Sum 41-Euphorie erobert spektakulär den ausverkauften Wiener Gasometer

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Ort: Wien / Gasometer / Österreich
Wann: Freitag, 24. 1. 2020

Sum 41 gehören zu den größeren und bekannteren Bands der vergangenen Jahrzehnte in ihrem Genre, und wie viele andere aus dieser Ära tauchen auch sie in den letzten Jahren wieder an die Oberfläche auf. Die meisten von ihnen schüren zwar die Nostalgie der Millennial-Generation – wie schon bei Alien Ant Farm, The Offspring, Green Day und anderen zu beobachten war – bieten aber nichts Neues. Die Konzerte drehen sich in der Regel um Songs, die teils schon 20 Jahre alt sind, während die neueren keiner kennt oder schlicht nicht existieren.

Sum 41 aber überraschten bereits 2016 bei ihrer großen Rückkehr mit dem Track »Fake My Own Death«, mit dem sich sowohl alte als auch neue Fans identifizieren konnten – was sich auch an den Wiener Besuchern zeigte, denn ins Konzert kamen Jung wie Alt.

Der Abend begann mit dem Auftritt der Vorband Zebrahead. Eine erfahrene Punk-Rock-Truppe, die ihre Karriere in den Neunzigern startete – und die trotz langer Bühnenhistorie und vieler Alben irgendwie nie eine größere Masse überzeugen konnte, obwohl sie als Vorband mehr als passend wirkten. Die Band steckte genug Energie in ihren Auftritt, auch die Spielsicherheit ließ nicht nach, und der Sänger versuchte mit Hip-Hop-Vocals ein bisschen Eigenständigkeit zu zeigen. Ins Set quetschten sie so etwas wie ein Best-of, konnten ihr umfangreiches Repertoire aber nicht ausschöpfen. Als Aufwärmer war das ohne Frage gut, für mehr hätte es eine längere Auswahl gebraucht.

Der zwar energische, aber dennoch etwas blasse Auftritt von Zebrahead tat den Sum 41-Fans keinen Abbruch. Im brechend vollen Gasometer betraten Sum 41 um Punkt 21 Uhr die Bühne.

Die alten Bühnenfüchse haben ihren Auftritt bis ins kleinste Detail ausgefeilt – diesmal starteten sie mit Turning Away und machten weiter mit dem ersten Hit des Abends, Hell Song. Konfetti, Nebel und das Mitsingen des Publikums ließen natürlich nicht auf sich warten. Sum 41 sagten es schon 2001 in Fat Lip: »Heavy metal and mullets, it’s how we were raised, Maiden and Priest were the gods that we praised«. Das spiegelt sich definitiv auf der Bühne wider: An Gitarrensoli mangelte es in Wien ganz und gar nicht, und gelegentlich zauberten sie dem Publikum das Gefühl, auf einem Metal-Konzert zu sein statt auf einem Punk-Rock-Konzert – was sich beim 13. Song des Abends, Fake My Own Death, deutlich bemerkbar machte: Der war dank der Soli ganze zwei Minuten länger als auf dem Album. Für die Damen gab’s natürlich auch eine Ballade, die sie auf Akustikgitarren spielten.

Bei Underclass Hero kam es zu einem ganz besonderen Moment: Frontmann Deryck Whibley ließ sich mit Hilfe des Publikums per Crowdsurfing bis in die letzte Reihe tragen. Ins Mikrofon sagte er beim Ankommen am anderen Ende der Halle: »Nobody feels left out at our shows, this is the first row now ladies and gentlemen«. In der letzten Reihe sang er noch »The People Vs…«, dann kam er für »Fat Lip« zurück auf die Bühne. Die Euphorie der über viertausendköpfigen Menge war auf ihrem Höhepunkt. Bei diesem Song hätte die Band gar nichts tun müssen – die Stimmen der Fans übertönten die Band beim Mitsingen so sehr, dass selbst die Band mit überraschten und lachenden Gesichtern ein paar Sekunden für sich brauchte. Beim nächsten Song, Still Waiting, ändert sich die Lage nicht: Die Stimmen der Fans hallen durch den Raum, Feuerzeuge und Handylichter flammen auf.

Als Zugabe servierten Sum 41 eine Coverversion des Queen-Tracks »We Will Rock You«, und dann kam der Höhepunkt des Abends: »In Too Deep«. Das Konfetti hörte während des Songs nicht auf zu regnen, mehrere Moshpits entstanden und sogar ein Circle of Death – für dieses Genre doch ziemlich überraschend. Der Abend schloss mit der Ballade »Never There«, die der Frontmann direkt am Klavier spielte.

Sum 41 sind definitiv eine jener Bands, die ihre eigenen Texte leben – wenn wir hier die erste Strophe von »God Saves Us All« zitieren:

„We have the passion of the unbroken
And our souls we will not sell
You can beat us down but when we come around
We’ll damn you all to hell
„

Und wir sind froh, dass sie sich nach all den Jahren nicht verkauft haben. Die Jungs lieferten eine hervorragende Show, eine unglaubliche Stimmung, die weder alte noch neue Fans enttäuscht zurückließ.

Setlist Zebrahead:

INTRO: America, Fuck Yeah
All My Friends Are Nobodies
Call Your Friends
The Perfect Crime
Drink Drink
Save Your Breath
Mike Dexter Is a God, Mike Dexter Is a Role Model, Mike Dexter Is an Asshole
Who Brings a Knife to a Gunfight?
Falling Apart
Anthem
Playback: I Will Always Love You

Setlist SUM 41 :
Turning Away
The Hell Song
Motivation
The Bitter End
Over My Head (Better Off Dead)
We’re All to Blame
War
Out for Blood
A Death in the Family
Walking Disaster
With Me
No Reason
Fake My Own Death
45 (A Matter of Time)
Screaming Bloody Murder
Underclass Hero
Pieces
The People Vs…
Fat Lip
Still Waiting

Encore:
We Will Rock You (Queen-Cover)
In Too Deep
Never There

Text: Denis Paradiž und Primož Novak
Fotos: Denis Paradiž für Hopeless Records

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