Radio Moscow

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Interpret: Radio Moscow
Label: Alive Natural Sound Records
Release: 2007
Bewertung: 3.5/5

Radio Moscow ist ein provokantes Projekt zweier junger Kerle aus den USA (Bundesstaat Iowa). Provokant deshalb, weil Jungs heute in der Musik so ziemlich alles andere anpacken als Bluesmusik. Als würde einer, statt sich auf den Traktor zu setzen, lieber den Pflug in die Hand nehmen. Radio Moscow sind nämlich im Grunde auf dem Blues-Gesetzbuch aufgewachsen. Haupt-Ideengeber von allem, was Radio Moscow ausmacht, ist der kaum 21-jährige und ziemlich faszinierende Parker Griggs. Er hat sämtliche Gitarren, Drums und Percussion eingespielt und obendrein noch alle Strophen des Albums gesungen, während sich Luke McDuff ganz auf den Bass konzentrierte.

„Radio Moscow“ ist ein außergewöhnlich schönes Debüt, das vor allem von einem ehrlichen Hauch Spontaneität lebt. Darauf macht gleich der Opener Frustrating Sound aufmerksam, geprägt von frechem Ritt auf dem Wah-Wah-Effekt. Das Album startet völlig ungezähmt, direkt und ohne jede Verstellung. Es stellt sich nämlich jenes Gefühl ein, das dich augenblicklich packt – das Gefühl von Freigeist, das heute fast vergessen ist und nur noch lebendig wird, wenn wieder mal die völlig abgenudelten, verblassten Platten von MC5 oder gar Grand Funk Railroad rotieren.

Dan Auerbach, Chef von The Black Keys, hat es geschafft, in der Produktion alle Elemente bluesiger Überheblichkeit und ungezügelter Rock-Energie zu bewahren, die oft die Aufmüpfigkeit des Punk widerspiegelt. Das Album atmet mit vollen Lungen, voller Lebendigkeit und geladen mit echter Energie.

Die Gitarre spiegelt in vielem Hendrixismen wider. Die Band hat einen garagig rohen und dreckigen Sound auf Band gebannt, der sich kompromisslos unter die Haut des Hörers frisst. Der Power Blues wird in Luckydutch beim Ausspielen erotischer Natur noch einen Tick intensiver als im Opener Frustrating Sound, und die Jungs kommen in Lickskillet und Timebomb Peter Green aus den goldenen Zeiten von Fleetwood Mac sogar ziemlich nahe. Der Stil selbst, die Energie der dynamischen Intensität des Albums, das gelungene Anfeuern harter Power-Riffs mit Blues-Elementen, unterlegt von einer reitenden, kompakten und unberechenbaren Rhythmuslinie, ruft über das ganze Album hinweg das Bild von Cream wach, das die abschließende Fuse klar abrundet. Dabei muss man hervorheben, dass Parker Griggs ein Musiker mit außergewöhnlichem Gefühl und Anschlag ist. Das beweist er in den Soli, mit denen er die grundlegende Riff-Form der Songs meisterhaft würzt und ihnen eine ausgesprochen ausgewogene Mischung aus Melodie und improvisatorischem Ausklinken verpasst, was das Gesamtbild des Albums noch mal eine Klasse reizvoller macht. Was für die Gitarre gilt, gilt auch für den Bass, der mit festem, dickem und melodisch reißendem Zugriff das Klangbild durchgehend prima füllt, es geerdet ausbalanciert und mit einem Hauch spontanen Erkundens in seiner Dynamik zusätzlich aufwertet.

„Radio Moscow“ ist ein Debüt, das man heute nicht einfach so zu hören kriegt. Es ist ehrlich, witzig und überzeugt, obwohl es aus den Wurzeln des Mississippi-Deltas schöpft, mit geballter Energie und Arbeitschemie. Und eins steht felsenfest: Das Album wurde in Windeseile aufgenommen, und die Jungs mussten dafür nicht die „vierte Dimension“ erfinden. Radio Moscow haben das Studio nur mit Spontaneität gestürmt, hungrig darauf, ein Album von ordentlichem Kaliber aus sich herauszuhauen. Gott sei Dank sind sie keine hochtechnisch versierten und geschulten Musiker, denn nur so konnten sie wirklich alle Empfindungen klar, bildhaft und direkt rüberbringen, denn „Radio Mocow“ ist ein Album, das unglaublich echt ist. Wenn das Äußere zum Spiegel des Inneren wird. Echter als „Radio Moscow“ geht nicht.

Besetzung

Parker Griggs – Gesang, Gitarre, Percussion, Schlagzeug
Luke McDuff – Bass

Produktion

Dan Auerbach

Tracklist

1. Introduction
2. Fustrating Sound
3. Luckydutch
4. Lickskillet
5. Mistreating Queen
6. Whatever Happened
7. Timebomb
8. Deep Blue Sea
9. Ordovician Fauna
10. Fuse

Spielzeit: 37.15

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