Prismojeni profesorji bluesa : Križanke – Live (2CD)

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Label: Dallas Records
Erscheinungsjahr: 2017
Produktion: Julijan Erič
Albumlänge: 130:21
Wertung: 8.0 / 10

»Die Geburt einer Supernova am slowenischen Musikhimmel« und die Landung von vier ungezähmten intergalaktischen Reitern, die mit ihrem Raumschiff allein im vergangenen Jahr sage und schreibe 167 Konzerte bestritten, gleichzeitig ganze drei Monate lang Erfahrungen zwischen der Ost- und Westküste der USA sammelten und noch in der ersten Jahreshälfte ihr Studioerstlingswerk »Family« das Licht der Welt erblicken ließen – womit sie sich selbst das offizielle Fundament ihrer eigenen musikalischen Durchdringungskraft legten, vor allem aber ihrer großen Kühnheit.

Meine Damen und Herren. Das Quartett Prismojeni profesorji bluesa. Ein Quartett, das ein unerschütterlicher Schild außergewöhnlicher Kameradschaft, ein einheitlicher Fokus auf die Verwirklichung gesteckter Ziele und vor allem  ein Übermaß an Schufterei, Schufterei und noch mehr Schufterei verkörpert – das hat im vergangenen Jahr mit all seiner echten Herzlichkeit wie ein Tornado die Gunst der slowenischen Musiköffentlichkeit erobert. Blues-Revivalismus, oder grob und unscharf gesagt progressiver Blues, hat sich in den Händen irgendeiner slowenischen Band noch nie so frisch, reich, saftig, herausfordernd und frech gut angehört wie in den Händen dieses mutigen und unglaublich herzlichen Quartetts.

Der 16.09.2016 kam – und mit ihm das Konzert der Band in den Križanke. Dallas Records entschied, es als Doppel-CD herauszubringen. Es gab bei diesem Konzert mehr Musik, und wären dies goldene Zeiten, hätte dieses Produkt als Dreifach-CD mit zusätzlicher DVD erscheinen müssen.  Dennoch bekommen wir insgesamt noch immer satte 130 Minuten und 21 Sekunden Spielzeit. Allerdings ist nicht alles neues Material. Auf diesem Konzertdokument hat die Band gekürzte Versionen der Stücke Run Hilda und Keep On Groovin‘ behalten, die dem Studioerstling »Family« (2016) entnommen wurden.

Das schöne Bündel neuer Stücke auf dem Album »Križanke – Live« hinterlässt dennoch einen Eindruck von Hinausgezogenheit – und das wegen zahlreicher beherzter Jams und des großen Wunsches der Band, dem Publikum ihre ganze Echtheit und Aufrichtigkeit direkt auf  dem Silbertablett zu servieren, ohne zusätzliche Kosmetik und Aufhübschung. Ohne Hemmungen. In dieser Hinsicht kann man ihnen einen Hauch von Übertreibung vorwerfen. So finden sich punktuell (auf beiden Scheiben) zu lange Wiederholungen der Leitmotive, bei denen nicht viel passiert. Daher kann es mehrfach vorkommen, dass man auch sogenannte »leere« Abschnitte der Stücke bekommt, in denen die Leitmotive sich wiederholen, wiederholen, wiederholen, während der Rest der Truppe keine rechten Lösungen findet, wie man diese »Leere« füllen soll. Mit anderen Worten: Das Album »Prismojeni profesorji bluesa, Križanke – Live« kann sich beim Hören als zweischneidiges Schwert erweisen. Man muss es strikt als Konzertalbum betrachten, denn es ist klar, dass Prismojeni profesorji bluesa in erster Linie auf Konzerten zu genießen sind. So gut sind sie, dass sie keine Studio-»Kosmetik« brauchen. Auf der Bühne sind sie am stärksten – daher überrascht es auch keineswegs, dass sie das mit der Veröffentlichung dieses ambitioniert angelegten Projekts zeigen wollten.

Wäre  dieses Produkt in einem Stück erschienen, hätte es sich um ein erstklassiges Konzertdokument gehandelt. So aber ist es – wenn man es als Konzertdokument betrachtet – ein Werk, das zwar Einblick in die unglaubliche Herzlichkeit, Charisma und musikalische Fertigkeit gibt, mit der die vier Musiker ausgestattet sind; doch die zahlreichen Schnitte zwischen den Stücken, also Pausen zwischen den Stücken mit »Stille«, nehmen dem Produkt etwas von seiner energetischen Schwingung, weil du weißt, dass da noch etwas fehlt (mehr). Wenn du es als neues Album betrachtest, weißt du, dass es sich um rohe Versionen neuer Stücke handelt, die zwar eine Entwicklung in relativ kurzer Zeit zeigen – doch die Rohheit und Elementarität ist so groß, dass klar ist, dass die Jungs im Studio all diese neuen Ideen, die am 16.09.2016 in den Križanke gespielt wurden, noch weiter ausgefeilt und kompositorisch kompakter konkretisiert hätten, und vor allem die Spielzeit der neuen Stücke auf eine vorbildliche Länge zwischen drei und sechs Minuten pro Stück gestutzt hätten. Aber das ist gar nicht so wichtig, denn wir sprechen in erster Linie von einer Konzertaufführung.  Die Band hat auf diesem Produkt noch Öl ins Feuer der schelmischen Durchschlagskraft gegossen, mit der schon der Erstling »Family« geschmückt ist. Dass bei all dem gezeigten Irrsinn des fröhlichen Treibens, den die wilde Darbietungsachterbahn dieses Produkts festhält, die Elemente der Spontaneität und des Unerwarteten nicht fehlen – das muss man wohl kaum extra betonen.

