It Began In The Underground

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Interpret: Lec Zorn Project, The
Veröffentlichung: 2007

The Lec Zorn Project ist eine ambitionierte Angelegenheit, bei der ihr Schöpfer Lec Zorn, eigentlich Bassist und Keyboarder, Texter und Arrangeur, eine ganze Schar musikalischer Virtuosen aus dem Feld des melodischen Hard Rock unter seinem Dach versammelt hat. „It Began In The Underground“ entstand über ganze 11 Jahre und macht keinen Hehl aus Zorns Besessenheit vom Sound und Stil der Achtziger. Kein Wunder, dass er sich selbst gern als „schlimmsten Albtraum des Grunge“ bezeichnet. Im übertragenen Sinn klingt das wie eine direkte Einladung zum Abenteuer, geradewegs in die erste Hälfte der Achtziger. Und schon öffnen sich die Horizonte der Vergangenheit mit Namen wie Survivor, Asia, Journey, Boston, Shooting Star, Styx und über allen Kansas. Man mag es heute, im Jahr 2007, kaum glauben, aber „It Began In The Underground“ wird diesen Vorschusslorbeeren absolut gerecht.

Hüpfen wir kurz durchs Material. Der Opener Lecoverture stupst sofort an die Kansas-Verehrung (Leftoverture). Es ist ein instrumentaler Atmosphärenaufbau auf Basis majestätischer Gitarrenharmonien, und beim Hören kann man natürlich noch nicht vorhersagen, was einen im weiteren Verlauf des Albums erwartet. Long Time Coming, der Song danach, ist dann das authentischste Katapult zurück in die Achtziger. Liebhaber des AOR der Achtziger, guten Morgen! Von hier an bis zum Ende der Platte sind Vergleiche mit den Bands aus dem obigen Absatz durchaus sinnvoll. Natürlich kommen wir an der herausragenden, phänomenalen Coverversion des Kansas-Klassikers Play The Game Tonight vom Album „Vinyl Confessions“ nicht vorbei (das Erscheinungsjahr 1982 passt dazu geradezu ideal), mit dem exzellenten Gesang von Lars Säfsund, der in puncto Ausdruckskraft reiner melodischer Linien ganz nah an das herankommt, was zum Beispiel Jeff Scott Sotto draufhat – um die Energie von John Elefante und mittelbar Steve Walsh einzufangen, eine schlicht bravouröse Wahl. Der Song Second Chance steckt in zwei sehr unterschiedlichen Versionen auf dem Album, und in den ersten paar Runden, wenn sich die Platte dreht, wirken sie praktisch wie zwei völlig verschiedene Songs. Die erste Version ist rockiger und zackiger. Sie steht als dritter Track auf dem Album und macht keinen Hehl aus ihren klassischen „Journey-esken“ Zügen, vor allem wenn der Gesang des Schweden Pierre Weinsberg in die höchsten Register klettert. Fighting Chance kann die Anleihe beim Grundriff von Eye Of A Tiger (orig. Survivor) nicht verbergen, aber mit einer kunstvoll veränderten kosmetischen Prothese, die den Song phänomenal reizvoll macht, ohne dass man sich groß um die Referenz scheren müsste. Die Steigerung der Drama-Atmosphäre auf der Strecke Pre-Chorus – Refrain ist meisterhaft aufgebaut und ein Ohrwurm, die Härchen auf der Haut stellen sich im Nu auf. Das zweite Instrumental des Albums, der zehnte Song namens Perseverance, ist eigentlich der wahre Abschluss des Albums, ein Abschluss vor dem Abschluss. Das Ausklangsmotiv ähnelt nämlich verblüffend dem von Lecoverture. Doch mit den Highlights ist damit noch lange nicht Schluss, nur gewinnt die vorherige Behauptung vom Abschluss vor dem Abschluss an Logik, denn Going The Distance lehnt sich unverhohlen an das Erbe des Asia-Songs Here Comes The Feeling an, und zwar so stark, dass Going The Distance in dieser Hinsicht der erste Bonus der Platte ist. Ganz am Ende steht noch eine andere Version von Second Chance, verlängert, mit anderem Sänger, einen Tick progressiver, mit spürbar reicheren Keyboard-Arrangements und einer noch packenderen Drama-Atmosphäre als die erste Version, womit das Album enorm bildhaft endet, sowohl in der Dynamik als auch in der eingefangenen Stimmung. Das sind die interessanteren Momente des Albums. Im restlichen Material bewegt es sich ansonsten mit seinen Grundmelodien und der eingefangenen Atmosphäre auf den Spuren der Bands aus dem ersten Absatz dieser Rezension.

