
9.Open Your Eyes
10.Only Time Will Tell
11.Don’t Cry
12.In The End
13.There In Your Bed (Bonustrack)

Spieldauer: 56:19

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