Prismojeni profesorji bluesa bleiben auch auf diesem Dokument im Schoß der bezaubernden, lockeren Gattungsdoktrin des Schmiedens einer ihnen eigenen adventiven progressiven Blueskunst, in der sich mit dem Blues im Dialog einer unglaublich schlagkräftigen und fließenden Kinetik wirksam Swing, Boogie, Funk, Country, psychedelischer Rock, natürlich obligatorisch Rock’n’Roll sowie Julijans geschickt verpackte »Hendrixismen« verbrüdern – und die Jungs erinnern in ihrer Elementarität an den echten Retro-Sound von Bands der späten Sechziger und frühen Siebziger wie etwa Cream, wo in der Welt des Rock’n’Roll noch alles erlaubt war.

Eine Reihe musikalischer Gäste prägt das Bild einzelner Stücke, doch ihr Beitrag erreicht keine besondere Ausdrucksstärke (z. B. Nigerian Space Programe). Die weibliche Vokalbegleitung, die sich an den Leadgesang hängt, wirkt beispielsweise im Stück Ed Gene  etwas überflüssig, wenn nicht gar lästig. Mihas charismatischer Gesang genügt hier völlig.  Noch mehr. Man hat das Gefühl,  dass Prismojeni profesorji bluesa auf der Bühne vollkommen für sich stehen. Ohne zusätzliche Gäste.  Die drei Leadstimmen der Band liefern den Stücken genug Kontrast, wobei die Jams dabei durchgehend die dominante Position behalten. Im Stück F.T.P. (eine Coverversion des Originals von N.W.A.) springt auch Bassist Miha Ribarič an den Hauptgesang und heizt angenehm mit seinem »Mundwerk« ein. In diesem Stück wechselt Julijan zur Bassgitarre. Das Mundwerk von Miha Ribarič sollte man in Zukunft noch geschickter einsetzen.

In der sonstigen Performance aber sind die Jungs in jedem Moment am richtigen Platz. Auch wenn es sie mal zu weit trägt, fangen sie sich meisterhaft und bleiben in der kernigen Prämisse des Phrasierens. Wie geschickte Seiltänzer. Wohin der Weg die Jungs in die Zukunft führen wird, lässt sich nicht ehrlich vorhersagen – aber etwas Pause nach dem heißen Jahr 2016 kann sicher nicht schaden. Die Band kann sich entscheiden, in der relativ nahen Zukunft ein neues Studioalbum mit den ausgearbeiteten Stücken aufzunehmen, die auf diesem Konzertdokument festgehalten sind – oder noch einen Schritt weiterzugehen und ein völlig neues Studioalbum mit ganz neuem Material aufzunehmen. Wie auch immer. »Križanke – Live« ist in jeder Hinsicht ein wunderschönes Dokument und ein unverzichtbares Erinnerungsstück – auch für alle, die ihr bei diesem für die Band in vielerlei Hinsicht historischen Konzert dabei wart.

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
CD1.:
1. Rock Me Baby Jam
2. I Need Love
3. Run Hilda
4. L.A.
5. DeathProof
6. Red Beans and Rice
7. Earth vs Space (Part I.)
8. Deep Cuts
9. Kitchen Girl
10. Keep ob Groovin‘

CD.2:
1. Earth vs Space (Part II.)
2. Hot Summer Days
3. Jule Impro
4. Smartphone
5. Ed Gene
6. Framed Love
7. N.S.P. (Nigerian Space Programe)
8. F.T.P. (Fuck the Police)
9. Dawn Behind the Gates
10. Jam #35

Besetzung:
Miha Erič- Gesang, Mundharmonika, Percussion auf Track Nr. 7 (CD 2.)
Julijan Erič – Gesang, Gitarre, Bassgitarre auf Track Nr. 8 (CD 2.)
Miha Ribarič – Bassgitarre, Gesang auf Track Nr. 8 (CD 2.)
Zlatko Đogič – Gesang, Schlagzeug

FAMILY:
Jasna Kmetec – Tenorsaxofon
Domen Gracej – Trompete
Andrej Tomazin – Percussion, Congas 

GASTMUSIKER:
Urša Mihevc – Begleitgesang
Anja Trobec – Begleitgesang
Vesna Godler – Begleitgesang
Igor Leonardi – Gitarre, Synthesizer
Mario Babojelić – Gitarre, Elektronik 

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