Die Produktion ist auf Hochglanz poliert, Achtziger pur. Die Instrumente sind klar voneinander getrennt, inklusive des betonten Basses. Die Gesangsharmonien sind eine unverzichtbare Zutat und eine der Grundlagen, auf denen Lec diese unmittelbare AOR-Eighties-Energie des typisch verträumt-sehnsüchtigen Pomps aufbaut. Neben den tollen Gesangsharmonien, die den überragend klaren, zentral platzierten Hauptgesang umgeben, sind die Gitarrenriffs auf Distanz abgemischt und im Gesamtsound ein gleichwertiger Baustein neben den Keyboards, wenn es um Melodie und allgemeine Atmosphäre geht. Dieses Album überrascht mit einem hohen Grad an fließender Konsumierbarkeit. Es ist durch, ehe man blinzeln kann. Die Songs sind nämlich kompositorisch rundum ausgefeilt.

Lec Zorn ist ein Typ aus den USA, und dazu weise ich ausdrücklich darauf hin: Die mögliche Angst vor dem Witz eines Farbnegativ-Abdrucks eines Covers à la Zlatko Dobrič sollte euch nicht davon abhalten, den Inhalt des Albums genauer zu entdecken. Unglaublich und für die heutige Zeit kaum zu entschuldigen, dass man ein Melodic-Hard-Rock-Album mit so einem countryhaften Kenny-Rodgers-Cover rausbringt. Ein hoffnungsloser Zug. Der Ursache nachzugehen hat keinen Sinn, aber vielleicht liegt sie in der allgemeinen Selbstgefälligkeit und selbstverliebten Selbstüberzeugtheit der sogenannten (leider) global großspurigen, imperialen „amerikanischen Nation“, deren narzisstische Weinerlichkeit seit einigen Generationen, unbewusst Bauchkrämpfe auslöst, die unaufhaltsam zum Erbrechen drängen. Und das ist praktisch der einzige Minuspunkt, auf den man hier stößt. Der ist allerdings sehr abstoßend. Aber da die Musik zählt, hat dieses Ding zum Glück nichts mit ihr zu tun. Also, „It Began In The Underground“ ist für heutige Verhältnisse eines der verlorenen Perlchen, denn solche Alben macht man im Jahr 2007 heute nicht mehr. Eigentlich trägt es in nichts zur Evolution der Rockmusik bei, ist aber überaus willkommen, gerade wegen seiner Seltenheit und Bedrohtheit. Es ist die physische Entdeckung eines Dinosauriers, von dem wir dachten, er sei längst ausgestorben. Eine Entdeckung in ihrer ganzen ursprünglichen Reinheit und Schönheit. Das ist AOR!

Besetzung

Tracy White – Gesang, Backing Vocals
Phil Vincent – Gesang, Backing Vocals
Lars Säfsund – Gesang, Backing Vocals
Pierre Wensberg – Gesang
Chris Demming – Backing Vocals
Mike Walsh – Gitarre, Keyboards, Backing Vocals
Michael Riesenbeck – Gitarre
Eric Ragno – Keyboards
Tommy Denander – Gitarre, Keyboards
Lec Zorn – Bassgitarre, Keyboards
Eli Hludzik – Schlagzeug
Ivan Arnold – Schlagzeug

Produktion

Lec Zorn

Tracklist

1. Lecoverture
2. Long Time Coming
3. Second Chance
4. Play The Game Tonight
5. Eternal Flame
6. Fighting Chance
7. You Keep me In The Dark
8. Starting All Over Again
9. The Rush Of Passion’s Fire
10. Perseverance
11. Going The Distance
12. Second Chance (Alternate Take)

Spielzeit: 50.00

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