The Unrevealed Secret
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Eternal Idol
Label: Frontiers Records
VÖ: 2016
Laufzeit: 58:13
Wertung: 3.5/5
Eternal Idol sind eine neue italienische Symphonic-Power-Metal-Band. Das Ganze wäre kaum einer Erwähnung wert, hätte da nicht Sänger Fabio »Weiß eigentlich zufällig schon jemand, ob er Rhapsody of Fire wirklich verlassen hat?« Lione (auch Angra) mitgemacht.
Ich weiß nicht, wie viele von euch da draußen 2017 noch die ultramelodische Eingängigkeit des Power-Metal-Genres verfolgen, das bis auf die Knochen mit Operettenmelodien und dem Element symphonischer Orchesterarrangements bestückt ist. Eternal Idol lassen sich in die Phalanx von Bands einreihen wie natürlich Rhapsody of Fire, Luca Turilli’s Rhapsody, Secret Sphere, die finnischen Stratovarius, weiter die (immer tränenseligen) Landsleute Sonata Arctica, dann Delain und ähnliche Bands, bei denen auch eine Frau als Lead-Vokalistin mit von der Partie ist. Ja. Die Gesangslinien werden zwischen Fabio und Giorgio Colleluori aufgeteilt. Letztere hat keine Mezzosopranstimme, man darf also keine weitere Tarja oder Simone Simons (Epica) erwarten – im Register hält sie sich häufig in mittleren Lagen auf, wo sie auch leicht ausladend klingen kann, wie etwa im Opener Evil Tears, wo die Band sofort einen hochansteckenden Refrain entwickelt. Lione stößt sofort mit seinem charakteristischen und auf Anhieb wiedererkennbaren Operettengesang dazu, der sich in den höheren Lagen des Refrains des Eröffnungsstücks aufhält, und das Duo entwickelt dabei eine ungemein eingängige Harmonisierung der Leitmelodie.
Dabei erfinden Eternal Idol in musikalischer Hinsicht das Rad nicht neu. Was ihr auf diesem Album hört, kennt ihr bereits sehr gut – und das schon seit sehr langer Zeit. Aber das ist eben der italienische Zugang zum Power Metal, und das muss man von vornherein im Kopf behalten. Sprich: barocke Überfrachtung mit allem möglichen »Kitschkram«. Die Orchesterästhetik ist dabei durchgehend der Garant für mitunter schon fast bizarr anmutende bombastische Melodien, die natürlich schnell an die Klassiker von Rhapsody bzw. Rhapsody of Fire erinnern. Arrangementtechnisch stehen die Kompositionen eigentlich tadellos da. Im Zusammenspiel von Strophe (Pre-Chorus) und Refrain sehr geschickt verpackt und beim Hören durchgehend ungemein mitreißend. Neben den obligatorischen Middle-Eight-Passagen, die das Drama-Theater der bombastischen Wucht des Albums noch weiter anheizen, gibt es jede Menge Modulationen der Leitmelodien, zu denen beide Stimmen greifen und dabei effektvoll ihre herausragenden gesanglichen Qualitäten zur Schau stellen.
Angesichts der Tatsache, dass Power Metal in neueren Zeiten auf dem absteigenden Ast ist, stört die allgemeine Generik der Kompositionen kaum – Genre-Fans können schon froh sein, wenn sie heutzutage noch ein solch hochwertig verpacktes Album bekommen, innerhalb eines zunehmend »vernachlässigten« Genres, das heute nur noch durch die Kombination aus aufwändigen Kostümen, Glamour und Kitsch am Laufen gehalten werden kann (gell, Powewolf, Sabaton, Gloryhammer und wer noch so dazugehört) . Die Kompositionen ähneln sich stark, Highlights lassen sich schwerer herausfiltern.
Kurzum: ein schönes und geschickt verpacktes Album, das aufgrund der Trackmenge mindestens zwei Nummern zu lang ist und damit auf eine Laufzeit von fast einer Stunde kommt – das ist zu viel. Potenziell eine willkommene Bereicherung eurer Symphonic-Power-Metal-CD-Sammlung, aber summa summarum – so gefällig und qualitätsvoll die Scheibe auch ist – völlig bedeutungslos. Eternal Idol sind eine Kumpeltruppe, die sich gut kennt, im Studio bestens miteinander kommuniziert und in allem zu 100% eine italienische Metal-Story ist, bei der seit jeher reinblütige klassische Ausbildung an erster Stelle steht und das Axiom gilt: »je mehr Kitsch und Pomp, desto mehr Freude«. Darin sind Eternal Idol wahrhaftig Meister, und das italienische Publikum wird sie mit einem solchen Studio-Erstling garantiert nicht im Stich lassen – die werden ihnen aus der Hand fressen.
Eternal Idol – Evil Tears:
Besetzung
Fabio Lione – Gesang
Giorgia Colleluori – Gesang
Nick Savio – Gitarre, Keyboards
Andrea Buratto – Bassgitarre
Camillo Colleluori – Schlagzeug
Tracklist
01. Evil Tears
02. Another Night Comes
03. Awake in Orion
04. Is The Answer Far From God?
05. Blinded
06. Sad Words Unvailed
07. Desidia
08. Hall Of Sins
09. Feels Like I’m Dying
10. A Song In The Wind
11. Stormy Days
12. Beyond