Wasted Time
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Appearance Of Nothing
Label: Escape Music
Release: 2008
Spielzeit: 46.33
Bewertung: 2/5
Appearance of Nothing sind Schweizer, entstanden auf den Trümmern der Band No Thanx. Das Quintett liefert Musik, die man im Genre Progressive Metal einordnen kann, dick vermengt mit einer Power-Metal-Schablone. Die Band ist drei Jahre alt, und das, was ich da in den Händen halte, ist ihr erstes richtiges Studioalbum. Man merkt ihm an, dass es an allen Ecken und Enden Lücken und Schwächen gibt, was das Komponieren angeht.
Die Jungs sind offensichtlich musikalisch sehr belesen und gebildet, und Spieltechnik ist ihnen alles andere als fremd. Sie sind stark von Elementen der klassischen Musik besessen. Das zeigt sich am deutlichsten in den prominenten Keyboard-Arrangements, die oft wie ein sinfonisches Orchester wirken. Der Hauptgitarrist ist ein wilder „Shredder“, der kaum zu bremsen ist. Er feuert kräftige Riffs ab, ist schnell wie der Teufel selbst, und diese Gitarrenphrasen sind in der Produktion scharf und betont. Als Solist kommt er komplett aus der Klassik. Bei so einer Kombination aus Keyboards und Gitarre, bei der man oft auch im Kreuzfeuer der Soli landet, liegt die Assoziation mit Dance Royal Hunt gar nicht so fern. Erst recht, wenn du merkst, dass die Jungs ab und zu gern nach Power-Metal-Manier aufs Gas steigen und unter dem Gitarrenriff im höchsten Gang die Doppelfußmaschine losrattert, was heute wie eine ziemlich abgenutzte Schablone wirkt.
Der schwächste Punkt von Appearance Of Nothing ist der Gesang. Am gelungensten zieht er sich noch in den ruhigen Passagen aus der Affäre, wo er mit sanftem, klarem, melodischem Gesang auftritt, der tragisch und ausreichend interessant wirkt. Sobald er aber zu Kraft und Rauheit greift, würde ich ihn direkt zu irgendwelchen Power-Metal-Holzfällern wie Iron Savior zum Singen schicken. In weichen sinfonischen Kollagen und vor allem in den ultramelodischen Gitarrensoli wirkt so ein unbeholfener Gesang nervig und aufgesetzt. In den Refrains nutzen die Jungs den leeren Raum nicht, den sie entschlossener mit mehrstimmigen Vokalharmonien füllen müssten.
Das zweite Problem der Jungs ist, dass sie in ihrem schöpferischen Eifer den Hörer*innen in den Songs möglichst viel bieten wollen. Was heißt das? Die Songs sind zwar motivisch abwechslungsreich und Prog-Metal-typisch komplex angelegt, aber die Motive sind nicht flüssig miteinander verbunden. Oft läuft ein Motiv, das sich gut hören lässt, und wird dann ganz schnell von einem weniger passenden Übergang auf den Keyboards abgewürgt, oder die Jungs machen die Dynamik mit Rhythmusbrüchen oder schweren rhythmischen Wendungen (Übergängen) kaputt. Manchmal geben sich die Jungs zu viel Mühe, ihr ganzes Schulwissen zu zeigen. Und dieses Album kämpft von der ersten bis zur letzten Minute mit diesem Problem. Man könnte das auch jugendliche Naivität nennen.
In Zukunft sollte mehr Aufmerksamkeit auf das Grundaxiom gelegt werden: „Weniger ist mehr“, dann kommt vielleicht auch aus den Händen von Appearance Of Nothing etwas Interessanteres heraus. Sehr wünschenswert wäre auch ein Wechsel des Sängers, vielleicht sogar der Einstieg einer Sängerin, denn die Musik erzeugt mit ihren Keyboard-Arrangements ein allgemeines Gefühl von Trauer, das die unschuldige Stimme einer jungen Frau wirkungsvoll in die Sphären gotischer Stimmung tragen könnte.
Besetzung
Patrick Gerber – Gesang, Gitarre
Peter Berger – Gitarre
Marc Petralito – Keyboards, Piano
Omar Cuna – Bass, Backing Vocals
Yves Lüthi – Schlagzeug
Produktion
Markus Teske
Tracklist
1. Man In The Mirror
2. The Gambler
3. Drifting Away
4. Wasted Time
5. Wrapped In Silence
6. Lies Of A Memory
7. The Science Of Light
I Out Of The Dark
II Into The Light
III Reprise
8. The Last Song…