Avaland: Theater Of Sorcery
Label: Rockshot Records
Erscheinungsdatum: 2. 4. 2021
Produktion: Adrien G. Gzagg
Albumlänge: 62.56 min
Genre: Power Metal
Wertung: 8.0/10
Schön, dass in diesen seltsamen Zeiten noch jemand empfänglich für Zauberei und Märchenwelten ist. Power Metal. Diesmal aus dem französischen Grenoble. Die Formation Avaland. Das Debüt »Theater of Sorcery«. Hinter allem steckt die treibende Kraft des zweiundzwanzigjährigen Sängers und Hauptkomponisten Adrien G. Gzagg. Und mehr noch: Für sein Alter fliegt er verdammt hoch, denn er hat sich das Debüt der Band äußerst ambitioniert vorgestellt. Als konzeptualisierte Metal-Oper nach dem Vorbild der guten alten Zeiten, als vor mehr als zwanzig Jahren in der Popularisierung des Power Metals ähnliche Geschichten geliefert wurden – zum Beispiel von Avantasia.
Im ersten Absatz habt ihr eigentlich schon alle wesentlichen Infos darüber bekommen, was euch hier erwartet. Die Kompositionen sind natürlich typischer und klischeehafter Power Metal, der jedoch von Neoklassizismen untermauert und umrankt wird, was ihm eine ausgeprägte Note von Sinfonischem verleiht. So muss es sein, schließlich handelt es sich um eine Konzept-Metal-Oper. Zum Glück hört man schnell, dass es sich um eine Band handelt, die nicht germanisch-skandinavischen oder italienischen Ursprungs ist, denn das Album wurde nicht übermäßig klanglich poliert und bewahrt ein gehöriges Maß an produktiver Rauheit und dem aufgerauten Schwung tobender Gitarrenphrasen – das liefert dem Album ein wichtiges Element von Düsternis. Dieses wiederum balanciert die Entwicklung der Ereignisse sehr gut aus und verhindert, dass das Album von zufälligen Ausbrüchen süßlicher Pathetik beherrscht wird, was im Power Metal dieser Art eine häufige Konstante ist. »Theater of Sorcery« ist ein angenehm finster produziertes Werk, bei dem die Gitarrenphrasen eine handfeste Großspurigkeit und Schärfe herausspucken, obwohl das Album durch das Keyboard-Arrangement ein Element barocker Verziertheit trägt.
Das Album steckt jedenfalls voller Pomp und Bombast. Da es sich um ein Konzeptwerk handelt und wir im ersten Absatz das Wort Avantasia geschrieben haben, ist die eigentliche Verbindung dazu die Schar der Gastsänger, denen der junge Adrien G. Gzagg Gesangsrollen entsprechend den Figuren des Konzepts selbst zugeteilt hat – eines Konzepts von endlosen Mysterien, Magie und märchenhaftem Jenseits mutiger Krieger und böser Kreaturen. Um jemanden wie Zak Stevens (Savatage, Circle II Circle, Archon Angel) oder Ralf Scheepers (Primal Fear) auf ein Album zu bekommen bzw. deren Wohlwollen zu gewinnen, muss man Talent beweisen. Mit dabei sind außerdem die Sängerinnen Heli Andrea (Mobius) und Madie (Nightmare) sowie die übrigen männlichen Vokalkräfte, vertreten durch: Fabrice Emmanuelson (Rising Steel, Ellipsis), den Tunesier Zaher Zorgati (Myrath) und Jeff Kanji (Seasons of Silence).
Was hebt dieses Werk heraus, sodass es nicht vollständig in der Grauzone des schon Gehörten versinkt? Sehr gut gesetzte Kompositionen mit oft prägnanten und ansteckenden Refrains sowie einem guten Gespür für das stufenweise Steigern von Stimmungslagen und den Plasma plötzlicher Umschwünge in der Atmosphäre. Angesichts der Tatsache, dass die Riege der Gastsänger eine Garantie ist, die zusätzlich für ein hohes Niveau der dynamischen Ereignisentwicklung sorgt – über ihre Talente und Beiträge muss man keine Zeit verschwenden –, ist das wohl wichtigste Gefühl, das das Album vermittelt, dass es sich in erster Linie um ein Bandalb um handelt und nicht um ein Projekt.
»Theater Of Sorcery« ist ein äußerst ambitionierter erster Schritt in die Musikwelt – einer, der als Soundtrack eines Computerspiels wie Soulcalibur dienen könnte, wenn wir schon bei Variationen des Wortes Avalon sind. In der Kompositionsweise spürt man Melodielinien, wie sie einst Kamelot gebracht haben. Mit der ultramusikal ischen Bombastik, mit der man heute sogar gerne übertreibt, ist der Refrain des dritten Stücks Let The Wind Blow verbunden, der klingt wie etwas, das Beast In Black vergessen haben aufzunehmen. Vielleicht hat jemand beim Lesen dieser Rezension die Geschichte mit der französischen Symphonic-Power-Metal-Combo Adagio des Gitarristen Stephan Forte in Verbindung gebracht – das ist absolut angebracht. Besagter Mann steuert auch eines der Gitarrensolos auf diesem Avaland-Debüt bei. Auf dem Album gibt es daneben noch einige weitere Gast-Gitarrensolos. 63 Minuten sind eine ganze Menge Zeit, und das Album sagt alles schon viel früher. Die Stücke bewegen sich überwiegend in einem ruhigen Mitteltempo, was ihnen reichlich Raum zur Schaffung eines dramatischen Theaters gibt. Und davon ist mehr als genug vorhanden. Trotz der gezeigten Qualitäten muss man die extreme Vorhersehbarkeit des Werks im Blick behalten, weshalb es in erster Linie definitiv alle blutsverbürgerten Power-Metal-Liebhaber aufgreifen werden. Wie gesagt: »Theater of Sorcery« ist ein mutig gelegter Grundstein in der Karriere einer jungen Band. Ein kompaktes und vorbildlich ausgearbeitetes musikalisches Dokument.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Theater Of Sorcery
2. Gypsum Flower
3. Let the Wind Blow
4. Storyteller
5. Escape To Paradise
6. Holy Kingdom Of Fools
7. Never Let Me Walk Alone
8. Deja Vu
9. I’ll Be Ready For Your Love
10. War Of Minds
11. Rise From The Ashes
Besetzung:
Adrien G. Gzagg – Gesang, Keyboards, Orchestrierungen
Christophe Feutrier – Gitarre
Lucas Martinez – Gitarre
Camille Souffron – Bassgitarre
Leo Mouchonnay – Schlagzeug
Vokalcharaktere:
Adrien G. Gzagg – Adam Wilstorm
Zaher Zorgati (Myrath) – Adam’s Inner Voice
Jeff Kanji – Jacob Reiser, Adam’s Best Friend
Heli Andrea (Mobius/OLANE) – Solveig Elweiss, Adam’s Beloved
Emmanuelson (Rising Steel/Ellipsis) – The Master Of Sorcery
Zak Stevens (ex-Savatage/TSO/Archon Angel) – The Storyteller, appearing from the past
Ralf Scheepers (Primal Fear/ex-Gamma Ray) – Aloïsius Jestens, King Of Avaland
Madie (Nightmare/Faith In Agony) – The Guardian Angel
Gastgitarristen:
Ricky Marx – Gitarrensolo auf Stück Nr. 1
Stephan Forte – Gitarrensolo auf Stück Nr. 2
Ayman Mockdad – Gitarrensolo auf Stück Nr. 7
Virgile – Gitarrensolo auf Stück Nr. 8
