Helstar beim Glorifizieren des Chaos in der Gala hala! (2010)

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Acts: Eliminator, Metalsteel, Helstar
Ort: Ljubljana / Gala hala (Metelkova) / Slowenien
Datum: 13. 12. 2010


Die ‚Old school speed‘-Metaller aus Texas, Helstar, legen wieder voll los! Wenn noch vor drei Jahren jede Neuigkeit über eine Regeneration und Wiederbelebung der Band wie die Erfüllung wildester Wünsche klang, hat die Besetzung ihren Status als wieder aktive lebende Metal-Legenden zementiert, nachdem sie das Comeback-Album „The King Of Hell“ (2008) veröffentlicht hatte, es mit einer Europatournee untermauert hatte und heuer den vollen Arbeitsfluss mit einem neuen Album und noch einer Europatournee bestätigt hat.

Dass Helstar so bereitwillig wieder nach Slowenien zurückgekehrt sind – nach dem letztjährigen Besuch in Kranj im Mai – verdanken wir zu einem großen Teil der offenen Freundschaft zwischen Sänger James Rivera und der Band Metalsteel aus Medvode. Erinnert sei an die gemeinsame Entstehung des mehr als erfolgreichen ‚Cover‘-Bands Sabbath Judas Sabbath, bei dem Rivera am Mikrofon von der gesamten Metalsteel-Besetzung begleitet wird. Mit einigen Auftritten von Sabbath Judas Sabbath quer durch Europa haben sich die Bande gefestigt, und Helstar sind für die neue Generation slowenischer Metaller mittlerweile quasi ein fester Bestandteil des Inventars, das zum Profil des slowenischen Metal-Geschehens gehört.

Damit für Helstar die Sache aber nicht allzu reibungslos verlief, passierte Folgendes: Auf dem Weg aus dem deutschen München in die slowenische Hauptstadt mussten die Jungs Bassist Jerry Abarca in einem Münchner Krankenhaus zurücklassen. Eine Frage von Leben und Tod. Wenn der Blinddarm reißt, ist kein Platz mehr für Spaß.

Decilence, kürzlich aus Eliminator umbenannt und aus Celje stammend, bekamen die Möglichkeit, als Erste auf der Bühne ihr neues, aufgefrischtes musikalisches Erscheinungsbild zu präsentieren. Das Quartett bewegt sich im Bereich der Wiederbelebung der alten Thrash/Speed-Metal-Schule. Technisch sind sie ausgezeichnet aufgestellt, auch in der Darbietung gibt es nicht viel auszusetzen. Natürlich stehen die Jungs noch am Anfang und müssen erst die nötige Wegstrecke zurücklegen. Ihren Stil charakterisieren vielleicht am treffendsten die gespielten Coverversionen von Judas Priest und Forbidden. Aggressiv, schneidend und wütend. Der Gesang draufgängerisch und rasant, aber melodisch und in allem kompatibel. Überzeugend – mit dem Gefühl, dass die Band weiß, was sie tut und wohin sie will. Hoffen wir, dass aus dieser Band in Zukunft noch etwas Großes wird.

Als Zweite betraten Metalsteel die Bühne. Die Jungs und das Mädel haben ein neues Album in der Tasche. Das vierte in Folge, das sie dem Publikum praktisch in voller Länge präsentierten. Man spürt, dass die Band eine Phase echter Konzertauftritte durchgemacht hat – an verschiedenen Orten, unter verschiedenen Bedingungen, vor verschiedenem Publikum. Die Bande sind gewachsen. Die Besetzung ist hervorragend eingespielt. Das bestätigen vor allem Benis ausgezeichneter und unglaublich selbstsicherer Gesang, die ausgebauten Harmonien der Begleitstimmen sowie der konkretisierte gegenseitige Dialog zwischen Benis und Roks Gitarre. Die neuen Songs klingen wieder kantiger und aggressiver. Metalsteel bewahren in ihnen das gewünschte Gefühl der Melodiosität, das aus den traditionellen Werten des Heavy Metal schöpft, dem sie treu bleiben. Für die Ballade Topla je smrt trat nach langer Zeit wieder der erste Sänger der Band, Alex, bekannt als ‚Frontman‘ von Negligence, gemeinsam mit seinen Kumpanen auf die Bühne. Die Band veröffentlicht ihr neues Album offiziell kurz vor dem Jahreswechsel, und den feierlichen Moment wird sie mit einer Releaseparty in Kranj am 23.12.2010 begehen. Metalsteel gehen vorwärts und aufwärts. Das ist schlicht und einfach Fakt.

