Human: Error
Autor: Rok Klemše
Interpret: Gonoba
Veröffentlichung: 2007
Ein blasphemisches Zitat aus M. Night Shyamalans Film Signs – Zeichen, „I am not wasting one more minute of my life on prayer! Not one more minute! Understood?“, führt uns in eine halbe Stunde sündhaft guten Thrash/Death Metal. Noch nicht mal ein volles Jahr ist seit dem ersten Demo vergangen, da beschenkt uns die Kamel-Seilschaft aus Kamnik, Domžale und Rogaška Slatina, Gonoba, schon wieder mit einer neuen Dosis hosenzerreißenden Metals. Mit dem neuen Demo Human: Error haben die Jungs sich erneut selbst übertroffen!
Human: Error überrascht schon auf den ersten Blick mit einem spannenden Cover (darauf natürlich das obligatorische Kamel), gezeichnet mit den Bleistiftstrichen des talentierten Zeichners Psycha, der damit das Wesen des Gonoba-Metals unglaublich gut auf den Punkt gebracht hat. Die Musik auf dem Demo hat nämlich ungefähr den Effekt, als würdest du 1945 mitten in Hiroshima stehen oder dich direkt ins Epizentrum eines zerstörerischen Erdbebens stellen. Human: Error ist ein einziges Schwuuuusch bis zum Schluss!
Gonoba treten schon mit dem Opener Human: Error gnadenlos aufs Gas, und der Fuß geht bis zum Ende des halbstündigen Thrash/Death-Massakers nicht mehr runter. Leider sind diese 28 Minuten furchtbar schnell vorbei, denn das Demo bietet komplex strukturierte Songs, die gleichzeitig verdammt dynamisch und so gut geschrieben sind, dass sie schneller verfliegen, als Chuck Norris eine Prügelei gewinnt… mit einem einzigen Roundhouse-Kick. Mit Human: Error sind die Gonoba-Jungs noch ein paar Stufen höher geklettert, denn das Demo liefert einiges vom Besten und Hochwertigsten, was wir im Šentflorjaner Tal je zu hören die Ehre hatten. Die Jungs wissen ganz genau, wie wichtig Weiterentwicklung ist, und im Vergleich zum ersten Demo ist Human: Error eine echte Lektion in Sachen Fortschritt.
Instrumental machen die Jungs alles platt. Das Gitarrenduo Mitja Prelovšek/Matjaž Jurjevec wird immer giftiger, immer besser eingespielt, immer präziser, und obendrein werden die beiden zu echten Riffmeistern, die auch in den starken „Maiden“-Dreierharmonien glänzen. Aber Gonoba sind instrumental gesehen ein großes Ganzes, zu dem auch eine der besten Rhythmusgruppen im heimischen Metal gehört. Rok drischt auf sein Schlagzeug ein, als ginge es um eine Wette, und die bunte Palette reicht von galoppierender Double-Bass über geniale Übergänge bis zu Becken, die das Ganze noch zusätzlich würzen. Und im Bassmeister Brane steckt der wahre Motor der Band. Es ist herrlich, im Mix einen so weit nach vorne geschobenen Bass zu hören, der solche Linien zieht, dass du umfällst. Und nicht zuletzt gibt es da noch den diensthabenden Schreihals Matic, der im Vergleich zum ersten Demo den größten Sprung gemacht hat. Der Typ grunzt und kreischt, als gäbe es was zu gewinnen, und die Kombination aus hohen Screams und tiefen Growls hüllt alles in ein dynamisches und anziehendes Ganzes. An der Aussprache könnte er noch ein bisschen feilen, aber Matic wird von Moment zu Moment besser.
Auch beim Songwriting haben Gonoba einen riesigen Fortschritt gemacht, wobei vor allem das achtminütige Meisterstück The Black Side of Life heraussticht, das mit einem phänomenalen Instrumentalteil auftrumpft, in dem sich die Gitarren Duelle und Dreierharmonien liefern, während der Bass ihnen ein fantastisches Fundament gibt. Ein Instrumentalteil, für den sich nicht mal Iron Maiden schämen müssten! Die Songs sind so abwechslungsreich und lebendig, dass sie sich mühelos ins Gedächtnis brennen, und dazu tragen sicher auch die starken, eingängigen Refrains in Human: Error und Lust bei. Die Jungs können den Ball aber auch flach halten und dir Zeit zum Luftholen lassen, etwa mit dem ruhigen Intro von Victim of Myself, das dann aber ganz schnell in die nächste Thrash-Delikatesse explodiert. Danach erwartet uns noch eine neue, verbesserte Version der Bandhymne, Gonoba 2007, in der die außerirdischen Basslinien den Moment für sich klauen. Das Demo endet nach alter Gewohnheit mit einer Blödelnummer, diesmal verneigt sich Gonoba vor dem Größten unter den Größten, Chuck Borris.
Gonoba sind im Moment eine der vielversprechendsten Metal-Bands bei uns, und das neue Demo zeigt ihre Qualität. Dynamischer, death-metallisch angehauchter Thrash Metal, vollgepackt mit roher Energie, wird garantiert keinen Liebhaber härterer Klänge kaltlassen, und ich hoffe jedenfalls, dass meine Ohren, gierig nach so gutem Metal, möglichst bald ein Studioalbum hören dürfen. Chuck Borris says: „Listen to Gonoba!“
Das Demo Human: Error gibt es zum „Dolpoteg“ (Runterladen) auf der offiziellen Seite der Band: http://www.gonobatheband.com
Besetzung
Matic Babič – Gesang
Branimir Tkalec – Bass
Mitja Prelovšek – Gitarre
Matjaž Jurjevec – Gitarre
Rok Capuder – Schlagzeug
Produktion
Gonoba
Tracklist
1. Human: Error
2. The Black Side of Life
3. Lust
4. Victim of Myself
5. Gonoba
6. Chuck Borris