A Perfect Day

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Künstler: A Perfect Day
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2012
Laufzeit: 51:42
Bewertung: 4/5

A Perfect Day ist das Seitenprojekt von Labyrinth-Gitarrist Andrea Cantarelli. Schaut man sich den Rest der beteiligten Mannschaft an, kann man eigentlich von einem gemeinsamen Labyrinth-Seitenprojekt sprechen, denn das Projekt wird von dem italienischen »Gesangstornado« Roberto Tiranti befeuert, der diesmal auch den Bass schwingt, sowie von Schlagzeuger Alessandro Bissa (ebenfalls bei Vision Divine).

Während Labyrinth für ihre ansteckende symphonische Power-Metal-Bombastik bekannt sind, folgt A Perfect Day dem Prinzip des melodisch geschliffenen Hard Rock – ein Begriff, mit dem Fans des Allen / Lande-Projekts sofort mitgehen dürften, denn der Gesang von Roberto Tiranti wirkt stellenweise wie eine italienische Version von Russell Allen (Symphony X). Er liefert dabei eine außerordentliche Variabilität sowohl in den mittleren Lagen, wo er zwischen sauberem und rauem Gesang wechselt, als auch – hier beeindruckt er immer wieder aufs Neue – mit seiner Explosivität in den höchsten Stimmlagen. Der Gesang von Roberto Tiranti ist ein wichtiges Element für das Einbringen und die Festigung der melodischen Reichweite im musikalischen Ausdruck des Projekts A Perfect Day. Die mittlere Linie wird dabei mehrfach mit einer höheren Gesangslinie harmonisiert, wodurch besonders die Refrainmelodien an Bombastik gewinnen und das Gefühl entsteht, als handle es sich auf dem Album um ein Gesangsduett.

Hier liegt jedoch ein wichtiger Unterschied, wenn man dieses Album mit der allgemein vorhersehbaren  Hard-Rock-Schablone ähnlicher Alben vergleicht. Die Produktion. Diese knüpft an die modernen Zeiten der Post-Grunge-Bands des Millenniums wie Alter Bridge an, aber auch an die etwas älteren Staind. Die Gitarre ist bewusst crunchig aufgedickt  und breit ausgewalzt zur Kreation einer Riffwand, mit der der Großteil der Klanglandschaft des Albums abgedeckt wird. Die dichte Begleitung wird auch durch den Einsatz von Akustikgitarre aufgewertet, die den Sound auffüllt und bereichert (Long Road To Ruin, Under the Same Sun, Silent Cry, ..), ebenso durch Keyboard-Einlagen.

Tiranti ist in einem solchen Umfeld besonders in den Improvisationen gefordert – deutlich mehr als bei Labyrinth. Er bringt dabei auch eine gehörige Portion Soul-Flair in seine Darbietung ein, was den Hard-Rock-Charakter dieses Werkes zusätzlich vertieft. Die Lead-Vocals werden außerdem mit zusätzlichen – eigens dafür durch einen Distortion-Effekt gejagten – »Background-Gesangsmelodien« verziert.

Die Mitglieder des Projekts sind erfahrene Cracks und bewegen sich im Studio gekonnt. Das belegt die hervorragende Produktion – ein wichtiger Faktor für die Überzeugungskraft dieses Werkes ist aber auch die Tatsache, dass das Trio die Stärke der chemischen  Verbindungen, die unter ihnen bei Labyrinth herrschen, auf dieses Album übertragen hat. Es passiert selten, dass gleich drei Menschen in derselben Band auf derselben Wellenlänge sind, was ihnen die Grundlage gibt, ihr eigenes musikalisches  Seitenprojekt zu starten. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass sich Musiker verschiedener Bands untereinander zu solchen Projekten zusammenfinden. Jedenfalls muss unter diesen drei Musikern von Anfang an eine große Übereinstimmung und Offenheit gegenüber den Kompositionen geherrscht haben, die Cantarelli in Grundformen vorbereitet hatte.

Das ist ein Album, das mit einer Fülle starker und kompositorisch klar definierter Höhepunkte aufwartet, bei denen die Melodie das Sagen hat. Die Highlights sind die Gesangsmelodien, bei denen Tirantis exzellenter, autoritativer Gesang voll ausgeschöpft wird – im neuen musikalischen Umfeld liefert er Qualitäten, für die bei Labyrinth grundsätzlich kein Raum ist. Cantarelli hat die Kompositionen natürlich auch mit Übergangs-Gitarrenornamenten und Soli ausgestattet, die dem Primat der massiven Klangwand des Gitarrenriffs aber nichts nehmen. Das Album trägt eine reiche und packend wirkende  atmosphärische Kulisse, die gelegentlich in ein depressives Umfeld abdriftet (Silent Cry).

Das Debüt »A Perfect Day« ist eine angenehme Überraschung, die keine musikalische Revolution liefert, aber trotzdem in seiner Inspiriertheit kraftvoll und authentisch wirkt und einen daher schon beim ersten Hören bei den Ohren packt. Seine Kombination aus atmosphärisch-melodischer Anziehungskraft ist ausgezeichnet und in jeder Hinsicht eine Schöpfung, die sich für Fans von klassischem Hard Rock, der sich gerne mit den Ausrichtungen moderner Klangproduktionen befasst, absolut lohnt zu entdecken.  

Besetzung

Roberto Tiranti – Gesang, Bassgitarre
Andrea Cantarelli – Gitarre, Keyboards
Alessandro Bissa – Schlagzeug

Produktion

Andrea Cantarelli

Tracklist

1. Another Perfect Day
2. Now And Forever
3. Long Road To Ruin
4. Alone And Free (Rockblind)
5. Silent Cry
6. Under The Same Sun
7. Here We Are Again
8. Waiting On The Edge
9. Warm Embrace
10. We Only Say Goodbye

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