Helstar sind eben Helstar. Trotz Jerrys Abwesenheit auf der Bühne haben Rivera sowie das Gitarrenduo Trevino/Barragan mit ihrer überragenden Form und der Erfahrung alter abgebrühter Füchse die Anwesenden so in den Bann gezogen, dass niemand groß über die fehlende Bassgitarre nachgedacht hat. Die Band stellte bei diesem Auftritt auch den neuen Schlagzeuger Mikey Lewis vor, der mit seiner überlegenen Technik und seinem Können die Band zusammenhielt – kaum ein Patzer war beim Spielen zu vernehmen. Die Band präsentierte in großem Stil das exzellente neue Studioalbum „Glory To Chaos“ (2010), das sich brav an das Erbe der klassischen Helstar-Alben hält. Direkt los geht’s mit dem neuen Song Angels Fall To Hell, der ins (ebenfalls neue) Pandemonium übergeht. Rivera ist in Topform. Der Übergang von den mittleren in die allerhöchsten Lagen funktioniert makellos. Vokale Artikulation ohne Fehl und Tadel. Voll auf die Zwölf! Der Mann besitzt eine außerordentliche Charisma, und an der Gestik merkt man, dass James einiges Nützliches von Seiner Exzellenz, dem verstorbenen Ronnie James Dio, gelernt hat. Und die Charakteristik? Stellt euch vor, Dio hätte klingen wollen wie Rob Halford. Oder umgekehrt, Halford wie Dio. So ungefähr kämt ihr dem Näherungswert der Vokalinterpretation von James Rivera nahe. Nach Wicked Disposition hat der Mann kurz die Pferde gezügelt, sich eine Auszeit genommen, dem Publikum erklärt, warum heute nur vier Helstar-Musketiere auf der Bühne stehen, zugegeben, dass Slowenien in kurzer Zeit zu seiner zweiten Heimat geworden ist, und dann die Coverversion des Scorpions-Songs Animal Magnetism von der gleichnamigen Scheibe dieser geschätzten deutschen Hardrockband angekündigt. Wie es sich gehört. Durch und durch ‚Helstar‘. Von Kopf bis Fuß. Wer den Song nicht kannte, hatte definitiv das Gefühl, es handle sich um eine frische Eigenkomposition der Band – so ausgezeichnet und authentisch trägt er das Helstar-Gewand. Das Riffing von Trevino und Barragan trägt in dieser Coverversion einen echten Hauch jenes angeborenen Feingefühls, das Helstar auf dem Thrash/Speed-Metal-Planeten einen besonderen Platz einräumt. Der Song ist ebenfalls auf dem neuen Album „Glory To Chaos“ enthalten – den bekommt ihr aber nur auf CD und nur in der europäischen Version. Als Bonustrack. Rivera verblüffte mit seiner Gesangsdarbietung einmal mehr in Bone Crusher, das live noch besonders imposant und verheerend wirkte. Von den neuen Songs feuerten die Jungs außerdem noch Alma Negra und Monarch The Bloodshed ab.

Außerdem wurden noch The King Of Hell, Rhapsody In Black, Baptised In Blood, Evil Reign, The King Is Dead, The Plague Called Man, Digital Nightmares und zum Abschluss natürlich Run With The Pack gespielt. Für  diesen Song betrat auch Metalsteel-Bassist Matej Sušnik die Bühne. Er wurde von der Band ausgewählt, um beim Abschluss des restlichen europäischen Teils der Helstar-Tournee zu helfen. Es standen noch vier Konzerte aus, und Jerry muss sich natürlich nach der OP erholen. Matej ist als Wunderbassist bekannt – mit seinen gerade mal dreiundzwanzig Jahren klopft er schon an die Türen der Weltklasse-Bassisten, und vor ihm liegt eine wirklich glänzende Karriere. Natürlich hängt alles vom Mut ab und davon, dass einem das Lob nicht zu sehr ‚zu Kopf steigt‘. Das ist sicher eine große Ehre nicht nur für den Bassisten, sondern auch eine große Bestätigung für den slowenischen Heavy Metal, der damit die Anerkennung erhalten hat, außergewöhnliche Musiker und außergewöhnliche Bands zu haben, die mit der Zeit Schritt gehalten haben – was Entwicklungsstand und Reichweite des Welt-Metals für das Jahr 2010 betrifft.

Helstar haben abermals ein phänomenales Konzert abgeliefert. Der Besuch war zwar bescheiden – rund achtzig Leute. Ich glaube, die Geldbeutel sind zu dieser Jahreszeit ziemlich leer. Trotzdem hat das kleine Publikum ordentlich abgefeiert. Rivera hat das Publikum mit seiner Show und seiner Charisma spielend leicht auf seine Seite gezogen und um den Finger gewickelt. Larry Barragan und Rob Trevino begeisterten mit ihrem brillanten Gitarrenspiel, ihrer Präzision, dem außergewöhnlichen Picking und generell ihrer unglaublichen Eingespielheit in der gegenseitigen Bühnenpräsenz. Mikey Lewis hat die Rolle des neuen Helstar-Schlagzeugers mehr als gerechtfertigt.

Ganz einfach: Helstar bleiben eine starke Bühnenfigur, von einzigartiger Essenz. Jerrys Abwesenheit war zu spüren – besonders in den mittelschnellen Passagen der Songs hat sie sich „durchgeschimmert“, aber sei’s drum. „Glory To Chaos“ hat in Ljubljana eine fantastische Präsentation erlebt, und alle, die Qualität und originäres Schaffen zu schätzen wissen, haben sich nach dem Konzert ihr Exemplar der neuen Helstar-CD gesichert. Eine magische Lektion in Heavy Metal, geschmiedet nach dem Vorbild reinsten Ursprungs, unter der glühenden texanischen Sonne! Serviert glühend heiß!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik


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