An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down
Interpret: Stewart, Rod
Label: Vertigo Records
Erscheinungsjahr: 1969
Laufzeit: 32:47
Bewertung: 4/5
Rod Stewarts eigenständige musikalische Laufbahn begann 1969, praktisch gleichzeitig mit der Gründung der Band Faces, nachdem der schottische Singvogel nach gerade mal zwei Studioalben das Lager der Jeff Beck Group fluchtartig verließ. Kein Wunder also, dass auf Stewarts Debüt ein Großteil der Faces-„Maschinerie“ für intensive musikalische Aktivität sorgt, die auf dem Erstlingswerk eines der besten Vokalisten der Rockgeschichte die Rolle des musikalischen Begleiters mit Bravour übernimmt.
Nur wenigen Musikern ist es gelungen, so viele eigene Gene in die erbliche Anlage des Blues oder Soul einzuschreiben wie Rod Stewart. Onkel Rod hat im Laufe seiner Karriere mit besonderem Appetit auf Elemente der Black Music zurückgegriffen, die mit der Zeit zum unverzichtbaren Stoff seines musikalischen Spiels wurden. In die Arme der genannten Genres flüchtet sich Rod auf seinem Debüt mehrfach – gleich zu Beginn beim mutigen Griff nach dem Rolling Stones-Standard „Street Fighting Man“, dem er nonchalant einige grundlegende rhythmische Korrekturen gönnte. Den ergreifenden Schrei der einsamen Natur des Musikers erleben wir auf dem exzellenten „Man Of Constant Sorrow“, das auf schlichtem, aber höchst einfallsreichem Weg die Unmittelbarkeit der Kommunikation zwischen rauer Vokalsetzung und dem intuitiv zurückgenommenen Slide-Spiel des inspirierten Ron Wood feiert. Einen gewichtigen Anteil an der Veredelung der Blues-Atmosphäre des Albums steuern im weiteren Verlauf die zwei Nummern „Blind Prayer“ und „Cindy’s Lament“ bei, die zwar in spürbar naiver, aber keineswegs störender Manier munter in den scharfen Windungen des explosiven Blues-Rock graben.
„An Old Coat Won’t Ever Let You Down“ versammelt eine Reihe bekannter musikalischer Gesichter – neben Teilen des künftigen Faces-Kaders beschäftigt Stewarts Debüt auch die Dienste von Keith Emerson und dem ehemaligen Manfred Mann-Sänger, der auf den Namen Mike d’Abo hört. Letzterer steuerte auf dem Album die Klavierarrangements für sein eigenes Werk „Handbags and Gladrags“ bei, das sich in Stewarts erstklassiger Vokalinterpretation mit einem entspannten Gleiten durch Soul-Gewässer entfaltet. Doch der Spaß ist hier noch lange nicht vorbei. Mit dem Auftritt des Titelstücks „An Old Coat Won’t Ever Let You Down“ betritt die ganze vertraute Organik des grundlegenden Rock & Roll die große Bühne, und „I Wouldn’t Ever Change A Thing“ wirft – vor allem dank des bereits erwähnten Emerson – für einige funkelnde Momente einen neugierigen Blick in Richtung komplexerer Kompositionsstrukturen, die stark nach Prog duften. Stewart testet im Finale des Debüts durch die Bearbeitung einer originären Folk-Melodie noch ein letztes Mal die Belastbarkeit seiner eigenen Interpretationsfähigkeiten, die mit einer rührenden Darbietung des Evergreens „Dirty Old Town“ im großen Stil für das Echo der musikalischen Tradition sorgen.
„An Old Coat Won’t Ever Let You Down“ ist eine verführerische Mischung aus Rock-, Blues- und stellenweise sogar Folk-Aromen, mit der Rod Stewart eine unverwechselbare musikalische Handschrift schuf und den Weg seines eigenen kreativen Mäanderns auf künftigen Alben stilistisch absteckte. Mit der rauen Produktionsverpackung, die den Albuminhalt um das nötige Gefühl von Lebendigkeit und greifbarer Organik ergänzt, ist Rods Debüt zweifellos eines seiner aufregendsten musikalischen Dokumente und zugleich ein schönes Zeugnis von Stewarts Energie und Charisma.
Besetzung
Rod Stewart: Gesang
Ronnie Wood: Gitarre, Bass
Martin Pugh: Gitarre
Ian „Mac“ McLagan: Klavier, Orgel
Mick Waller: Schlagzeug
Keith Emerson: Orgel
Mike D’Abo: Klavier
Produktion
Rod Stewart & Lou Reizner
Trackliste
1. Street Fighting Man
2. Man of Constant Sorrow
3. Blind Prayer
4. Handbags and Gladrags #
5. An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down
6. I Wouldn’t Ever Change A Thing *
7. Cindy’s Lament
8. Dirty Old Town