No One’s Words

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Ephrat
Label: Inside Out Records
Erscheinung: 2008
Wertung: 4/5

Ephrat sind eine neue und vielversprechende Progressive-Rock-Band aus Israel, einem Land, das sich nicht gerade mit einer reichen Tradition in diesem Musikgenre rühmen kann. „No One’s Words“ ist ihr Debüt, auf dem es um eine überzeugende und ambitionierte Fusion traditioneller und moderner Progressive-Rock-Elemente geht. Die Überraschung über die großen kompositorischen und technischen Fähigkeiten dieser jungen Band, die so früh schon ein äußerst beachtliches Werk abgeliefert hat – eines, das all jene begeistern wird, die die Entwicklung des Progressive Rock im 21. Jahrhundert aufmerksam verfolgen –, sollte dabei nicht allzu groß sein, denn sie haben starken internationalen Rückhalt von einigen längst etablierten Namen in der Welt des Progressive Rock und Progressive Metal.

Ihren wichtigsten Förderer haben Ephrat in Steven Wilson (Porcupine Tree, No-Man, Blackfield), dem großen Mäzen alles Guten im modernen Progressive Rock und begeisterten Sympathisanten der israelischen Prog-Rock-Szene. Dieser hat auch an der Klanggestaltung des Albums mitgewirkt. Die Liste bekannter Musikernamen wird ergänzt durch Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation, ex-The Flower Kings) und Petronella Nettermalm (Paatos), die als Gastvokalisten auftreten.

Ephrat bieten auf „No One’s Words“ eine interessante Mischung aus traditionellen europäischen Prog-Rock- und Prog-Metal-Einflüssen, gewürzt mit einer Palette atmosphärischer orientalischer Motive aus ihrer Heimat. Genug für einen eigenen, unverwechselbaren Sound, der sie auf Anhieb von skandinavischen und amerikanischen Prog-Revivalisten unterscheidet – und ein gutes Omen für die Zukunft.

Der Kopf des Quartetts, Gitarrist, Flötist, Keyboarder und Hauptkomponist, ist Omer Ephrat. Er hat sein Werk beschrieben als „anspruchsvolle Progressive-Rock-Musik, die von einem Rock’n’Roll-Feeling angetrieben wird“. Seine wichtigsten Einflüsse sind dem Gehörten nach Wilsons Porcupine Tree, Progressive-Rock-Bands der 70er wie King Crimson, Yes, Rush und Pink Floyd, Metal-Bands der 80er und 90er wie Metallica, Megadeth und Dream Theater sowie in geringerem Maße Einflüsse traditioneller orientalischer und mediterraner Musik aus dem israelischen Volksmusik-Erbe. Genau diese ethnischen Elemente verleihen ihrer Musik jene nötige Frische, Eigenständigkeit und Aufregung, die sie von der Masse ähnlich gesinnter Prog-Rock-Bands unterscheidet. Ephrat bewahren dabei stets ihre spezifisch israelische Natur, bei der mediterrane Melodik und feurige orientalische Skalen eine äußerst leidenschaftliche Atmosphäre und Wärme erzeugen, wie sie Skandinaviern und Amerikanern gewöhnlich völlig fremd ist. Die Band wird neben Omer Ephrat noch durch Bassist Gili Rosenberg, Sänger Lior Seker und Schlagzeuger Tomer Z. ergänzt. Letzteren kennen Genre-Kenner schon seit einer Weile durch seine Mitarbeit in der Band Blackfield.

„No One’s Words“ ist ein außerordentlich bunt schillerndes Werk, das mit seiner aufregenden Atmosphäre und dem Angebot ungemein vielfältiger Motive – von Prog Rock über Metal, Hard Rock, elektronische Musik (im Stil der frühen Porcupine Tree), Pop Rock, Ethno bis hin zu Jazz – von Anfang bis Ende begeistert, sodass man gar nicht das Gefühl hat, dass es sich um ein Debüt handelt. Diese Eklektik ist schon im Eröffnungsstück „The Show“ zu spüren, wo sich zwischen den einzelnen Motiven kosmische elektronische Patterns, scharf gewürzte, metallisch getönte Gitarrenpassagen, ethnische Finessen und sehr gute Vokalharmonien aus dem Repertoire von Sänger Lior Seker vermischen.

Auch der eher melancholisch geprägte, einzigartige Vokalansatz von Petronella Nettermalm auf „Haze“ ist äußerst gelungen und schafft einen exzellenten Kontrast zwischen den einzelnen Motiven. Die Atmosphäre des Albums fließt ständig zwischen schwereren, dunkleren und helleren, leichteren Klangpaletten hin und her. Daniel Gildenlöw stellt sich in der Rolle des Hauptvokalisten auf dem fast 10-minütigen „The Sum Of Damage Done“ vor. Mit seinem unverwechselbaren Ansatz verleiht er ihrer Musik eine ganz andere Dimension, was die Kontrasthaftigkeit der Motive und die intensive Atmosphäre noch verstärkt. Die Kirsche auf der Torte ist das über 18-minütige Abschlussepos „Real“, in dem man durch die einleitenden Prog-Metal-Finessen vor allem den Einfluss von Rush spürt, bevor der Track leichtere und stärker melancholische Töne annimmt. Dies vor allem durch die erneute Zusammenarbeit mit Nettermalm, die ihre Sache wieder einmal mit Bravour meistert.

Nach einem so starken Debüt erwartet Ephrat noch eine äußerst aufregende Zukunft. Zweifellos handelt es sich um eine Band, deren Entwicklung es sich lohnt, so aufmerksam wie möglich zu verfolgen – besonders für alle, die gerne betonen, dass sie nicht in der Vergangenheit leben, und den Progressive Rock des 21. Jahrhunderts genauso genießen wie den vom Ende der 60er und aus den 70ern. Steven Wilson hat einmal mehr bewiesen, dass er ein außerordentliches Gespür für die Entdeckung junger und vielversprechender Progressive-Rock-Bands hat, die die Zukunft dieses sich ständig weiterentwickelnden Genres darstellen. Omer Ephrat und seine ambitionierten musikalischen Weggefährten beweisen, dass diese Zukunft noch äußerst hell sein wird, denn sie verstehen es ausgezeichnet, auf einzigartige Weise exzellentes kompositorisches und technisches Können mit der Erschaffung zahlreicher mächtiger und verführerischer Atmosphären zu verbinden, die mit den traditionellen Überlieferungen des Nahen Ostens verknüpft sind.

Besetzung

Lior Seker – Gesang
Omer Ephrat – Gitarre, Keyboards, Flöte
Gili Rosenberg – Bassgitarre
Tomer Z – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Daniel Gildenlow (Pain Of Salvation) – Gesang (5)
Petronella Nettermalm (Paatos) – Gesang (2, 6)

Produktion

Omer Ephrat

Trackliste

1. The Show
2. Haze
3. Better Than Anything
4. Blocked
5. The Sum Of Damage Done
6. Real

Spielzeit: 59:38

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